Unkel: Gemeinschaftsgarten Teil der Nachnutzung einer Freibadumgebungsfläche

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Wem gehört die Fläche und ist die Fläche des Gemeinschaftsgartens darin für die Nutzung als
Gemeinschaftsgarten sicher?
Der Bürgerpark ist ohne das Schwimmbecken des ehemaligen Freibads ca. 2,1 ha (21.000 qm) groß und gehört
vollständig der Stadt Unkel. Gemeinsam für Vielfalt hat 2021 das Gelände ohne Schwimmbecken und Pumpen-
haus für 10 Jahre mit Verlängerungsoption
gepachtet. Die Nutzung der Gartenfläche ist
somit für die nächsten 8 Jahre gesichert und
kann bei Bedarf vergrößert werden.
DerGemeinschaftsgarteninnerhalbdes
Bürgerparks war 2019-21 ca. 400 qm groß,
wurdeimFrühjahr2022umgut50qm
erweitert und im Herbst durch Baggerarbeiten
für die Regenwassertanks und –leitungen um
ca. 100 qm dezimiert. 2023 wird zunächst
diese Fläche wieder dem Garten angegliedert,
dann der Garten weiter vergrößert und um ca.
50 qm Kräuterbeet sowie ein Sandarium für
bodenlebende Insekten ergänzt. Ziel ist 550 –
600 qm Gartenfläche, nach Möglichkeit mehr.
Das Ausmaß der Erweiterung hängt davon ab,
wie viele Teilnehmer im laufenden Jahr hinzu
kommen.Diesistangesichtsdesspäten
BeginnsdesGartenjahres(nasskaltes
Frühjahr,Ramadan)unddesderzeitigen
EngagementsmehrererMitgliederder
GartengruppebeiderBetreuungneu
ankommender Geflüchteter noch nicht genau
abzuschätzen

Wie groß ist die Gruppe, die regelmäßig in dem Gemeinschaftsgarten gärtnert?
2022 waren es 5 migrantische Familien mit je 2 bis 4 Kindern, 2 deutsche Familien mit je 1 Kind, 1 deutsches
Renter-Ehepaar, 1 deutsche Oma. Anfangs war eine Kindergruppe beteiligt, die aber wegen Personalengpässen
in der Kita ihre Beete im Lauf der Saison anderen Teilnehmer überlassen hat.
2023 haben sich bei den vorbereitenden Arbeiten bisher 5 deutsche Rentner und 9 neu angekommene
Geflüchtete beteiligt. Diese leben in einer Sammelunterkunft für 60 Personen, von denen noch nicht alle den
Bürgerpark und den Garten kennen. Wir informieren sie im Rahmen unseres ehrenamtlichen Deutschkurses und
erwarten weitere Teilnehmer. Ab Juni 2023 erwarten wir einen Anstieg, wenn direkt vor dem Bürgerpark eine
Container-Unterkunft für 70 weitere Geflüchtete errichtet wird, denen wir die Nutzung der Küche im ehemaligen
Freibadkiosk anbieten. Wir rechnen damit, dass dann auch das Interesse am Anbau von Gemüse und Kräutern
zunehmen wird.

Wie oft trifft sich die Gruppe? Gibt es einen Gartentag? Wie ist die Gruppe organisiert?

