Die bepflanzte Terrasse in der Regensburger Obermünsterstraße ist ein beliebter Treffpunkt für viele Menschen.
19. September 2016 09:08 Uhr
Familie Liebl aus Sinzing findet die grüne Terrasse eine fantastische Idee. Foto: Schrott
Regensburg.„Etwas, das Menschen für alle gemacht haben, das einfach für alle da ist.“, so beschreibt Transitionerin Lena Stoiber die “Grüne Oase“. Die Plattform befindet sich in der Obermünsterstraße. Es handelt sich um ein Projekt von Transition Regensburg.
Am westlichen Ende der Obermünsterstraße wurden sechs Parkplätze zu einer „Terrasse für alle“ umgebaut. Ermöglicht hat dies ein von der Stadt erteiltes Sondernutzungsrecht. Das etwa 50 Quadratmeter große Holzpodest wurde am 09. Mai 2015 eingeweiht.
Jeder darf gärtnern, gestalten, genießen
Auf der Veranda trifft sich ein bunt gemischtes Publikum, um gemeinsam Mittag zu essen, einfach die Sonne zu genießen oder Kräuter zu pflücken. In der Eingrenzung der Fläche gibt es Pflanzmodule, die von interessierten Leuten und zum Teil auch von Paten versorgt werden. Jeder, der möchte, kann sich daran beteiligen. Die Grüne Oase steht allen Bürgern zum Gärtnern, Gestalten und Genießen zur Verfügung. Ziel war es, einen Ort zum Wohlfühlen zu schaffen, der zum Selbstläufer wird, da jeder verantwortungsbewusst damit umgehen soll. Gemeinsamkeit und Nachhaltigkeit sind hier als Stichwörter zu nennen.
Ein Treffpunkt für alle
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Transition:
Die Bürgerbewegung Transition möchte mit der „Grünen Oase“ eine Plattform für die Gesellschaft schaffen. Transition Regensburg wurde 2012 gegründet. Es gibt 86 Vereinsmitglieder, 150 aktive Mitbürger und verschiedene Gruppen.
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Aus recycelten Materialien:
Die Veranda befindet sich am westlichen Ende der Obermünsterstraße. Sie wurde von Freiwilligen, Nachbarn und Anwohnern in Eigenregie aus recycelten Materialien erbaut.
Anfangs hatten die Organisatoren Befürchtungen, dass es zu chaotisch und möglicherweise zu laut wird, doch diese waren unberechtigt. „Obwohl wir uns eigentlich inmitten einer Partymeile mit vielen Diskotheken befinden, akzeptieren selbst Betrunkene die Terrasse und gehen anständig damit um.“, freut sich Lena. Auch wilde Partys gäbe es wohl nicht. Die junge Frau lädt allerdings jeden herzlich ein, persönliche Treffen in der „Grünen Oase“ zu feiern. Sie fände es zudem eine gute Idee, dort gemeinsam mit Freunden den Geburtstag zu verbringen. Auch Tanzabende sind möglich. Es wurde sogar eigens dafür ein Tanzteppich angeschafft.
Schöner Ort für freie Zeit
Viele Menschen wohnen in der Stadt und haben weder Balkon noch Terrasse, geschweige denn einen Garten. Hier greift der Trend „Urban Gardening“, welcher Städtern garteln möglich machen möchte. Als solche Anlaufstelle wurde deshalb die „Grüne Oase“ geschaffen. Lena Stoiber wurde schon öfter gefragt, ob man sich hier einfach so kostenlos hinsetzen darf und darauf antwortete sie immer mit einem großen Ja. „Dass es nicht kommerziell genutzt wird, verunsichert viele“, erklärt Lena.
Doch wer den Ort dann kennt und für sich entdeckt hat, kommt immer wieder her. Teresa Würth und ihre Kollegen verbringen im Sommer öfter ihre Mittagspause auf der Terrasse. „Wenn man diese Sitzmöglichkeiten nutzt, ist man nicht verpflichtet, Geld auszugeben, da es zu keinem Café gehört“, erzählt Teresa. Sie bringen dann ihr eigenes Essen mit oder kaufen sich in der Nähe einen Döner. Anita Liebl und ihren Kindern Miriam und Severin gefällt „die Art, wie die ’Grüne Oase‘ in die Stadt integriert ist“. Miriam war schon öfter nach der Schule in der „Grünen Oase“. „Man kann hier einfach schön sitzen“, schwärmt das Mädchen. Nun hat sie das erste Mal ihre Familie mitgebracht. Anita könnte sich auch gut vorstellen, in dieser Location zum Beispiel einen Flohmarkt zu veranstalten.
Zusätzliche Extras
Anfänglich wurde die „Grüne Oase“ noch als „Spermüll“ kritisiert. Mittlerweile jedoch äußert sich niemand mehr öffentlich negativ, denn der Freisitz hat durchaus seinen Charme. Lena Stoiber weißt aber darauf hin, dass sie für konstruktive Kritik jederzeit offen sind. Neben einem schönen Platz zum Verweilen und Entspannen ist in die Grüne Oase auch ein „24-h-Fair-Teiler“ integriert. Jeder kann hier Lebensmittel reinlegen, die er nicht mehr braucht. Auch ist es erlaubt, sich selbst Köstlichkeiten zu nehmen, die ein anderer gespendet hat. Es gibt einige Lebensmittelspender, die sich für dieses Projekt engagieren. Ein kleines Extra bildet die Solar-Handytankstelle nach dem Motto „Pack die Sonne in dein Handy“. Die Terrasse war von Anfang an ein zeitlich begrenztes Projekt. Es gibt jedoch eine feste Verlängerung bis Oktober 2017. Auch für ein bis zwei Jahre danach sieht es wohl gut aus, doch dies muss erst noch neu beantragt werden.
Damit die „Grüne Oase“ allerdings schön grün und vor allem bestehen bleibt, muss sie auch genutzt werden. Hier sieht Lena Stoiber eher wenig Bedenken, da Transition schon viel Lob für diese Terrasse der besonderen Art erhalten hat.