GG in Hof muss umziehen

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Seit drei Jahren säen, pflanzen und ernten die Stadtgärtner an den Saaleauen. Zwischen dem Parkplatz des Hof-Bads und den Gebäuden der Handwerkskammer haben etwa 20 Hofer ein kleines Parzellen-Paradies geschaffen. Jetzt hat das Urban-Gardening-Projekt aber ein Ende. Zumindest an dieser Stelle. Denn die Handwerkskammer (HWK) will hier einen Neubau errichten.
Das Grundstück hatten die Stadtwerke dem Bund Naturschutz, der das Urban-Gardening-Projekt initiiert hatte, kostenlos zur Verfügung gestellt. Zu dem Zeitpunkt wussten die Gärtner aber schon, dass sie an dieser Stelle nicht ewig bleiben können: „Wir haben die Nutzungsvereinbarung nur für das Jahr 2017 geschlossen“, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Jean Petrahn. „Denn wir wussten, dass die Handwerkskammer im Jahr 2018 dort bauen und dafür den Stadtwerken die Fläche abkaufen will.“ Auf keinen Fall hätten die Gärtner im Jahr 2018 dort ihre Beete anlegen sollen. „Wenn sie das doch tun, dann machen sie das wild.“

Petra Schauer und Rita Lippert haben die Betreuung des Projekts in die Hand genommen, nachdem sich der Initiator Bund Naturschutz zurückgezogen hatte. Sie haben sich die Erlaubnis zum Gärtnern beim künftigen Besitzer des Grundstücks eingeholt. Das bestätigt auch Adolf Waschke, der Leiter des Berufsbildungs- und Technologiezentrums Hof der HWK: „Solange wir nicht bauen, dürfen sie gärtnern.“ Mit den Stadtwerken sei in Sachen Kaufvertrag alles unter Dach und Fach, nur der Notartermin stehe noch aus.

Die HWK will ab dem kommenden Frühling bestehende Gebäude – in denen sich die Werkstatt und die Schulungsräume befinden – ersetzen. „Sie sind teilweise aus den 50ern und nicht mehr zeitgemäß“, erläutert Waschke. Das Hauptgebäude bleibt dabei erhalten, zwei Nebengebäude werden Stück für Stück abgerissen und neu gebaut. Damit der Betrieb während der Bauarbeiten fortgesetzt werden kann, passiert das nach und nach. „Am Ende werden nicht mehr Gebäude stehen als jetzt. Dafür wird die ganze Anlage schöner, neuer und besser für die Zukunft aufgestellt.“ Wenn es nach Waschke geht, soll es im Frühling losgehen. Aber er weiß: „Es könnte schwierig werden, Baufirmen zu finden. Ich bin trotzdem zuversichtlich.“

Mit Zuversicht sehen auch die Gärtner in die Zukunft, obwohl sie traurig sind, dass sie die Saaleauen verlassen müssen. „Das Projekt ist uns mittlerweile sehr ans Herz gewachsen“, sagt Petra Schauer, die von Anfang an dabei ist. Innerhalb von drei Jahren hätten die Gärtner den Boden aufgewertet und auch selbst viele Erfahrungen in der Gartenarbeit gesammelt.

Deshalb soll es im nächsten Jahr weitergehen. Dafür brauchen die Gärtner ein neues Grundstück – am liebsten wieder an der Saale, weil sie aus dem Fluss das Wasser zum Gießen holen können. „Aber hier sind viele Brachen durch Verunreinigungen aus der Textilindustrie immer noch belastet“, sagt Rita Lippert. Sie hat sich bei der Stadt Hof bereits nach Grundstücken erkundigt.

Auch mit dem Verein Bürger am Zug stehen die Stadtgärtner in Kontakt. Diese sind im Bahnhofsviertel aktiv und können den Gärtnern Vermieter vermitteln, die ihre Innenhöfe zur Verfügung stellen wollen. „Nächste Woche haben wir schon Besichtigungstermine“, sagt Petra Schauer. Sie hofft, dass bereits im Herbst die Entscheidung über den neuen Standort getroffen wird.

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