Karlsbad/Waldbronn: Interkultureller Garten beendet

(MAil)

Projektabschluss nach 6 Jahren Interkultureller Garten

Seit 2016 wurde im Interkulturellen Garten mit Geflüchteten und Interessierten aus Karlsbad und Waldbronn gesät, gepflanzt und geerntet. Das Projekt wurde in einer Kooperation vom BUND Ortsverband Karlsbad/Waldbronn mit dem Runden Tisch Asyl Karlsbad initiiert. Ganz wichtig für die Neuankömmlinge aus acht Ländern 2016, vor allem aus dem Irak, Iran und Syrien und auch aus Afghanistan und Tschetschenien war es, einen Platz zu finden um ihrer engen Gemeinschaftsunterkunft in der Boschstraße in Langensteinbach zu entfliehen. Dort waren Familien oft zu fünft und mehr zusammen in einem nur mit Spanplatten abgegrenzten Raum von vielleicht 25 m² untergebracht. Besonders die trockenen und heißen Sommer 2018 und 2019 waren dort nur schwer auszuhalten und so war es für die Menschen eine Wohltat, gemeinsam zu gärtnern und abends auch mal zum Grillen beisammenzusitzen. Nach den ersten zwei Jahren auf einem Acker im Schießhüttencenter direkt an der Weinbrenner Straße, hat mit Unterstützung durch Klaus Rösch vom Garten- und Umweltamt dankenswerter Weise die Gemeinde Karlsbad ein freies Feld in den Schießhüttenäckern zur Verfügung gestellt. An der verlängerten Hertzstraße wurden 20 Parzellen angelegt und diese seither bewirtschaftet. Die Gartenarbeit war für die Geflüchteten ein wichtiger Schritt zur Integration um hier bei uns „erste Wurzeln“ schlagen zu können. Im Rückblick waren es sechs gute Jahre, allerdings hat sich bereits in den letzten zwei Jahren ein Umbruch ergeben. Coronabedingt wurden viele Kontakte stark eingeschränkt. Die meisten der früher arbeitssuchenden oder in Ausbildung befindlichen Geflüchteten haben inzwischen feste Arbeitsplätze gefunden. Viele Familien haben sich bei uns eingerichtet und sind anderweitig aktiv geworden. Und dies war ja letztlich das primäre Ziel des Projekts! Für den Garten hieß dies allerdings, dass Parzellen nur noch spärlich bewirtschaftet wurden oder ganz aufgelassen werden mussten. Es wurde zunehmend schwieriger, gemeinsame Termine für Aktionen wie das Mähen der angrenzenden Wiesenstücke, Pflege der Wege oder die Wasserbeschaffung zu organisieren. Zudem ergab sich eine Möglichkeit für einige Aktive sich in direkter Nachbarschaft auf einem privaten Grundstück mit einzubringen. Die Entscheidung das Projekt zu beenden ist trotz allem nicht leichtgefallen! In Erinnerung geblieben sind viele schöne Ereignisse: die Gespräche und Kontakte am Abend nach getaner Arbeit, die jährlichen gemeinsamen Erntedankfeste mit Musikkapelle und interkulturellem Essen oder die Pflanzaktion mit den Konfirmanden. Über die Gartenarbeit hinaus wurden zudem auch viele persönliche Beziehungen aufgebaut. Die gemeinsame whatsapp-Gruppe mit ca. 40 Beteiligten hat sich zu einer Austauschbörse für Möbel oder Kleider und Aufrufe z.B. zu Blutspenden, Impfaktionen oder für Anfragen zur Umzugshilfe entwickelt. Fazit: das Projekt hat sich gelohnt! Unser Dank gilt allen, die sich engagiert haben: den Gärtnern aus vielen Ländern, dem Biolandwirt Thomas Knodel für seine Unterstützung und Spende des Gießwassers, Robert Haas für den Wassertransport, Katharina Kronbach für die Mitorganisation in den letzten Jahren und allen die Pflanzen oder Gartengeräte zur Verfügung gestellt haben.