IG auf ex Kasernengelände ist Treffpunkt

(Gu aus alters)

Im interkulturellen Gemeinschaftsgarten im Wohnviertel Kastel Housing sprießt es, meterhoch stehen manche Pflanzen. Und der Verein für eine bürgerinitiierte Quartiersentwicklung als Initiator ist gewiss, mit dem Projekt einen Wunschnerv getroffen zu haben. Es gehe nicht um eine ertragsorientierte Landwirtschaft, sondern um den Versuch, mit gemeinschaftlichem Gärtnern einen Raum für Begegnungen sowie für Integration zu schaffen. „Der wird gut angenommen“, sagt Initiativsprecherin Carolin Holzer.

Kein halbes Jahr ist es her, dass die ersten Hochbeete aufgestellt und mit Pflanzerde befüllt wurden. Heute tragen zehn Interessierte das Gartenprojekt. Viele Menschen gesellen sich hinzu, einige von ihnen sind Flüchtlinge, die in den früheren Kasernen von Kastel Housing wohnen und in dem Urban Gardening eine Aufgabe finden. Der Gemeinschaftsgarten hat einen beachtlichen Umfang erreicht, er beschränkt sich nicht mehr auf einigen Hochbeeten, die auf einem Karree zwischen den Bauten angeordnet sind. Schon wird auf mancher Grünfläche gehackt und geharkt, um Samenkörner zum Keimen zu bringen und die Pflanzen aufzuziehen. […]

Die Idee, es mit Urban Gardening zu probieren, sei lange vor der Ankunft der ersten Flüchtlinge auf dem Kasernenareal entstanden. Als klar wurde, dass die Kasernen frei würden, habe der Verein ein Zeichen für eine neue Zukunft von Kastel Housing setzen wollen. Eben mit dem Gartenprojekt, das sich an alle Menschen in Kastel richten sollte, nicht nur an die, die später dort Quartier bezogen. Mit einem Garten, mit dem sie sich identifizieren und das neue Viertel in den Stadtteil integrieren könnten. Als die Flüchtlinge kamen, habe das Projekt zusätzlich an Dynamik gewonnen. Die offenen Gartentreffen seien heute zu beliebten Treffpunkten geworden. Viele Kinder kämen, auch manche Erwachsene.

Als die Stadt den Aktionstag „Wiesbaden engagiert“ ausrichtete, sei der Gemeinschaftsgarten im Westen Kastels schon so bekannt gewesen, dass Mitarbeiter einer Bank zwei Tage lang Sitzmöbel aus Holzpaletten angefertigt hätten, um ihm zusätzliche Qualitäten als Aufenthaltsort zu geben. Wer heute im Garten mitarbeite, bekommen vieles mit auf den Weg. Nicht nur schöne Gemeinschaftserlebnisse, sondern auch das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und dabei eine Menge zu lernen. Zum Beispiel, dass es Vorgänge gebe, die sich nicht von Menschen steuern ließen, weil die Natur die Mächtigere sei. Und dass es Arbeiten gebe, die sich in Gruppen leichter als allein organisieren ließen: „Man lernt, in Gemeinschaft etwas zu tun“, sagt Carolin Holzer.