Berlin: Westfeld Garten wird weiter aufgebaut

Das Jahr 2024 war ein erfolgreiches und produktives Jahr für den Westfeld Garten. Die
ehemalige Wiese hat sich zu einer biodiversen Landschaft entwickelt, und die Gemeinschaft
ist aufgeblüht. Gemeinsam haben wir viele Pflanzengilden angelegt, 40 Sträucher und 5
Bäume gepflanzt, einen Lagerbereich geschaffen, Teil unserer Agora errichtet, einen
Wurmkompost eingerichtet und unsere lange Tafel gebaut.
Es gab zahlreiche Aktionen, öffentliche Workshops und Bildungsformate.
Dies alles war durch die finanzielle Förderung der Anstiftung im letzten Jahr möglich.
Auch 2025 verspricht ein spannendes Jahr zu werden. Unser Ziel ist es, den Waldgarten
weiter auszubauen und die Gemeinschaft noch stärker zu engagieren. Dabei stehen drei
größere Projekte im Fokus, für die wir finanzielle Unterstützung benötigen:
1. Marktgarten mit Bewässerungssystem
Wir planen einen 10 m x 10 m Marktgarten nach Prinzipien von Jean-Martin Fortier. Um den
intensiven Marktgarten nachhaltig zu bewirtschaften, planen wir die Installation eines
effizienten Bewässerungssystems.
2. Bau einer Außenküche
In Kooperation mit den Vereinen Fliegerwerkstatt und Torhaus Kochkollektiv möchten wir
eine Außenküche realisieren. Diese Küche soll ein zentraler Ort für gemeinsames Kochen
und Genießen werden, um die im Garten angebauten Früchte, Kräuter und Gemüse direkt
vor Ort zu verarbeiten. Auch wird die Küche mit der dort stehenden Tafel ein Ort geschützt
vor Regen und Sonne und somit der zentrale Ort für Workshops zur gesunden Ernährung
und zum Austausch in der Gemeinschaft werden.
3. Fertigstellung der Agora
Die Agora soll gemeinsam mit Kernzone e. V. durch öffentliche Workshops weiter ausgebaut
werden. Dies schafft einen Raum für Workshops, kleine Veranstaltungen und die Förderung
des gemeinschaftlichen Zusammenhalts

Wie viele Menschen sind inzwischen mit im Kernteam, wie viele kommen öfters vorbei, wie
viele punktuell?
Die Kerngruppe umfasst etwa 20 Personen. Zusätzlich gibt es eine wechselnde
Anzahl von Unterstützer:innen und Helfer:innen, die an unseren Mitmachaktionen
teilnehmen. Viele von ihnen kommen regelmäßig und haben die Möglichkeit (ca.
20P), nach einem kurzen Onboarding Teil des Kernteams zu werden. Unsere
Aktionen werden auf unserem Instagram-Kanal mit ca. 1640 Follower:innen
veröffentlicht, was stetig neue Interessierte anzieht.
An jeder Aktion nehmen 10-40 Personen teil, an die offenen Garten-Tagen
durchschnittlich 5-10 Personen.
Wie viele von euch leben in der Nachbarschaft?
Aus dem Kernteam wohnen ca. 10 1 – 3km von THF entfernt. 3 aus dem Kernteam wohnen
in der unmittelbaren Nachbarschaft. Immer wieder nehmen Interessierte aus der direkten
Nachbarschaft an unseren Angeboten teil und nehmen immer häufiger auch wiederholt teil.
Wie oft ist jemand im Garten? Trefft ihr euch hauptsächlich zusammen oder kommen
Gärtner*innen auch individuell?
Je nach Saison haben wir unterschiedliche Modelle getestet:
● Frühling: In dieser Zeit fanden viele öffentliche Aktionen und Workshops
statt. Ergänzend trafen sich kleine Gruppen von Gärtner:innen etwa einmal
pro Woche, um anstehende Arbeiten zu erledigen. Die Absprachen erfolgten
über unsere Telegram-Kanäle.
● Sommer: Wir haben einen festen Gartentag etabliert, an dem regelmäßig
gearbeitet wurde. Zusätzlich kamen einzelne Gärtner:innen, um in den
heißesten Wochen bis zu dreimal pro Woche zu gießen.
