Garten geplant im Grenzdurchgangslager Friedland

(Aus Projektbeschreibung)

GARTEN der ZUFLUCHT und SOLIDARITÄT

 Das Herzstück des geplanten Projekts ist ein Garten am Ortsrand von Friedland. Dort sollen sich interessierte Asylsuchende für den Zeitraum ihres Aufenthalts im Grenzdurchgangslager (GDL) Friedland, mit einfachen Arbeiten beschäftigen können. […]   Das für das Gartenprojekt vorgesehene Grundstück ist 8.000 m² groß, befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Standort des GDL und soll angepachtet werden. Bisher wurde es von ortsansässigen Eigentümern (Obstanbauer) bewirtschaftet, die ihren Betrieb aus Altersgründen einstellen möchten. Auf der Fläche befinden sich Obstbäume, Beerensträucher und Rhabarberpflanzen, die weiterhin bewirtschaftet werden sollen. Vorgesehen ist zudem die Anlage von Gemüsebeeten, evtl. in Form von Hochbeeten. Die Bewirtschaftung planen wir nach einem solidarischen Prinzip. Danach ernten die Teilnehmer die Früchte der Arbeit ihrer Vorgänger und sorgen mit ihrer eigenen Arbeit für die Ernte der Nachfolgenden. Erfahrungen im Gärtnern werden von den Teilnehmern nicht erwartet. Weiteres Ziel des Gartenprojekts ist es, über den Kreis der Flüchtlinge hinaus, Interessierte aus der Gemeinde und dem Dorf Friedland einzubinden und so gleichzeitig eine Begegnungsstätte für Menschen verschiedener Nationalitäten und der einheimischen Bevölkerung zu schaffen.

Vorgesehen sind folgende Abläufe:

·         Die Beschäftigung im Garten ist ein Angebot an alle Neuankömmlinge und Bewohner des GDL und wird als solches in Informationsveranstaltungen der Wohlfahrtsverbände und mittels Aushängen bekanntgegeben.

·         Interessierte bewerben sich bei einer Koordinierungsstelle und werden dort vorstellig. Im Gespräch wird ihre Eignung festgestellt und eine Auswahl getroffen. Die Koordinierungsstelle ist ebenfalls zuständig für die Abstimmung der Beschäftigungszeiten der Teilnehmer und den Einsatz von ehrenamtlichen Helfern.

·         Alle Arbeiten im Garten werden von Betreuungspersonal begleitet (Angestellte und Ehrenamtliche). Die Zahl der teilnehmenden Flüchtlinge ist begrenzt. Je nach anstehenden Gartenarbeiten und dem zur Verfügung stehenden Betreuungspersonal können voraussichtlich drei bis zehn Personen gleichzeitig auf der Fläche arbeiten. Durch einen schichtmäßigen Wechsel sollten aber darüber hinaus weitere Personen an dem Projekt teilhaben können.

·         Die Gartensaison beginnt je nach Wetterlage im Februar und endet im Oktober/November. Während der Wintermonate besteht das Angebot nicht.

Hintergründe

Die Asylsuchenden leben für einen Zeitraum von maximal drei Monaten im Grenzdurchgangslager in Friedland, das auch die Funktion einer Erstaufnahmeeinrichtung besitzt. In dieser Zeit dürfen sie keiner bezahlten Arbeit nachgehen. Während ihres Aufenthalts durchlaufen sie die ersten Schritte des Asylverfahrens und erhalten dabei Orientierungshilfe und beratende Unterstützung durch die Wohlfahrtsverbände, die den geflüchteten Menschen darüber hinaus mit Einrichtungen, wie Jugendclubs, Frauenzentrum, Sprachunterricht und Kleiderkammer wertvolle erste Hilfestellung leisten.

Dennoch verbringen die GDL-Bewohner einen Großteil ihrer Zeit mit Warten, ohne etwas Sinnvolles tun zu können. Dabei sind sie von Menschen umgeben, die ihrerseits Einschneidendes, teils Traumatisches erlebt haben. Neben vielen guten Begegnungen, sind Ängste, Spannungen und Aggressionen eine zwangsläufige Folge dieses Zusammenlebens – sowohl im Lager selbst, als auch im Kontakt mit den Einwohnern Friedlands.

Das Dorfleben Friedlands ist seit Jahrzehnten geprägt von einer großen Zahl stetig fluktuierender GDL-Bewohner. Doch im vergangenen Jahr überstieg deren Anzahl phasenweise die der Einwohner Friedlands um ein Mehrfaches.