Repair Café Transition Town/ Bielefeld

(AB Projektbesuch. Diverse Gespräche, 4.5.2014)

Reinhold ist der Initiator des Repair Cafés in Bielefeld. Er aktivierte seine Energiegruppe Transition Town in dieser Sache, mittlerweile hat sich das Repair Café aber von der Energiegruppe emanzipiert, d. h. es machen inzwischen auch noch andere mit, auch welche, die mit Transition Town gar nichts zu tun haben. Allerdings ist das Repair Café ganz offensichtlich auch ein Treffpunkt für die Transition Town Engagierten. Es finden sich an dem Nachmittag längst nicht nur Leute ein, die etwas zu reparieren hätten, sondern auch solche, die einfach nur Leute sehen, rumquatschen wollen. Das Bielefelder Repair Café war eines der ersten seiner Art, seit über anderthalb Jahren laden sie jeden ersten Sonntag im Monat zu Kaffee und Kuchen und Reparatur, inzwischen sind sie schon drei Mal umgezogen. Im Internationalen Begegnungszentrum scheinen die Räumlichkeiten passend, sie entrichten einen Nutzungsbeitrag von 30 Euro. Das zu erwirtschaften, fällt normalerweise nicht schwer, die Leute geben bereitwillig eine Spende, ob die Reparatur gelingt oder nicht. Reinhold betont, wie motivierend/unterstützend es war, Anfang des Jahres Betreiber von anderen Repair Cafés und Tom in Köln getroffen zu haben.
Reinhold sagt, dass sie sich im Repair Café Format erst einmal zurechtfinden mussten. Am Anfang seien sie so heiß darauf gewesen, die Sachen zu reparieren, dass sie sie den „KundInnen“ förmlich aus der Hand gerissen hätten. Erst nach und nach sind sie dahin gekommen, die Leute einzubeziehen, ihnen den Schraubenzieher selber in die Hand zu drücken und nur dabei zu sitzen und Tipps zu geben. Am Anfang ging es überhaupt etwas unstrukturiert vonstatten. Seit sie eine Frau, Dagmar, für den Empfang gewinnen konnten, ist das anders. Dagmar lässt die Leute die Zettel ausfüllen und schickt sie dann erst einmal zurück in den Wartebereich. Sie hat im Bick, wo ein Berater frei wird bzw. welcher Berater was kann und sagt dann Bescheid. Berater insofern, als im Bereich Technik/Elektronik tatsächlich nur eine Frau mitmacht, die am Sonntag allerdings nicht dabei ist. Im Bereich Nähen sitzen dann klassischerweise wieder Frauen an den Maschinen. Auch den Kuchen, der während des Cafés verkauft wird, haben die Frauen der Reparateure gebacken.
Am Sonntag sind sie acht Berater und eine Beraterin. Einer der Berater ist wie Reinhold aus der Energiegruppe, die anderen rekkurieren sich anscheinend aus anderen Zusammenhängen. Maxim, ein junger Elektrotechnikstudent, hat mit Transition Town nichts zu tun, er fand einfach die Idee cool, Leuten bei der Reparatur von Dingen behilflich zu sein. Auch wegen des Nachhaltigkeitsgedanken, ja schon, sagt er auf Nachfrage. Aber wichtiger ist wohl der Spaß am Basteln. Außer Maxim und dem Laptop-Frickler sind die meisten Reparateure älteres Kaliber und eher gestanden bürgerlich-proletarisch als hipp-alternativ. Auch Dagmar ist schon etwas älter und wirkt durchaus bürgerlich.
An dem Sonntag kommen nur 23 Leute, ihre defekten Dinge vorbeitragend. Das letzte Mal hatten sie fast die doppelte Zahl, 45 Reparaturen. In der Auswertungsrunde (die gibt es im Anschluss immer) überlegen sie, woran das lag: Viel Konkurrenz in der Stadt, der Brückentag, und in der Zeitung standen sie auch nicht. Dagmar findet, es sei auch ganz schön, wenn es mal ruhiger zugehe und die Reparateure nicht unter Druck geraten. Es hat schon Nachmittage gegeben, da sind die Leute wieder nach Hause gegangen, weil sie zu lange hätten warten müssen. Sie machen hier eine eins-zu-eins-Betreuung; mehrere Fälle zeitgleich zu betreuen, ist offenbar nicht das Konzept. Reinhold hat nach einigen Malen Repair Café die Laufzettel ausgewertet und meint, die Leute mit den Reparaturanliegen seien zur Hälfte Männer und Frauen und meist im Alter zwischen 20 und 60, die jüngeren und die älteren Semester hätten sie kaum dabei.