● Herbst/Winter: Der Fokus lag vor allem auf gemeinsamen öffentlichen
Aktionen wie der Anlage neuer Beete, Bodenaufbau Aktionen, und anderen
vorbereitenden Arbeiten für die kommende Saison. Diese fanden im Herbst in
einem Rhythmus von etwa zwei Mal pro Monat statt.
Wir erhoffen uns durch den Marktgarten und die offene Küche, dass in 2025 an deutlich
mehr Tagen jemand im Garten ist. Zum einen, weil mehr Pflege und Ernte anfällt, zum
anderen weil wir durch die Küche auch einen Schutzraum vor Regen und Sonne bieten
wollen. Einen Ort an dem man sich gerne länger aufhält, auch ohne zu “arbeiten”.
– Wie viele Menschen sind im Laufe des Jahres dazu gekommen, wie ist die
Fluktuation?
Mit jeder Aktion kommen neue Menschen dazu. Sowohl zu unseren Planungstreffen, als
auch zu wiederkehrenden Aktionen, als auch zu den regelmäßigen Gartenterminen.
In 2024 sind 5 neue Mitglieder in unser Kernteam dazugekommen. Diese übernehmen
wichtige Aufgaben wie den Newsletter, Moderation und planen eigenständig öffentliche
Aktionen, wie z.B. “Lasagnekompost”, “Hügelbeet” oder “Marktgarten Kickoff”. In unseren
NEWS Telegram Chat sind über 20 neue “follower”, in unserem internen Telegram Chat, wo
wir alles besprechen haben wir 8 neue Menschen aufgenommen, im Newsletter 40 neue
“Abonnenten” und bei Instagram über 200 neue.
Das scheint auf den ersten Blick gar nicht so viel. Das hat auch damit zu tun, dass wir intern
erst unsere Struktur klären mussten, bevor wir die “Tore öffnen” wollten. Das haben wir nun
gemacht. Und damit hat sich auch unsere Öffentlichkeitstrategie geändert. Seit letztem
Quartal planen wir 3 Monate voraus und veröffentlichen alle Themen und Daten alle
gemeinsam.
Wir gehen fest davon aus, dass wir in 2025 deutlich mehr Zulauf generieren werden.
– Ist das, was ihr aktuell beantragt, noch der Kern des Projekts?
Marktgarten, Küche und Agora befinden sich alle in Teilbereich 1 des Westfeld
Gartens, das sogenannte “Herzstück”, der gesamten Fläche. Bereits in den
Planungstreffen für die Gestaltung der Fläche in 2021 war angedacht worden,
Workshop-Bereiche mit Tafel und Lagerflächen, eine Agora für größere
Veranstaltungen und Gemüsebeete für eine intensivere Nutzung anzulegen.
Um den Westfeld Garten zu einem Aufenthaltsort zu gestalten, an dem man sich
auch gerne länger aufhält, brauchen wir die offene Küche und den damit
verbundenen langen Workshop Tisch und die Überdachung als Schutz vor Regen
und Sonne.
– Bitte erläutert das Konzept „Market Gardening“ kurz, warum ich euch dafür
entschieden habt, wie ihr es als Gruppe umsetzen wollt und was für Werkzeuge ihr
dafür beantragt. Wo werden diese Werkzeuge dann untergebracht? Auch in der
Kiste? Wer kümmert sich um die Instandhaltung der Werkzeuge?
Aufgrund des experimentellen Ansatzes des Westfeld Gartens möchten wir
mit verschiedenen Arten von landwirtschaftlichen Kulturen und
Anbaumethoden experimentieren.
Market Gardening oder Mikrofarming ist ein landwirtschaftliches Konzept, das auf
intensiven, kleinflächigen Anbau von Gemüse, Kräutern und Obst spezialisiert ist. Es
konzentriert sich darauf, hochwertige, frische und saisonale Produkte lokal zu
vermarkten, häufig direkt an Verbraucher, Restaurants oder über Wochenmärkte.
Auch wenn wir selber keine Produkte verkaufen wollen, wollen wir doch die Ernte in
der offenen Gemeinschaftsküche nutzen, die keine 5 Meter entfernt liegt. Kürzere
Farm-2-Fork, also “Vom Bauernhof auf den Tisch”, gibt es nicht.
