Artikel über IG Coswig

Gärtnern verbindet die Nationen

Im Interkulturellen Garten gärtnern zunehmend auch Asylbewerber. Ab Januar 2016 ist nun ein neues Projekt geplant.

Von Nicole Czerwinka

Wirtschaften im Interkulturellen Garten Coswig e.V. Cornelia Obst und Johannes Hoppe sind hier bei einer Kontrolle der Erdbeerpflanzen.
Wirtschaften im Interkulturellen Garten Coswig e.V. Cornelia Obst und Johannes Hoppe sind hier bei einer Kontrolle der Erdbeerpflanzen.
© Arvid Müller

Coswig. Es sind nur knapp 7 000 Quadratmeter Gartenland in der Jaspisstraße in Coswig. Doch für die Stadt erfüllt diese Fläche eine wichtige Bedeutung. Denn hier trifft sich der Verein Interkultureller Garten seit 2009 jede Woche zweimal, um die Nationen zu vereinen. Rund 25 Mitglieder zählt dieser Verein heute. Acht davon sind russlanddeutsche Spätaussiedler, die zum Teil seit Jahrzehnten schon in Coswig leben. Eben jene Bürger Coswigs, für die der Interkulturelle Garten einst gegründet wurde. Ziel war es, sozial benachteiligten Bürgern sowie Migranten in der Stadt eine Chance, eine Aufgabe zu geben und sie aktiv ins Leben mit einzubinden. „Gegärtnert wird schließlich überall und die Sprache lernt sich auch viel besser, wenn man mit anderen zusammenarbeitet“, sagt Cornelia Obst, eine der Mitbegründerinnen des Vereins – und selbst Gartenbauingenieurin.

Seit diesem Jahr kommen nun auch zunehmend Asylbewerber bei den Arbeitseinsätzen in der Jaspisstraße vorbei. Manche kommen nur einmal. Ein Grüppchen von etwa fünf bis sechs Leuten schaut jedoch schon regelmäßig vorbei. „Wir sind kein reiner Arbeitsgarten, sondern wollen auch Gemeinschaft pflegen. Wer will, kann die Kinder mitbringen, und vor dem Vereinshaus gibt es eine Feuerstelle, das ist unser Eventplatz“, sagt Cornelia Obst. Nach den Arbeitseinsätzen wird hier nicht selten gemeinsam gegrillt und geschwatzt.

Neues entdecken

Im Herbst kamen etwa zwei Kosovo-Albaner regelmäßig bei den Einsätzen vorbei. „Die mussten für ein Beet Mist und Grünschnitt anschleppen und haben das gern getan. Wer bei der Arbeit mit anpackt, wird von den anderen auch akzeptiert. Da unterscheiden sich die Spätaussiedler und die Deutschen nicht“, sagt Cornelia Obst. Bei der praktischen Arbeit können die Asylbewerber die Sprache besser lernen. Zudem baue das gemeinsame Gärtnern auf beiden Seiten Vorurteile ab.

Und manchmal lerne man sogar noch etwas dazu. Denn gegärtnert wird zwar überall auf der Welt, aber die Geschmäcker sind verschieden: „Ein Pärchen aus Sibirien und Moldawien hat bei uns mal Schwarzen Nachtschatten angebaut. Das kennen wir hier nur als Unkraut und zudem ist es bei uns als giftig bekannt“, sagt Cornelia Obst. Doch in Sibirien gelten die Beeren des Gewächses als Delikatesse. „Sie werden dort oft in die Piroschki eingebacken – und schmecken leicht süßlich“, erzählt Cornelia Obst. Ein anderer Gärtner armenischer Herkunft berichtete, dass bei ihm zu Hause Rhabarber mit Salz und Ei serviert würde. „Bei der Vorstellung, dass wir den hier als süßes Dessert verzehren, verzog er das Gesicht“, erinnert sich Cornelia Obst.

Das Tor steht immer offen

Solcherlei Rezepte aus verschiedenen Ländern will sie im Interkulturellen Garten im kommenden Jahr noch verstärkt austauschen. Ab Januar sollen sich die Gärtner bei der Aktion „Wilde Küche im Begegnungsgarten“ regelmäßig am Feuer treffen, um gemeinsam Rezepte aus der Heimat zu kochen. Jeder kann die Zutaten selbst mitbringen oder vorher gemeinsam mit den anderen einkaufen gehen. „Das Feuer hat auch ein bisschen Symbolcharakter, schon früher haben sich die Menschen am Feuer getroffen – außerdem sind wir so nicht auf den Sommer festgelegt. Am Feuer sitzen kann man auch im Januar“, sagt Cornelia Obst. Sie erhofft sich dabei auch eine engere Vernetzung der Teilnehmer. „Beim Kochen kommt man dann wieder ins Gespräch, kann sich gegenseitig helfen, wenn jemand mal was braucht“, sagt sie.

Sie hofft, dass auch dieses Projekt wieder vermehrt Asylbewerber in den Garten locken wird. „Wer Lust hat, kann jederzeit bei uns vorbeischauen, das Tor steht immer offen“, sagt sie. Einmal hat sie das Projekt schon im Asylbewerberheim in Radebeul vorgestellt. Darauf kamen gleich fünf Leute und wollten mitmachen. Nur eines ist Cornelia Obst wichtig: Auch am Feuer soll sich jeder bei den Treffen einbringen – der eine macht Salat, der andere besorgt die Getränke. „Diese Arbeitsteilung schafft eine Gemeinschaft, das ist eine gute Basis für Gespräche und Integration funktioniert nur im Dialog“, sagt sie.

http://www.sz-online.de/nachrichten/gaertnern-verbindet-die-nationen-3287855.html