Otterndorf: Garten der Hoffnung entwickelt sich weiter gut

(Bericht, Antrag, Antworten)

Die Rundbögen sollen vor Kaninchen und Rehen schützen. Mit den Folien können sie im
Frühjahr gleichzeitig als Frühbeete dienen, später legen wir dann Kaninchendraht darüber.
Deshalb brauchen wir auch Schneckenkorn, weil wir so in den Beeten die Nacktschnecken
nicht mehr so gut absammeln können.
Bislang haben wir die hohe Hecke und die Baumreihen mit Handgeräten beschnitten, aber
wir werden alle älter, und Akkugeräte sind mittlerweile erschwinglicher geworden, deshalb
wünschen wir uns Kettensäge und Motorsense.
2 weitere Hochbeete haben noch Platz. Nach den Erfahrungen im letzten Jahr gewähren sie
eine zuverlässige Ernte der Gemüsepflanzen, die besonders gerne von Schnecken gefressen
werden.

Zu den Hochbeeten: Wir haben im letzten Jahr 3 Hochbeete aus Metall angeschafft, die haben sich bewährt: keine Schnecken. Aus Metall ist für uns besser, weil Holzbeete ständig gepflegt werden müssen, ausgewechselt, neu gestrichen … Nun würden wir gern noch 2 weitere dazukaufen.

Für die kleine Akku-Kettensäge brauchen wir keinen Schein, das ist ja da Gute. Im letzten Jahr haben wir mehrmals eine Kettensäge gebraucht, weil Bäume umgestürzt sind und die Hecke zum Friedhof an der Ost-Seite inzwischen eher ein Knick mit dicken Ästen ist, wo ständige Pflege nötig ist. Bislang kam immer mein Mann mit seiner großen Säge, nur er konnte das machen. In diesem Winter werden wir noch ein paar Bäume fällen oder beschneiden müssen, im Laufe des Jahres steht die Heckenpflege an, und es bricht im Sturm auch immer mal ein Ast ab. Mein Mann mit seiner großen Säge hat da die Oberaufsicht, aber mit der Akkusäge könnte dann jemand helfen, um die abgesägten Teile zu zerkleinern – der Kleinkram wird dann von allen per Hand zerschnitten.

Um die Wartung der Geräte kümmert sich immer mein Mann. Wir lagern die Akku-Geräte bei uns zu Hause, um sie aufzuladen und damit sie nicht geklaut werden.

