(gu; Mail)
Insgesamt lief die erste Saison aus meiner Sicht sehr gut. Wir sind nun zu 6. Das sind Alleinstehende, Alleinerziehende, Rentner*innen und Menschen mit einer leichten Beeinträchtigung, Deutsche und Menschen mit Migrationshintergrund. Das ist zwar zahlenmäßig unter meinen Erwartungen, allerdings hatten wir zahlreiche Anfragen und Interessenbekundungen für das nächste Jahr und auch eine Anmeldung in deren Zusammenhang 4 Personen standen. Diese ist allerdings wieder zurückgezogen worden, da sie meinten es lohne in diesem Jahr nicht mehr. Das war Ende August. Ich denke, dass sie im Frühjahr wieder zu uns kommen. Wir hatten auch einige Probleme mit den Anwohnern: Zunächst wurden zahlreich Ratten in unserer Benjes.Hecke gesehen, die auch über die Projektfläche liefen – dies wurde in den direkten Zusammenhang mit unserem Projekt gebracht. Ich habe das in einer Stadtteilsitzung diskutiert und Maßnahmen mit dem Eigentümer getroffen. Ein anderer Punkt war die „Optik“. Upcycling von Baustoffen ist in den Augen der Anwohner nicht ästhetisch. Vielleicht ist es Gewöhnungssache, vlt. liegt es aber auch an dem sozialen Gegebenheiten: Reiche und gebildete Menschen (so vermute ich) haben eine höhere Tolereanz solchen Projekten gegenüber und wollen es im freien Raum nicht zwingend sauber und steril, während die andere Seite der Gesellschaft dem Besitz der anderen gegenüber neidisch sind. Naja, die Anwohner Tenevers haben Jahre für eine Aufwertung des Stadtteils gekämpft – in diesem Zuge sind Hochhäuser saniert oder abgerissen worden und Junkies, Dealer und Obdachlose vetrieben worden. Es kommen Ängste hoch, dass die Fläche zum Anziehungspunkt für genannte Menschen werden könnte – etwas zusammenhangslos, aber so sind Ängste. Gleiches findet derzeit mit der Sicht auf die Geflüchteten statt. Wir haben im unmittelbaren Umfeld der Fläche 2 laufende Container-Komplexe als Übergangsheim. Ein weiterer wird derzeit gebaut. Das (also die damit einhergehenden Ängste und Vorurteile) sind auch die Gründe warum ich bislang noch nicht damit begonnen habe Geflüchtete mit in das Projekt einzubinden. Ich will ja, dass es ein Projekt für Anwohner ist und bleibt und die neuen Bremer integriert werden. Hier muss ich noch einiges an Arbeit leisten – mit der Aufklärung, Zusammenführung und der Einbindung haben wir aber bereits begonnen und werden weiter machen. Am 30.09. haben wir ein Erntedankfest gefeiert, bei dem etwa 120 Menschen anwesend waren. Wir hatten an dem Tag leider schlechtes Wetter, deshalb sind es nicht so viele wie erwartet gewesen.