Wie oft trifft sich die Gruppe? Gibt es einen Gartentag? Wie ist die Gruppe organisiert?
2019 -2021 hatten sich die Gärtner coronabedingt nicht als ganze Gruppe getroffen. Die Gartenarbeiten wurden
von 5 Personen abwechselnd erledigt, meist zu zweit oder dritt. „Eigene“ Beete hatten lediglich eine
Grundschulklasse und die Kindertagesstätte. Zur Erntezeit konnten sich Besucher des Bürgerparks an der
Tomaten-Naschallee usw. bedienen. Bei Anlässen wie Kinderfesten und Familientreffs wurde frisch geerntetes
Gemüse zum Probieren angeboten.
2022 gab es zum Saisonbeginn ein Planungstreffen der neu zusammen gekommenen Teilnehmer (s.o.). Ein
Team aus 3 Personen legte im April/Mai mit Holzhackschnitzeln rollitauglich befestigte Wege und Sitzplätze an
und verteilte den vorjährigen Kompost auf Gemüsebeete. Diese wurden dann von den o.g. Teilnehmern
übernommen. Im Lauf der Gartensaison gründeten die Teilnehmer eine WhatsApp-Gruppe.
Anfang März 2023 konstituierte sich eine Gruppe älterer GfV-Mitglieder mit dem Plan, den Gemeinschaftsgarten
um ein großes Kräuterbeet und Insektenhabitate zu erweitern und im Lauf des Gartenjahres mehrere öffentliche
Veranstaltungen zu den Themen Klima, Biodiversität und Ernährung anzubieten. Als die Entscheidung zur
Erstellung der Container-Unterkunft vor dem Bürgerpark bekannt wurde, entwickelte diese Gruppe das Konzept,
diese Einrichtung soweit möglich zu begrünen und an den Bürgerpark anzubinden. Trotz Ramadan haben im
April 9 Geflüchtete aus einer bereits bestehenden Sammelunterkunft in zwei gemeinsamen Arbeitseinsätzen die
Fläche für den Kräutergarten und das Sandarium spatentief ausgehoben und mit Feldsteinen eingegrenzt, damit
Mutterboden, torffreie Erde und Sand ausgebracht werden kann.
GleichzeitighabeneinzelneMitgliederderWhatsApp-GruppemitderVorbereitungihrerindividuellen
Gemüsebeete im intakten Teil des Gemeinschaftsgartens begonnen.
Die Gartengruppe für 2023 ist somit gerade im Entstehen und wird im Lauf des Jahres wachsen. Wir erwarten
einen weiter zunehmenden Anteil Geflüchteter. Da die Integrationsberatung von GfV ebenfalls im Bürgerpark
stattfindet, werden neu Ankommende frühzeitig über die Möglichkeit zur Mitarbeit im Garten informiert. In den
ersten Monaten nach der Ankunft sind sie jedoch noch nicht so „niedergelassen“, dass wir mit einer
kontinuierlichen Teilnahme derselben Personen rechnen könnten. Nicht alle werden in Unkel bleiben. Einige
werden Angebote von Leiharbeitsfirmen oder andere schlecht bezahlte Jobs annehmen. Wir rechnen vor allem
mit Personen, die monatelang auf den Beginn ihres Integrationskurses warten und froh sind, sich währenddessen
im Garten betätigen zu können. Wegen der somit zu erwartenden Fluktuation bieten wir diesen Geflüchteten
keine individuellen Beete an, sondern einen Teil des Gartens zur gemeinschaftlichen Bearbeitung. So können
neu hinzu kommende Personen die ausscheidenden ersetzen oder die Gruppe vergrößern. Dies geschieht unter
AnleitungunsererIntegrationsberaterundgärtnerischerfahrenenVereinsmitglieder.ImSinneunseres
Integrationsansatzes werden wir auch Deutsche und länger ansässige Migrant:Innen zur Mitarbeit in diesem
„Kollektivgarten“ anregen.
Über die Aufgabenverteilung und auftretende Probleme in dieser neuen Konstellation werden wir im Lauf der
Gartensaison mindestens alle sechs Wochen bei gemeinsamen Gartentagen und anderen Anlässen im
Bürgerpark beraten und verbindliche Absprachen treffen.

Beteiligen sich die Gärtner*innen finanziell am Garten?
Bislang bestand keine Notwendigkeit für finanzielle Beiträge der Teilnehmer zur Anlage des Gartens. Eine
Grundausstattung an alten Gartenwerkzeugen war noch aus Freibad-Zeiten vorhanden (muss jetzt erneuert und
ergänzt werden). Saat- und Pflanzgut haben die Teilnehmer selbst finanziert.

