Hafengarten Offenbach: unklare Bleibeperspektive

(Gu, alerts)

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Entstanden ist der Hafengarten 2013 auf Betreiben der Stadt. Sie wollte das Gelände des ehemaligen Industriehafens nicht jahrelang brachliegen lassen. Urban Gardening war eines von mehreren Konzepten zur Zwischennutzung. Die Hobbygärtner können das Gelände frei nutzen, auch Wasser und Erde stellt die Stadt. Im Frühjahr musste der Hafengarten schon einmal weichen, weil auf der ursprünglichen Fläche das Bauprojekt „Marina Gardens“ entsteht. Die Hobbygärtner zogen auf eine deutlich kleinere geschotterte Fläche am Radweg entlang des Mainufers. Wo früher die Öltanks des Industriehafens waren, stehen heute Blumenkästen oder das, was die Hobbygärtner dazu machen: Tomatenstauden wachsen in ausgespülten Farbeimern und Flaschenkürbisse an hölzernen Lattenrosten. Im Boden dürfen die Gärtner allerdings nichts anpflanzen, weil die Erde möglicherweise noch verseucht ist.

Was den Garten so interessant macht, ist aber vor allem, „dass er das Wesen Offenbach widerspiegelt“, wie Barbara Levi-Wach sagt, Geschäftsführerin der Lokalen Agenda 21. Hier sei alles „im positiven Sinne chaotisch, Zäune bauen zum Beispiel geht gar nicht“. Nutzer des Hafengartens müssen sich zwar verbindlich anmelden, aber eine Fläche haben sie zumindest bisher nicht zugewiesen bekommen: Man pflanzte, wo Platz war. Parzellen gibt es nicht. Im Grunde ist der Hafengarten etwas für Stadtbewohner, die in ihrer Freizeit gärtnern möchten, aber kein Interesse an einem Schrebergarten haben. Anfangs sei es sogar verpönt gewesen, Rückzugsorte wie eigene Sitzecken einzurichten, sagt Levi-Wach.

Alle Gärtner und auch Besucher können die Lagerfeuerstelle nutzen und sich auf Sitzbänke aus Europaletten an einen langen Tisch aus dicken Holzbalken setzen. Wenn es regnet, bietet ein alter Güterwaggon Schutz, den Studenten der Hochschule für Gestaltung (HfG) umgebaut haben, drinnen gibt es eine Bar und eine Sitzecke. Weil der Hafengarten öffentlich ist, steht er tagsüber offen, und die Zäune, die ihn umgeben, dienen nur zum Schutz vor Kaninchen. Das Interesse der Bevölkerung an dem Garten ist auch drei Jahre nach der Eröffnung groß. Es gibt eine Warteliste, und Levi-Wach sagt, regelmäßig schauten neugierige Besucher vorbei. Wer dorthin kommt, sieht auch die Neubauten im Hafenbecken westlich der Carl-Ulrich-Brücke. Die Stadt findet das Projekt dementsprechend gut. „Der Hafengarten belebt das Areal und macht es attraktiv“, sagt Jörg Muthorst von der Stadtwerke Offenbach Holding. Deren Tochterunternehmen Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft plant, erschließt und vermarktet den Hafen.
 
Trotzdem ist nach wie vor unklar, ob die Stadt das Projekt auch langfristig unterstützt. Seine Zukunft hängt vor allem davon ab, ob und wann auf dem benachbarten Grundstück der geplante neue Standort der HfG entsteht. Die Stadt und das Land verhandeln derzeit noch über einen Kaufvertrag. In jedem Fall soll auf der Fläche des Hafengartens der Gutsche-Park mit einem Spielplatz für Kinder angelegt werden. Die Hafengärtner hätten eine Bleibegarantie bis Ende 2017, sagt Muthorst, möglicherweise könnten sie auch bis 2018 bleiben. „Aber das Grundstück muss auf jeden Fall geräumt werden. Unklar ist bloß, wann.“
Allen Beteiligten war zwar von Anfang an bewusst, dass der Hafengarten ein endliches Projekt sein würde. Allerdings hängen die Hobbygärtner mittlerweile daran, weil sich eine Gemeinschaft herausgebildet hat. Die Gruppe ist gemischt, es sind Studenten darunter, Krankenschwestern, Ingenieure. Viele kommen aus dem angrenzenden Nordend, mehr als die Hälfte der Hobbygärtner hat ausländische Wurzeln. Sie grillen gemeinsam, zimmern Gartenmöbel und tauschen Lebensmittel aus.

Falls sie nicht bleiben können, wünschen sie sich in der Innenstadt ein neues Grundstück, um dort weiterhin Erdbeeren, Auberginen und Zucchini anbauen zu können. Die Stadt, so heißt es, denke darüber zwar grundsätzlich nach, es sei aber noch zu früh für konkrete Pläne. Kurt Müller sagt, er hoffe darauf, dass notfalls eine Privatperson einspringe und unentgeltlich ein neues Grundstück zur Verfügung stelle.

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region/altes-hafengelaende-urban-gardening-in-offenbach-14404540.html