Zwei Personen aus unserer Kerngruppe haben vor 2 Jahren die Tiny-Farm
Akademie, wo Mikro Farming gelehrt wird, abgeschlossen und daraufhin im letzten
Jahr in Brandenburg eine kleine Ackerfläche gepflegt. Weil das Interesse einiger
Besucherinnen des Westfeld Gartens und auch von allen aus dem Kernteam so groß
war, ist die Idee entstanden, dieses Konzept auch bei uns auszuprobieren und
Interessierte Hands-On Erfahrungen zu ermöglichen. Angeleitet bzw. den Hut haben
Janna und Johann, die beiden, die den Abschluss bei Tiny Farms gemacht haben.
Es hat bereits ein erstes Kick-Off Event stattgefunden. Dabei wurde neben einer
ersten Einführung der Ort gemeinsam definiert und eine 10 m × 10 m Folie
ausgelegt, um das Gras zurückzudrängen. Gemeinsam wurde überlegt, welche
Pflanzen für eine Bepflanzung bevorzugt werden.
Werkzeuge und Materialien, die wir dafür brauchen sind unter andere: eine
Schubkarre, Fahrradschloss für Schubkarre, Breitgabel, Rechen (ca. 70 cm),
Plastikplane, Kompost, Hackschnitzel für Wege, Samen/Jungpflanzen, Pendelhacke.
Die Werkzeuge werden in Kisten untergebracht. Dafür werden wir eine zusätzliche
Lagerksite erstellen. Im Frühjahr werden weitere Planungstreffen stattfinden. Dabei
können alle Anwesenden mehr über das Marktgärtnern erfahren. Für das Gärtnern
im Sommer wird es regelmäßige feste Termine geben. Verantwortlich für die Nutzung
ist die Marktgartengruppe, allen voran Janna und Johann.
– Was für ein Bewässerungssystem wollt ihr aufbauen, wer wird das bauen und was
für Materialen beantragt ihr dafür bei uns?
Wir wollen ein automatisches Bewässerungssystem installieren, das über
Tropfschläuche Wasser direkt an die intensiven Gemüsebeete abgibt. Aber auch für
andere Flächen möchten wir das System nutzen. Wir haben letztes Jahr im August
bemerkt, wie viel Zeit und Aufwand es ist, die große Fläche zu wässern, dabei geht
auch viel Wasser verloren und es wurden auch nicht alle Pflanzen genügend und
regelmäßig gegossen. Um Wasser und Energie zu sparen, und um den Pflanzen die
richtigen Mengen Wasser an den kritischen Tagen zur Verfügung zu stellen, wollen
wir ein automatisches Bewässerungssystem installieren. Dafür benötigen wir
zunächst einen Verteiler, von dem Verteiler führen Schläuche dann zu den relevanten
Beeten. Dort kann man sich dann entweder mit einem mobilen Schlauch anstecken
und direkt vor Ort gießen (was den Aufwand um einiges erleichtert), oder wir stecken
dauerhaft Tropfschläuche an. Über den Verteiler lässt sich dann einteilen, welche
Beete wie regelmäßig und mit wie viel Wasser versorgt werden sollen. Dafür
benötigen wir neben den Schläuchen auch die Verbindungsstücke, die T-Stücke und
einen kleinen Bewässerungscomputer. Noch gibt es keine explizite Gruppe dafür,
aber auch dieses kleine Teilprojekt wird in einem öffentlichen und kostenfreien
Workshop geplant und umgesetzt.
Außenküche
– Bitte beschreibt kurz die Vereine, mit denen ihr beim Bau der Außenküche
kooperieren wollt und was sie dazu beitragen.
Das Torhaus Kochkollektiv, ein Teilprojekt von Torhaus e.V. kocht für und mit Community
Veranstaltungen in Berlin und hat ihren Sitz am Flughafengebäude des THF. Sie betreiben
eine eigene Küfa und möchten, wenn es die Saison erlaubt, diese Aktivitäten auf das
Gelände der WFG ausweiten, um sie mit unseren Gartenaktionen zu verbinden. Die
Zusammenarbeit zwischen uns und dem Torhaus Kochkollektiv lebt von
gegenseitiger Unterstützung und Synergien: Sie haben bereits bei unseren Events
gekocht, wir stellen ihnen Kräuter aus unserem Garten zur Verfügung und sie füttern
unseren Wurmkompost mit Ihre Essensreste.