Ist der Gemeinschaftsgarten für die Gärtner*innen auch betretbar, wenn der Park geschlossen ist? Viele
Menschen haben ja erst nach ihrer Arbeit Zeit, zu gärtnern?
Während der Gartensaison ist der Bürgerpark täglich von 8 bis 22 Uhr geöffnet.

Wie viele Beete gibt ist und was in etwa wird angebaut?
2022 gab es 17 Beete unterschiedlicher Größe (1,5 bis ca. 8 qm), von denen die 3 größten als einjährige
Insektenweide angelegt wurden. Auf den übrigen wurden Erdbeeren, Kartoffeln, und in Mischkultur zahlreiche
Gemüsesorten wie Mangold, Erbsen, Buschbohnen, Kichererbsen, Grünkohl, Rosenkohl, viele unterschiedliche
Tomatensorten, Physalis, Gurken, Möhren, Zwiebeln, Knoblauch, Salat, Rucola, Melonen, Wassermelonen,
Kürbisse, und einige Küchenkräuter angebaut. Dazwischen gab es Beete mit Sonnenblumen und lang blühenden
Insektenweiden.
Gegen Ende der Saison wurde auf ca. 12 qm Gründüngung gesät, im Herbst eingearbeitet, 20 cm hoch mit
Mulch aus dem Garten und dem Parkgelände abgedeckt und schließlich mit Urgesteinsmehl und angereicherter
Pflanzenkohle aus eigener Herstellung geimpft. Dies ist unser erster Versuch mit Flächenkompost. Wir erwarten,
dass dies 2023 wegen des so geförderten Bodenlebens und organischen und mineralischen Nährstoffvorrats das
produktivste Beet sein wird, auf dem ohne Umgraben gepflanzt werden kann. An diesem Beet sollen alle
interessierten Teilnehmer einen Anteil übernehmen, um die Vorteile einer besseren Bodenstruktur und –
fruchtbarkeit persönlich zu erleben. Auf die übrigen Beete wird zu Saisonbeginn Kompost von zwei vorhanden
Mieten verteilt. An einigen Stellen werden lediglich die Pflanzenreste des Vorjahrs eingearbeitet. Mit dem im
Bürgerpark in großen Mengen anfallenden Laub und Grasschnitt erproben wir in diesem Jahr weitere
Kompostierungsmethoden.DurchVergleicheundbegleitendeErläuterungenzumKohlenstoff-Stickstoff-
Verhältnis, Humus und Bodenleben sollen die Teilnehmer neue Erkenntnisse über Boden als als CO2-Senke und
Grundlage von Biodiversität und gesunder Ernährung gewinnen.
Die Auswahl der Anbaufrüchte überlassen wir soweit zeitlich möglich wieder den Teilnehmern. Beim Gemüse
rechnen wir mit einer ähnlichen Vielfalt wie im Vorjahr. Falls im Garten der Platz für blühende Beete und Streifen
knapp werden sollte, besteht die Möglichkeit, damit auf angrenzende Flächen im Park auszuweichen.

Werden die Beete gemeinschaftlich bewirtschaftet oder gibt es auch Patenbeete oder individuelle Beete?
2022 gab es überwiegend individuell angelegte Beete. Im Lauf der Saison haben sich die Teilnehmer bei der
Bewässerung des gesamten Gartens abgewechselt. Die Ernte erfolgte individuell und wurde gelegentlich unter
den gerade anwesenden Personen geteilt.
2023 werden Geflüchtete zahlenmäßig stärker vertreten sein. Die erste Gruppe hat im Aprilmit den
vorbereitenden Arbeiten begonnen. Mit ihnen wurde abgesprochen, dass die Geflüchteten einen großen Teil des
Gartens unter Anleitung erfahrener GfV-Mitglieder kollektiv bewirtschaften. Auf diese Weise können im Lauf des eitere Ankommende hinzu stoßen, ohne dass eine andere Aufteilung notwendig wird.

