Gartenprojekt für eine Saison in der Alten Post Spandau

(Gu)

[…]
Was ganz genau alles in diesem Sommer auf dem

Postareal stattfinden wird, lässt sich noch nicht exakt sa­

gen. Es hängt stark von dem Engagement ab, mit dem die

Spandauer diesen Freiraum nutzen werden. Aber eins ist

schon klar: Gemeinschaftliches Gärtnern wird eine große

Rolle spielen. Denn Platz ist reichlich vorhanden – auf

dem aufgeräumten Grundstück des Hauptpostamtes ge­

nauso wie auf dem Dach des ehemaligen Logistik­Gebäu­

des. Dort oben waren einmal Parkplätze für Postautos,

hinauf führt eine befahrbare Rampe, so dass man auch

Paletten mit Pflanzkästen leicht hinaufbefördern kann

und hier einen geschützten Bereich erhält, in dem auch

individuell gegärtnert werden kann. »Wir wollen auch

Kitas und Schulen in der Wilhelmstadt anbieten, hier ei­

gene Beete zu betreuen«, erläutert Pawel Bizewski. »Platz

gibt es genug und Material haben wir auch schon ziem­

lich viel beisammen, weil uns viele Spandauer schon un­

terstützen. Unsere Lager sind ziemlich voll.« So hat zum

Beispiel DeWi Back, ein Großbäcker aus der Staakener

Straße, der bundesweit viele Backshops beliefert, schon

jede Menge ausrangierte Transportkisten aus Plastik ge­

spendet, in denen man vorzüglich Pflanzen aufziehen

kann. Muttererde kommt von den Grundstückseigentü­

mern, Gartengerät von Spandauer Kleingärtenvereinen,

die mit dem Projekt kooperieren.

Das gemeinschaftliche Gärtnern auf Brachflächen hat

sich in den letzten Jahren in Berlin zu einer regelrechten

Volksbewegung entwickelt, wobei sich Junge und Alte,

Alteingesessene und Zugewanderte, Familien und Allein­

stehende zusammenfinden, auf mobilen Beeten Pflanzen

ziehen und dabei auch Kontakte knüpfen und Freund­

schaften anbahnen. Auch in der Spandauer Neustadt, im

Falkenhagener Feld, am Blasewitzer Ring und in der Ga­

tower Straße sind solche Projekte entstanden, oft unter­

stützt von Quartiersmanagements oder sozialen Trägern

wie dem SOS­Kinderdorf. Der neue Gemeinschaftsgarten

auf dem Postgelände könnte in Zukunft eine besondere

Rolle spielen. Er liegt zentral, direkt am Bahnhof, ist aber

von vornherein nur auf eine Gartensaison hin angelegt.

Im kommenden Jahr müsste er also auf ein anderes

Grundstück umziehen. Im »Neue urbane Welten e.V.« ist

man zuversichtlich, dass sich so ein Ort finden lässt, ein

leerstehendes Fabrikgelände etwa, ein Teil einer alten

Kaserne, deren Entwicklung in die Zukunft verschoben

wurde oder eine andere Brachfläche, auf der idealerweise

auch noch Schuppen herumstehen, in denen man Gar­

tengeräte verschließen kann. Es ist aber auch möglich,

dass sich zusätzlich mehrere Initiativen bilden, die auf

kleineren Flächen weiter machen wollen. Gemeinschafts­

gärten sind ja mobil, sie brauchen oft auch gar nicht viel

Platz, es gibt in Berlin auch Beispiele, wo solche Initiati­

ven auf zeitweise ungenutzten Teilflächen von Schulhö­

fen untergekommen sind oder auf wenig genutzten pri­

vaten Parkplätzen. Am »Spandauer Ufer« kann man in

diesem Jahr miterleben, wie es funktioniert.[…]