Die Fliegerwerkstatt gehört zur social return Stiftung gGmbH und ist eine gemeinnützige
Organisation, die mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund kleinere Holz- und andere
Projekte umsetzt. Die Fliegerwerkstatt ist im Gebäude des ehem. Flughafens und unser
direkter Nachbar. Wir freuen uns, die Fliegerwerkstatt zu unseren Projektpartnern zählen zu
können.
– Was genau plant ihr? Aus welchen Komponenten soll die Küche bestehen? Was
davon baut ihr selber? Wer baut wann und wie viele können dabei sein?
Gemeinsam möchten wir die Küche planen – der erste Workshop dazu hat bereits
im November stattgefunden. Teil der Küche sollte in der Fliegerwerkstatt gefertigt
werden, und ein Teil wird gemeinsam mit uns direkt auf der Fläche umgesetzt
werden. Teilnehmen können bei unseren Veranstlatungen generell jeder und jede,
die möchte. Eingeladen wird über den Newsletter und Instagram. Und demnächst
auch auf einer Tafel vor Ort.
Dies wird im Frühjahr stattfinden.
Die Außenküche wird aus 3 Tisch Elementen bestehen ca. (2m*1m) mit
abschließbarem Lagerbereich für Küchengeräte, eines davon mit integriertem
Waschbecken.
-Woher bekommt ihr die Ausstattung der Küche (Töpfe und Co)?
Die Ausstattung möchten wir durch Spenden innerhalb unseres Netzwerks
beschaffen, Open calls oder über Plattformen wie Kleinanzeigen.de für kleine
Beiträge erwerben.
Welche Gruppen können die Küche dann nutzen und wie plant ihr diese
Nutzungs-Kooperation?
Andere Initiativen sind herzlich eingeladen, die Küche zu nutzen, insbesondere für
gemeinnützige, kulturelle oder soziale Projekte. Regelmäßige Kooperationspartner
sind zu bevorzugen und können feste Zeiten oder vereinbarte Slots erhalten,
während für einmalige Nutzungen eine flexible Abstimmung vorgesehen ist. Wir
würden gern das es ein Ort werden kann für Workshops rum Lebensmittel (zB
Fermentierung, Kombucha, Kochworkshops, Haltbarmachung, gesunde Ernährung
etc) Gerne würden wir zusammen mit dem Ernährungsrat Berlin den Westfeld
Garten zu einem LebensMittelPunkt gestalten.
Agora
– Wie sieht die Agora bisher aus und was wollt ihr noch dafür bauen?
Unsere Agora besteht aus modularen Sitzelementen, die gemeinsam einen
kreisförmigen Platz schaffen. Dieser Ort soll der Begegnung und dem Austausch
dienen und Raum für Workshops und kleine Veranstaltungen bieten.
Die ersten 3 Elemente wurden in öffentlichen Workshops auf dem Gelände in
Kooperation mit der Holzwerkstatt Kernzone e.V. erstellt. In 2025 würden wir gerne 5
weitere Elemente bauen.
– Bitte fächert die Kosten für den Bau der Außenküche und die Agora weiter auf. Was
für Materialien beantragt ihr bei uns und wie teuer sind diese?
Küche: Gesamt 1500 €
1200 Materialkosten, je Element 400 € (Stahl, Holz, Schrauben, Bootslack, Schlösser)
300€ Herdplatte
Agora: Gesamt 1000 €
1000€ Materialkosten, je Element 200 € (Holz, Schrauben, Schleifpapier)
Wir haben bereits ein einfaches Element der Küchenarbeitsfläche in 2024 zusammen
mit der Fliegerwerkstatt geplant und umgesetzt. Dieses Element ist 1,20 m tief, 90
cm hoch und 2 m lang. Es besteht aus einem Metallkonstrukt, einem Metallrahmen,
auf dem oben drauf eine Arbeitsplatte und kurz über den Füßen eine zweite
Abdeckplatte verschraubt wurde. Die reinen Materialkosten waren 300 €,
Die drei weitere Küchenmodule müssen allerdings abschließbar sein und einige
weitere Funktionen und Kriterien erfüllen, die wir bereits in offenen Workshops
konkretisiert haben und noch weiter konkretisieren werden. Deswegen sind die
geschätzten Kosten etwas höher gesetzt. Manche Einzelteile kriegen wir durch
Spenden geschenkt, wie z.B. das doppelte Waschbecken mit Wasserhähnen.