Erfurt: Freier Garten am Herrenberg

(Projektbesuch)

Der Freie Garten am Herrenberg befindet sich auf dem Außengelände des Stadtteilzentrums in Erfurt-Herrenberg (Träger: Plattform erfurt). Den Garten gib es seit 2015, die Idee dazu hatte ein Mitarbeiter, der noch heute den Garten koordinert und dafür einen Stellenanteil hat. Der Garten ist zum eingezäunt (das wollte die Stadt unbedingt), auf diesem Teil der Fläche stehen die Beete, der Werkstattschuppen, alle Materialien. Der andere Teil ist eher wild, aber auch hier sind ein paar Beete (eher Blumen und Kräuter). Das Stadtteilzentrum ist umgeben von Plattenbauten. Vorher wurde das Gebäude für einen Jugendclub genutzt, der traurige Berühmtheit als Nazi-Club erlangte und auch heute noch gibt es in diesem Teil Erfurts ein „Nazi-Problem“. Daher waren auch schon der Ministerpräsident, der Innenminister und öfters der OB vor Ort. Das Stadtteilzentrum ist wohl die einzige soziokulturelle Infrastruktur, die es hier gibt. Die Bewohner*innen sind „(obere bis mittlere) Unterschicht“ (Ztat meiner Gesprächspartner*innen). Viele Schichtarbeiter*innen, die hier nur schlafen, viele alleinerziehende Mütter mit ganz wenig Geld. Das Stadtteilzentrum hat in Kooperation mit Essensretter/sharing-Inis wähernd des ersten Lockdowns teilweise die Versorgung mit Lebensmitteln übernommen, da die Menschen – da Kitaessen u.ä. wegfiel, billige Lebensmittel ausverkauft waren – in Nöte gerieten.
Im Garten sind derzeit 18 Beete, die alle vergeben sind. Eine bunte Truppe, u.a. sind auch Flüchtlinge und Migrant*innen dabei, alte Menschen, junge Menschen. Leute, die „Arbeit statt Strafe“ ableisten, werden im Garten eingesetzt. Die Gärtner*innen sind in erster Linie an ihren kleinen Beeten interessiert. Manche kommen am liebsten zu Zeiten, zu denen wenig andere (am liebsten niemand) anderes da ist. Gemeinsame Planungen oder Bauvorhaben als Gartengruppe gibt es eher nicht, gebaut wird in Workshops von einigen der Gärtner*innen und Menschen aus der Nachbarschaft, die aber nicht unbedingt gärtnern.
Leute zu bewegen, in den Garten zu kommen und mitzumachen, ist nicht leicht. „Die Leute sind es nicht gewohnt, dass sie gefragt werden/etwas mitgestalten können. Sie haben sich aber auch so eingerichtet“. Die Struktur des Stadtteilzentrums ist: mitmachen, selber machen, sich einbringen, ehrenamtlich was machen. Viele wollen am liebsten aber alles „genau vorgesetzt bekommen“.
Vandalismusprobleme haben sie so gut wie gar keine. Eher gibt es immer mal wieder Einbruchsversuche, von denen aber der Garten verschont bliebt.
Im ersten Lockdown hatte das Zentrum 6 Wochen geschlossen und sie konnten auch in den Garten immer nur einen Haushalt lassen. Das hat zu Unmut und Unzufriedenheit geführt, da die Leute mit Pflanzen vor der Tür standen. Aber abgesprungen ist niemand.