schöner Artikel über IG in Büdingen

(Gu, alerts)

BÜDINGEN – Es sieht aus, wie eine Schrebergartensiedlung. Ganz falsch ist der Eindruck nicht. Wer mit dem Auto von Büdingen in Richtung Büches unterwegs ist, macht auf Höhe des Erbacher Hofes fast immer Menschen aus, die dort am Wolfsbach der Gartenarbeit nachgehen. Wo Bauern jahrzehntelang Mais, Raps oder Rüben angebaut haben, wachsen nun Erdbeeren, Bohnen, Zuckermais, Zucchini, Gurken, sogar Wassermelonen und Kichererbsen. Passend zum Thema lässt sich festhalten: Das Bürgerprojekt „Internationaler Garten“ der Ehrenamtsagentur Büdingen trägt Früchte.

Gefördert vom Sozialfonds des Hessischen Sozialministeriums als Projekt der Gemeinwesenarbeit entstand dort im Oktober 2016 auf einer Fläche von etwa 5500 Quadratmetern eine Möglichkeit zum Gärtnern für unterschiedliche Menschen. Ein Ort der Begegnung sollte es werden, denn nicht nur Einheimische sind auf dem Areal tätig, sondern auch Menschen mit Migrationshintergrund und Flüchtlinge. Und – ganz wichtig – die vielen Kinder, die über das Ferienspielangebot des Familienzentrums „Planet Zukunft“ Interesse am Gärtnern und an der Natur bekommen haben. 15 kleine Beete sind speziell für sie entstanden. Ein Bürgerprojekt also im wahrsten Sinne des Wortes. Besonders ins Auge stechen auf den Parzellen der Kinder die Sonnenblumen, die ihre großen Blüten gen Himmel recken. Häufig arbeiten die Mädchen und Jungen des „Planet Zukunft“ Seite an Seite mit dem Nachwuchs der Flüchtlingsfamilien – insgesamt sind circa 120 Kinder im „Internationalen Garten“ aktiv.

„Wir haben etwa 30 Familien aus unterschiedlichen Herkunftsländern, aus Syrien, Pakistan, dem Irak und natürlich auch Büdinger. Sie alle bewirtschaften ein Gartengrundstück von etwa 70 bis 90 Quadratmetern. Viele Menschen, die hier tätig sind, hatten in ihrer Heimat bereits Gemüsegärten. Die kennen sich ziemlich gut aus“, schwärmt Kurt Stoppel, der sich in der Ehrenamtsagentur unter anderem für dieses Projekt engagiert. […]

„Nachdem die Zeit der Ferienspiele vorbei war, kamen die Kinder mit ihren Eltern, um nach den Beeten zu schauen und sie zu pflegen“, fügt Stoppel hinzu. Fachkundig leitet der gelernte Gärtnermeister mit seiner Frau Christa die Hobbygärtner an. Beantwortet geduldig Fragen, sorgt für gute Rahmenbedingungen und organisiert Gartengeräte, Pflanzen und auch Container, in denen alles aufbewahrt werden kann. „Die gesetzlichen Bestimmungen müssen natürlich beachtet werden. Da mussten wir uns erst einmal schlau machen. Ein Dixi-Klo durften wir nicht aufstellen, denn das benötigt eine Baugenehmigung“, erzählt er schmunzelnd. „Container ohne Fundamente, in denen wir Geräte einschließen können, sind erlaubt, wenn wir zehn Meter vom Bach entfernt bleiben.“

Von solchen Widrigkeiten lässt sich der Projektleiter nicht aus dem Konzept bringen. Geht nicht? Gibt’s nicht! Kurt Stoppel versucht, für alles eine Lösung zu finden, zu schön sei es, mitanzusehen, wie auf dem ehemaligen Acker eine bunte Landschaft entsteht. Auch gegen den Diebstahl von Obst und Gemüse haben die Gärtner eine Lösung gefunden. „Wir fahren im Wechsel Streife. Seitdem ist nichts mehr vorgekommen“, sagt Stoppel und schüttelt ob der Dreistigkeit einiger Menschen den Kopf. Doch das Positive überwiegt. „Als nächstes wollen wir eine Wiese gestalten. Da sollen die Kinder Fußball spielen können, schaukeln und toben. Und wir wollen einen Platz schaffen, auf dem alle zusammensitzen und den Tag ausklingen lassen können.“ Ein Sommerabend am Wolfsbach, Gartenidylle, wie in alten Zeiten.

http://www.kreis-anzeiger.de/lokales/wetteraukreis/buedingen/da-waechst-was-zusammen_18111817.htm