Was passiert mit der Ernte?
Die Aufteilung der erwarteten Ernte wird während der ersten Treffen unter den Teilnehmern abgestimmt. Wenn
im Lauf des Jahres weitere Geflüchtete hinzukommen, müssen die Regelungen ggf. angepasst werden.
Insgesamt rechnen wir damit, dass ein erheblicher Teil der Ernte von Geflüchteten verwendet werden wird. Unter
Anleitung einer türkisch-deutschen Köchin, die auch Ernährungs- und Kochkurse in der Unkeler Realschule gibt,
können sie dafür die Küche im Bürgerpark benutzen.
Wir werden den Teilnehmern auch zeigen wie unser Kon-Tiki Pyrolysegrill funktioniert, mit dem Baumschnitt und
Pflanzenreste verkohlt werden während mit der Abwärme gegrillt oder gekocht wird. Die so gewonnene
Pflanzenkohle (Biochar) wird anschließend dem Kompost beigegeben, dort mit Nährstoffen „aufgeladen“ und im
Folgejahr mit dem Kompost in den Boden eingebracht. Dort wirkt sie nach dem Terra Preta-Prinzip als
klimawirksameKohlenstoffsenke,alsLebensraumfürBodenorganismen,alsNährstoffträgerundals
Wasserspeicher.

Wo sind die Gartengeräte untergebracht und wie sind diese jederzeit zugänglich für die Gärtner*innen?
Die Geräte sind in einer zum Freibadgelände gehörenden Garage untergebracht, deren Tor zum Garten hin
öffnet. Daneben befindet sich ein kleiner Tresor mit einem Zahlenschloss, in dem der Schlüssel für das
Garagentor deponiert ist. Die Gartenteilnehmer kennen die Zahlenkombination für diesen Schlüssel-Tresor.

Wer wird sich um die Kräuterbeete kümmern, wer darf dann dort ernten?
Der Kräutergarten wurde von einer Gruppe von 6 älteren GfV-Mitgliedern im Herbst 2022 geplant. Die Fläche
wurde über den Winter mit Planen abgedeckt und im April 2023 von Geflüchteten und Gruppenmitgliedern
spatentief ausgehoben. Die Seniorengruppe wird die gesamte Anlage betreuen. Geflüchtete sind zum Mitmachen
eingeladen und sollen den Hauptteil der Ernte für sich nutzen. Das Sandarium, ein benachbarter Steinhaufen und
die Insektenbeete sollen mit Infotafeln versehen werden.

In wieweit werden die erwarteten Bewohner*innen der Unterkunft in den Bau der Hochbeete einbezogen?
Wie und durch wen soll vermittelt werden, um was für Beete es sich hier handelt?
UnserausSyrienstammenderIntegrationsberaterwirddenGeflüchtetenimRahmenseinertäglichen
Sprechstunde frühzeitig die Möglichkeiten zur Beteiligung erläutern und zeigen. Bei der Beratung sind häufig
auch andere GfV-Mitglieder anwesend, die den Garten und das neue Projekt kennen. Geplant ist, die Hochbeete
zusammen mit den erwarteten Bewohner:Innen der Container zu bauen, sofern diese rechtzeitig eintreffen und
schon bereit sind, auf unsere Angebote einzugehen. Erfahrungsgemäß haben viele kurz nach der Zuweisung aus
denbisherigenAufnahmezentrenanderePrioritäten(BAMF-Bescheid,AufenthaltsstatusSozialleistungen,
Krankenversicherung, usw.). Nur im Notfall wird die vorschlagende GfV-Gartengruppe die Hochbeete alleine
bauen – und auch dabei noch die anwesenden Geflüchteten zum Mitmachen einladen.

Wie haben Sie bisher die Kosten für den Gemeinschaftsgarten finanziert? Was übernimmt die Stadt/das
Grünflächenamt?
Die Stadt ist finanziell nicht beteiligt. Der städtische Bauhof (zuständig für Grünflächen) hilft gelegentlich mit
Geräten bei größeren Erd- und Pflegearbeiten im Bürgerpark (nicht direkt im Garten) und hat mehrfach Saatgut
zur Verfügung gestellt.


Jahres weitere Ankommende hinzu stoßen, ohne dass eine andere Aufteilung notwendig wird.