BERICHT 2025

Bereits am 15. März begann die Gartensaison. Auch bedingt durch das gute Wetter im Frühjahr
und Frühsommer kamen ohne Werbung viele Geflüchtete in den Garten, um die Beete
vorzubereiten, ein neues Blumenbeet anzulegen, Frühjahrsputz im Gartenhaus zu machen und
die Hecken zu schneiden. Anziehungskraft hatte auch die gespendete Tischtennisplatte, die bei
gutem Wetter in diesem Jahr von großen und kleinen Gartenbesucher*innen dauernd genutzt
wurde.
Im April wurden die von der Anstiftung finanzierten neu gekauften Hochbeete zusammen-
geschraubt, was sich mit gefühlt 500 Schrauben in einer mühseligen, aber auch lustigen
Gemeinschaftsaktion nach mehrfachen Versuchen umsetzen ließ. – Als Grundlage für die
Beete konnten wir dann die abgeschnittenen Zweige eines umgefallenen Baumes gut nutzen,
Heckenschnitt sowie die Reste der im letzten Jahr angelieferten Komposterde. (Auch diese
wurde ja von der Anstiftung finanziert.) Gießwasser mussten wir 2025 nur im Juni vom nahen
Friedhof holen, ansonsten haben unsere vielen großen Regentonnen ausgereicht, die wir in
den letzten Jahren angeschafft haben.
Die Einrichtung der Hochbeete war ein voller Erfolg: Einige Kolumbianer*innen haben sie
bepflanzt und gleichzeitig die schwierigen Worte geübt: Zucchini und Hokkaido-Kürbis,
Pflücksalat und Petersilie. Die Pflanzen konnten endlich mal gut wachsen, ohne von Schnecken
oder Hasen abgefressen zu werden. Wir planen deshalb, im nächsten Jahr, noch weitere
Hochbeete aufzustellen.
Auch von der Ernte auf den flachen Beeten (Kartoffeln, Bohnen, Karotten, Porree und Rote
Bete) konnten wieder alle profitieren, die gerade da waren und etwas brauchten. Die
Zuordnung der Beete zu bestimmten Personen haben wir wieder aufgegeben, weil alles auch
so sehr gut geklappt hat. Nur die Tomatenernte war leider spärlich, weil die Pflanzen
Braunfäule bekommen haben. Unser Plastik-Gewächshaus entwickelt wohl zu viel
Schwitzwasser, so dass wir es im nächsten Jahr vielleicht besser mit Gurken probieren und den
Tomatenanbau nach unzähligen nicht so befriedigenden Versuchen an verschiedenen Orten
nun wohl erstmal aufgeben. Mit Kaninchendraht schützen werden wir im nächsten Jahr auch
die Bohnen und die Rote Bete, da anscheinend in letzter Zeit vermehrt Hasen und Rehe durch
unseren Garten laufen.
Profitieren konnten alle Gartenbesucher*innen auch von dem vielen Obst aus unserem
Garten: Johannisbeeren, Josterbeeren, Himbeeren, Blaubeeren – im Umland noch
Brombeeren. Sogar unser neuer Kirschbaum, den wir für unser vor 2 Jahren verstorbenes
Gartenmitglied Winnie gepflanzt hatten, brachte sehr leckere gelbe Früchte, die wegen ihrer
Farbe von den Staren nicht erkannt worden waren.
Im Herbst kam dann die Apfel- und Birnenernte dazu. Zum ersten Mal haben wir im
Gemeinschaftsgarten Apfelsaft gemacht, obwohl wir dort weder Strom noch einen
Wasseranschluss haben. Der von der „Anstiftung“ finanzierte Schredder wurde von einem
Generator angetrieben – auch diesen haben wir vor einigen Jahren mit Hilfe der Anstiftung
gekauft. Eine Presse mussten wir nun doch dazukaufen, da diejenige, die wir hätten leihen
können, für unsere langen Wege zu wenig Kapazität gehabt hätte. Diese neue Presse, mit
Wasserdruck betrieben, haben wir im nahegelegenen Friedhof an einen Wasserhahn
angeschlossen. So sind alle hin- und hergelaufen oder haben die Äpfel kleingeschnitten –
später dann auf zwei Gaskochern den Saft auf 70 Grad erhitzt und letztendlich in
Plastikschläuche (wiederum „Anstiftungs“-finanziert) gefüllt: insgesamt 45 l. Alle Beteiligten –
Kinder wie Erwachsene – freuten sich über die bunten Aktivitäten an einem grauen Herbsttag.
Der „Wermutstropfen“ kam dann eine Woche später: der Saft ist in den Schläuchen gegoren
und musste ganz schnell ausgetrunken werden. Woran genau dies gelegen hat, wissen wir
leider nicht, wir haben allerdings die Schläuche im Verdacht, da uns das andernorts mit
Flaschen nicht passiert ist.
Das Besondere in diesem Jahr war ein Filmprojekt im Gemeinschaftsgarten. Unsere
gemeinschaftliche Gartenarbeit wurde gefilmt, gleichermaßen einige Interviews zum Thema
„ledige Mütter auf der Flucht“ und „Integrationsversuche von jungen afrikanischen Männern“.
Auch das Filmteam ist international besetzt (eine Chinesin, Kolumbianer*innen, Afghanen und
Deutsche). Nach der Drehbuchvorlage einer jungen Kolumbianerin wurde zudem ein Kurzfilm
gedreht, für den wir unser Gartenhaus zu einem Wohnzimmer umgestalteten. Angeregt von
den Filmen kam ein junger Mann mit Gedichten über die Flucht in den Garten, eine Frau aus
der Elfenbeinküste sang Lieder in ihrer Heimatsprache und die afrikanischen jungen Männer
begeisterten wie im letzten Jahr mit weiteren Rap-Einlagen. Aus all diesem entwickelten wir
im Dezember einen „Abend mit Filmen, Musik und Poesie von Migrant*innen aus dem Garten
der Hoffnung“, der die 60 Zuschauer*innen berührte und beeindruckte und eine sehr gute
Werbung für unseren Gemeinschaftsgarten war: drei Frauen haben spontan nachgefragt, ob
sie sich im nächsten Jahr am Gartenprojekt beteiligen könnten.
Wie bereits in allen vorherigen Jahren hat sich die Zusammensetzung des Garten-Teams auch
in diesem Jahr verändert. Eine deutsche Frau ist hinzugekommen, die alles „Drumherum“ wie
Rasenmähen, Ordnung schaffen, Laub fegen, Kanten stechen … voller tatkräftiger Freude
erledigt. Sie wird das weiter so machen und hat sich dafür ein paar wichtige Akku-Geräte
gewünscht. 1 Kolumbianer und eine junge Kolumbianerin sowie ein junger Mann aus Burundi
sind inzwischen feste Mitglieder im Gartenteam, eine syrische Familie mit 2 Kindern ist hinzu-
gekommen, während eine afghanische Familie, die fast von Anfang an dabei war, nun leider
weggezogen ist. Die eigentlich fest dazugehörende iranische Familie ist leider wegen privater
Anforderungen nur noch sporadisch dabei. Aktuell besteht das Gartenteam aus 12
verbindlichen Mitgliedern. Die regelmäßigen Besucher*innenzahl von meist 20-25 Personen
zeigt jedoch, dass sich viel mehr Leute zum Garten zugehörig fühlen und dann auch gerne
mitarbeiten. Zu dem großen Interesse beigetragen hat auch in diesem Jahr die
Fahrradwerkstatt und die oben beschriebenen Filmaktivitäten. Beides werden wir im nächsten
Jahr weiterführen.