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WALDKIRCH (BZ). Beim jüngsten Informations- und Netzwerktreffen der Bürgerinitiative (BI) „Essbare Stadt“ wurde deutlich, dass es bei der „Essbaren Stadt“ um wesentlich mehr geht als um den gemeinschaftlichen Anbau von Gemüse und Kräutern in Bioqualität, das von allen geerntet werden darf. Die Idee des „Urban Gardening“ (Gärtnern in der Stadt) hat eine Gruppe von Menschen motiviert, sich regelmäßig zum Gärtnern zu treffen. Darüber hinaus sind, im Sinne dieser Idee, ein aktives Netzwerk und eine ganze Reihe von Kooperationen entstanden. Die ganze Vielfalt des Engagements und der Zusammenarbeit zeigte sich beim Treffen in den Berichten aus den einzelnen Gruppen: Im Treibhaus des Tafelgartens Sexau zieht die Bürgerinitiative ihre Setzlinge vor. Langzeitarbeitslose, die im Gärtnern endlich wieder eine sinngebende Arbeit erleben, pflegen die Pflänzchen, bis sie auf die Beete der „Essbaren Stadt“ gesetzt werden können.
Auch im Kooperationsprojekt „Wertvoll“ mit der Wabe haben Langzeitarbeitslose die Chance, bei gemeinnützigem Tun Kreativität, handwerkliches Geschick und Verantwortlichkeit zu entfalten. So entstehen am Roten Haus ein selbst geschreinertes, behindertengerechtes Hochbeet und eine Kräuterspirale. Betreut werden sie unter anderem von Tine Reiner im Rahmen ihrer Jugendarbeit. Durch die Pflege und Verarbeitung der Gemüse und Kräuter werden die jungen Leute an den Wert gesunder Ernährung herangeführt. Auch der Schulgarten der Kastelbergschule integriert wie nebenbei Naturerleben, gärtnerisches Knowhow und Teamerfahrung von Förder-, Grund- und Gemeinschaftsschülern.
Als weiteres Projekt ist in der Schlettstadtallee in der Nähe des Jünglingsstegs in Kooperation von Essbarer Stadt, Wabe, Technischen Betrieben und St. Nicolai-Stift eine Hochbeetanlage angedacht.
Permakultur-Fachmann Thomas Bührer zog den Bogen von dem lokalen gärtnerischen, sozialen und pädagogischen Engagement der „Essbaren Stadt“ zum globalen Ansatz der „Urban Gardening-Bewegung“. Er betonte, dass vor dem Hintergrund von „Slow City“ eine große Chance darin liege, in öffentlichen Grünflächen von Waldkirch Strukturen zu entwickeln, die überregional von Bedeutung sein könnten. Nachdem die Fraktionen des Gemeinderats und die Verwaltung signalisieren, dass im künftigen Stadtrainpark (Stadtrain II) Flächen für einen weiteren Garten der Bürgerinitiative zur Verfügung gestellt werden, könnten hier beispielhaft zukunftsfähige Landschaftselemente entwickelt werden.
http://www.badische-zeitung.de/waldkirch/mehr-als-gemuese–121903421.html