Verein Bürgerinitiierte Quartiersentwicklung in Kastel erhält Bundespreis für Garten-Projekt mit Flüchtlingen

(Gu, alerts)

Von Wolfgang WenzelKASTEL – Im Sommer leuchten die Sonnenblumen aus weiter Ferne, im Winter gibt es Geborgenheit. Für seine Idee zu einem interkulturellen Gemeinschaftsgarten im Flüchtlingsviertel Kastel Housing hat der Verein „Bürgerinitiierte Quartiersentwicklung“ (Biqkk) einen Bundespreis erhalten. Eine Siegerurkunde, die unter anderem von einem prominenten Kinderbuch-Illustrator mitunterzeichnet ist, von Janosch.

„Klar haben wir uns gefreut“, sagt Carolin Holzer von der Nachbarschaftsinitiative über die Würdigung in dem Wettbewerb „Die schönsten Nachbarschaftsaktionen 2016“. Dahinter steht ein Netzwerk Nachbarschaft unter der Schirmherrschaft des Bundesfamilienministeriums. 47 Initiativen waren bundesweit prämiert worden, vier aus Hessen hatten sich als Sieger qualifiziert. Einer davon ist die Gartengruppe des Biqkk-Vereins, der einzigen Nachbarschaftsinitiative in Kastel, die ein Miteinander mit den Flüchtlingen in der Gemeinschaftsunterkunft Kastel Housing sucht.

Das Kleingärtnern auf Hochbeeten, neudeutsch Urban Gardening genannt, ist ein guter Anlass, um Menschen zusammenzubringen. Es macht Spaß, Erde in Hochbeete zu schaufeln, zu säen und zu gießen, um zu sehen, wie aus Samenkörnern Blumen und Gemüsepflanzen werden. Die eigentliche Ernte fährt der preisgekrönte Verein auf einer anderen Ebene ein. Sein Urban-Gardening-Projekt ist Teil eines Netzwerks der Flüchtlingshilfe. Aus ihm sind Patenschaften für Flüchtlinge hervorgegangen. Die Paten kümmern sich darum, dass die Geflüchteten alles richtig verstehen, wenn sie Post vom Amt bekommen und stehen auch sonst als Ratgeber in schwierigen Lebenslagen zur Verfügung. Das Internet und der Whatsapp-Dienst machten es möglich. Angefangen hatte alles vor einem dreiviertel Jahr, als die Amerikaner Kastel Housing aus der Hand gaben und das Terrain von einem auf den anderen Tag öffentlich zugänglich war.

Es sollte zu einem Treffpunkt werden, ein neues Stadtviertel, von dem die Bürger hätten Besitz ergreifen wollen. Als klar wurde, dass dort eine Flüchtlingsunterkunft entsteht, fasste der Biqkk-Verein den Entschluss, einen Ort zu schaffen, an dem sich Menschen „ohne Beschränkungen durch Konfessionsgrenzen“ treffen könnten, wie Carolin Holzer formulierte.

Den Garten gibt es seit April. Ein paar Holzkisten, einige Beete, viel ist beim flüchtigen Blick auf das weitläufige Terrain zwischen den alten Kasernen nicht zu sehen. „Doch das Wichtigste an dem Projekt ist, dass er zu einem Raum für Begegnungen geworden ist“, sagt Carolin Holzer. Getragen werde es von zehn Vereinsmitgliedern. Anfangs hätten sich nur die Kinder aus der Flüchtlingsunterkunft auf den kleinen Platz mit den Hochbeeten getraut, dann die älteren Geschwister mitgebracht, schließlich seien die Eltern gekommen. Sechs von ihnen zählten inzwischen zum Stamm der Gartengruppe.

Die Kinder seien von Anfang an der Schlüssel für den Erfolg des Projekts gewesen, sagt Carolin Holzer. Viele seien froh, eine Aufgabe zu haben, eine Arbeit, die ihrem Tag eine Struktur gebe. Heute sei der interkulturelle Gemeinschaftsgarten zu einem Treffpunkt mit starkem Kommen und Gehen geworden. Mal kämen fünf, dann wieder 30. Die Gruppe sei ständig in Bewegung, von einem festen Team könne man nicht sprechen. Wer mitmache, habe jedoch feste Verantwortlichkeiten für den Garten und einen Geräteraum.

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