(Gu, Projektbesuch, 18.8.)
Den Mauergarten in Berlin-Mitte gibt es noch kein Jahr. Angefangen haben sie mit ein paar wenigen Beeten, alle gemeinschaftlich. Nun gibt es geschätzt 100 Beete (Palettenbeete) und die allermeisten – bis auf die vom Anfang – sind individuell. Sie schätzen, dass mindestens 200 Leute hier gärtnern. Im Verein sind sie nun schon fast 50 Mitglieder – und es wird allen GärtnerInnen nahe gelegt, doch in den Verein einzutreten, ist aber kein Muss. Der Garten ist ganz offen, keinerlei Zaun oder Hecke ist drum herum. Ab und zu kommt was weg (Pflanzen) oder werden Parties auch dort gefeiert und Müll landet in den Kisten, anfangs sind mal die IBC-Container durchlöchert worden – doch für die Lage und Offenheit ist das aus Sicht der Aktiven zu vernachlässigen. Werkzeug lagert in einer großen, wohl selbstgebauten Kiste, die mit einem Zahlenschloss gesichert ist. Auch kleine Häuschen, in denen eher bisschen Wertvolleres ist, haben ein Zahlenschloss – alle Schlösser haben dieselbe Kombination. Sie sind gerade dabei zu überlegen, ab wann wer diese Kombi bekommt. Wasser zapfen sie mit Standrohr aus einem nahen Hydranten, der anfangs noch kaputt war und von Grün Berlin repariert wurde. Schläuche haben sie über unsere Förderung gekauft. Anfangs haben die Parkleute auch mal den Garten mitgegossen oder die Container gefüllt, doch das wird nun nicht mehr gemacht (ich glaube der Grund war, dass es weniger Personal gibt o.ä.).
Sie haben außerdem noch eine Lagerfläche, auf der Paletten und andere Materialien liegen und auch die Bienen stehen.
Sie haben mehrere pflanzenkundige GärtnerInnen mit dabei, die ihr Wissen in internen Workshops den anderen weitergeben. Der eine erzählte mir, dass es für ihn schwierig war, da er von der völligen Ahnungslosigkeit vieler MitgärtnerInnen doch verblüfft war und dann mit basics wie „wir lesen jetzt mal die Aufdrucke auf den im Baumarkt oder bei Aldi gekauften Erdetüte und im Vergleich dazu den Aufdruck von Bioerde-Tüten“.
Um einen Überblick darüber zu bekommen, wo noch neue Beete hin könnten, arbeiten sie mit einem Quadrocopter, also einer Drohne, die Fotos machen kann: von oben nehmen sie Bilder auf, die sie in einen Plan integrieren können. Einen Teil wollen sie als Wildwiese für Bienen etc. freihalten.
Zu den Plena, die inzwischen nur noch alle 2 Wochen stattfinden, kommen natürlich bei weitem nicht alle. Manche haben dann ein schlechtes Gewissen und kommen mal, wissen aber nicht, was sie da eigentlich sollen. Einige machen dafür dann viel im Garten oder geben ihr Wissen weiter.
Ein Mann, den ich traf, sagte, er wäre Tomatenpate und die Tomaten hießen Alice, Tom und Jenny (o.ä.), nach den PflanzenspenderInnen benannt. Diese würden sich auskennen und er lernt von ihnen und findet diese Form von „Teil-Beteiligung“ genau richtig.
Sie haben ein umfangreiches Workshopangebot (das hatte ich ja schon eingestellt), bei dem sie ihr Wissen an die MitgärtnerInnen weitergeben. So war letzten Sonntag wohl in einer Ecke ein Palettenbeetebauworkshop, es gab einen Workshop zum Imkern im Garten, einen zum Pflanzenvermehren und einen zu Kräutern.
Wie lange sie bleiben können ist unklar, das hängt eng mit der Weiternutzung der Fläche ab, deren geplante Teilbebauung ja massiv kritisiert und bekämpft wird.
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