Multitude-Garten arbeitet mit Flüchtlingen

(Gu, Projektbesuch, 21.8.)

Der Multitude-Garten ist auf dem Gelände „Karpfenteich Str. 13“, wo auch eine offene Metallwerkstatt und inzwischen der Lastenradbaucontainer, der bisher am Betahaus stand, sind (und noch einige andere Projekte). Ausgehend vom Verein Multitude, die in Aslybewerberheimen (sie sagen Lager) Sprachunterricht geben, letztes Jahr entstanden.

Aus dem Jahresbericht von 2013:

„Entstehung und Idee

Das Multitude Garten Projekt wurde Anfang März 2013 ins Leben gerufen. Den Anstoß dafür gab die Gruppe „Rhizom“, welche ein weiträumiges Grundstück in der Nähe des Treptower Parks bewohnt und verwaltet. Sie trat mit der Idee an Multitude heran, auch Geflüchteten und Migrant_innen die Nutzung des Ortes möglich zu machen. Das relativ lose Konzept, das sich daraus entwickelte, sah vor, Geflüchteten dauerhaft einen geschützten Raum bereitzustellen, in dem sie gärtnerischen Tätigkeiten nachgehen können. Gemeinsam mit den Aktiven sollte sich somit ein Projekt generieren, das dazu beiträgt, den typischen Lageralltag zu vergessen und die Möglichkeit bereithält, sich alternativ zu beschäftigen. Neben diesem Aspekt sollte der Garten vor allem ein Platz für Austausch und Einbeziehung sein. Konkret hofften wir innerhalb des Beteiligtenkreises auf mehr zwischenmenschliche Kommunikation, auf Themen, die im Deutschunterricht meistens zu kurz kommen. In einem weiteren Kontext, ging es uns aber auch um die Frage, wie man Geflüchtete enger in die Strukturen von Multitude einbinden kann. Im Idealfall sollte sich hier nicht nur ein Raum auftun, der von Geflüchteten genutzt, sondern auch aktiv von Geflüchteten mitgestaltet wird.

Das Garten- und Wohngelände, nicht weit vom Treptower Park, kann als weitläufiges Areal beschrieben werden, in dem zwischen viel Bäumen und Grün, eine Wohngemeinschaft und mehrere Projekte angesiedelt sind. Neben Schweißerei, Pizzeria, Band und Proberaum hat unsere AG einen belebten Platz gefunden, an dem sie im Laufe der Monate mehrere Hochbeete anlegte. Mittels Verteiler kommunizierten wir intern Termine, Ideen und Wünsche. Bei den zweiwöchigen Treffen, ab Mitte Mai 2013, wurden diese dann realisiert. Unterschiedliche Gemüse- und Nutzpflanzen (Tomaten, Radieschen, Kürbisse, Mangold, diverse Kräuter, Ringelblumen etc.) wurden gesät, gegossen und schließlich geerntet. Leider wurde jeder dieser Arbeitsschritte ohne das Beisein von Geflüchteten durchgeführt. Nach anfänglichen Fragen, wie wir Geflüchtete für unser Projekt begeistern können, entwickelte sich die Idee eines Multitude Picknicks: Ein gemeinschaftliches Essen und Beisammensein, das mit Hilfe mehrsprachiger Flyer in den betreffenden Lagern kommuniziert wird. Mit der Intention den Garten vorzustellen und schmackhaft zu machen organisierten wir für den 14. Juli und den 28. August ein solches Zusammensein. Es wurde gemeinschaftlich gegrillt, musiziert, Theater gespielt, geredet und erklärt. Aufgrund des schlechten Wetters und des Ramadans belief sich die Besucherzahl des ersten Picknicks auf ungefähr acht Aktive sowie fünfzehn Geflüchtete, die wir nicht langfristig in unser Projekt eigliedern konnten. Das zweite Picknick war erfolgreicher. Bei gutem Wetter verbrachten rund fünfzig Geflüchtete und Aktive einen angenehmen Nachmittag im Garten. Die Geflüchteten nahmen das Projekt zwar sehr positiv auf, doch über die Picknicks hinaus entwickelte sich kein tieferes Verlangen diesen Garten für sich nutzbar zu machen. Zum Herbstanfang hat sich die Situation nicht gebessert; das schleppende Vorankommen wurde durch einen schrumpfenden Kreis an Aktiven zusätzlich verstärkt. Am 19.10 organisierten wir ein abschließendes Multitude-Cafe um die Lebensmittel des Gartens sinnvoll zu verwerten. Auch dieses Treffen wurde sehr gut aufgenommen, konnte aber aufgrund der vorangeschrittenen Kälte nicht mehr im Garten stattfinden und somit auch nicht als Werbeschild für den Garten genutzt werden. Abgesehen von diesen einzelnen gemeinschaftlichen Aktivitäten ist es uns nicht gelungen, den Garten als freien Raum für Alle zu etablieren.

Probleme der AG

– Unvorteilhafte Lage des Gartens: weit weg von Lagern
– Sichtweise der Geflüchteten: Gärtnern wird als Arbeit empfunden, nicht als Entspannung?
– Schrumpfender Kreis an Aktiven über das Jahr hinweg
– Mangelnde Kontinuität bzgl. der Treffen
– Überforderung der Aktiven?: Abholen, Karten bezahlen, längere Treffen, schlechtes Wetter, schwierige Kommunikation, etc.

Ausblick 2014

– Anwerben von neuen Aktiven
– Neues Jahr gleich mit gemeinschaftlicher Aktion starten (Kombination von Rekreation und Organisation – bez. letzterem v.a. gemeinsamer Austausch über zukünftige Strukturen, Tätigkeiten im Garten und über alles was zu einer gemeinschaftlichen Nutzung des Ortes hinführt)“

Sie holen die Flüchtlinge aus den Lagern ab und fahren gemeinsam in den Garten. Es gibt eine Kerngruppe von ca. 10 (?) Leuten, die das machen und auch bei den Flüchtlingen gibt es eine Kerngruppe von jungen Männern, die immer dabei sind.

Sie wollen nun noch öfters Picknicks veranstalten, um noch mehr Leute in den Garten zu holen, auch welche, die dann gar nicht gärtnern wollen.

Sie haben beobachtet, dass die Flüchtlinge das geerntete Gemüse gar nicht mitnehmen wollen. U.a. aus sprachlichen Gründen haben sie noch nicht verstanden, warum. Eventuell gibt es Neid bei denen, die nicht dabei sind (wollen – denn es steht ja allen offen). Sie haben auch nicht nur die Leute in den Sprachkursen angesprochen, sondern Zettel in verschiedenen Sprachen in den Lagern aufgehängt. Es ist auch nicht nur ein Lager, sondern alle, die in der Nähe sind.

Sie wollen gerne einen Grill bauen – und freuen sich über Kontakt zur Metallwerkstatt und den Low-Tec Leuten, die da ja eventuell auch was machen wollen.

Es kann sein, dass sie sich an den Kosten für das Gelände beteiligen müssen und noch wissen sie nicht, wie sie das Geld dafür auftreiben sollen.

Ob sie mit auf unsere Site wollen müssen sie mit den Leuten absprechen, die auf dem Platz wohnen (Wagenstellplatz).

# Multitude Garten Berlin-Treptow

# AsylbewerberInnen