Erfahrungen des Campusgarten Potsdam

(mail)

Wie wird die gemeinsame Gartenarbeit organisiert?
Unser Kernteam besteht aktuell aus fünf bis sechs Studis. Darüber hinaus haben wir inzwischen jedoch über 30 Beetpaten, die sich aus AnwohnerInnen und MitarbeiterInnen zusammen setzen. Dabei ist auf die AnwohnerInnen – v.a. junge Familien und Senioren – oft mehr Verlass als auf die Studis, die nicht selten nach einer anfänglichen Euphorie dann doch oft gerade ganz viel um die Ohren haben. Bisher leisten wir als Kernteam die gesamte Arbeit ehrenamtlich. Es gibt also niemanden, der dafür in irgend einer Weise bezahlt wird. Wir wissen jedoch von anderen Hochschulgärten, dass es dort durchaus Leute gibt, die auf bestimmte Art und Weise bezahlt werden.

Wer gießt und wer darf etwas ernten?
Wir haben gute Erfahrungen mit einem gemeinsamen Gießplan gemacht. Gegossen wird jeden zweiten Tag. In einer online-Tabelle tragen die Leute sich ein, wann sie gießen können. So bilden sich da jeweils Teams von etwa drei Leuten, die sich dann wieder unter einander abstimmen, wer wann dran ist. Geerntet wird grundsätzlich von den Beetpaten in ihren Beeten. Leider kommt es schon dazu, dass Leute sich bedienen. Das ist aber zum Glück nur ein Randphänomen. Wir denken gerade über ein eigenes Naschbeet nach, wo wir also ranschreiben, dass dort genascht werden darf.

Welche Kosten kommen auf uns zu?
Gemeinschaftsgärten sind erfreulich förderungswürdig. Wir reichen regelmäßig Förderanträge ein, die oft auch bewilligt werden. Der AStA untertützt uns von Anbeginn an regelmäßig. Die Anstiftung in München ist ein sehr wichtiger Partner, nicht nur was Förderung angeht, sondern auch in Sachen Vernetzung und Kompetenz. Grundsätzlich zeigt die Erfahrung, dass die eigentliche Gartenarbeit fast der geringere Zeitaufwand ist und dass die Orga- und Konzeptarbeit im Hintergrund eher mehr Arbeit macht. Die Hauptkosten sind also weniger die finanziellen Kosten, sondern der Zeitaufwand. Kurz, für einen Start mit vielleicht 5 Hochbeeten (ca. 300,- bis 500,- Euro), einem Wassertank (wenn nötig), einem Pavillondach (ca. 500,- Euro), einer Grundausstattung an Geräten (Schlauchwagen, Schubkarre, Schaufeln etc. ca. 500,- Euro) solltet Ihr möglichst etwa 1.000,- bis 1.500,- Euro zur Verfügung haben.

Angefangen haben wir mit selbst gebauten Hochbeet-Kästen. Da kommt man je nach Stärke und Qualität des Holzes jedoch schnell mal auf 150,- Euro pro Hochbeet. Und es ist auch ein gewisser Aufwand, die Dinger zu bauen. Unser Standard-Hochbeet besteht aus drei Palettenaufsatzrahmen (120 x 80 cm), die es im Baumarkt für 15,- Euro pro Stück gibt. Zuzüglich Teichfolie, Hasendraht und Erde kommt man auf ca. 50,- Euro pro Hochbeet. Als Basis dient eine Euro-Palette, die man oft irgendwo organisieren kann. Diese Beete sind recht schnell aufgebaut und kosten halt weniger als individuelle Konstruktionen.

Wie viele Leute sind an dem Projekt beteiligt?
Wir haben es nach drei Jahren auf mehr als 30 Beetpatenschaften gebracht. Dabei verteilt sich die Gießarbeit mit jedem zusätzlichen Beetpaten auf weitere Schultern.
Die viele Orga-Arbeit wird bei uns von einem kleinen verwegenen Team geleistet. Für diese Orga-Arbeit Leute zu finden, ist nach wie vor eine der wichtigsten Aufgaben. Wir ernten sehr viel Begeisterung, wenn es dann aber darum geht, sich konkret einzubringen, haben viele Studis dann leider gerade ganz viel zu tun.

Wie groß ist die bewirtschaftete Fläche?
Wir haben mit ca. 200 qm angefangen, sind inzwischen bei ca. 400 qm und möchten uns auf Grund der kontinuierlichen Nachfrage nach weiteren Beetpatenschaften gern auf ca. 500 qm erweitern. Das muss jedoch erst noch von der Hochschulleitung genehmigt werden. Ich würde sagen, dass man schon mindestens 100 qm haben sollte, damit es eine kritische Größe hat, um genügend Beetpaten im Boot zu haben.

So weit erst einmal in aller Kürze (…). Ich hoffe, das hilft Dir schon mal etwas weiter.

Übrigens wurden wir anfangs durchaus belächelt, als naiv und unprofessionell bezeichnet etc.. Das muss man einfach aushalten und da hilft eine gewisse Sturheit . Unsere Kritiker sind inzwischen ziemlich verstummt, da unser Campusgarten bei gutem Wetter oft regelrecht voll besetzt ist. Das ist noch ein wichtiger Hinweis, dass Ihr genügend Sitzgelegenheiten einplanen solltet und möglichst auch irgend ein Pavillon etc. als Witterungsschutz einplanen solltet.