(Gu, aus Antrag und Fragen)
[…] Zudem wollen wir mit diesem Projekt neuen Menschen in unsere Ar-
beit mit einbeziehen, um insbesondere auch einen kultur- und generationenübergreifenden Austausch zu
ermöglichen. So entstand die Idee auf einer ca. ½ Hektar großen Fläche einen Lern- und Gemein-
schaftsgarten anzulegen. Dieser soll Raum für Begegnung bieten, die sonst nur schwer möglich sind, für
einen Austausch zwischen den unterschiedlichsten Menschen und für ein gemeinsames Lernen von und
mit der Natur.
2.2. Ausgestaltung des Projektes
Für die Vorbereitung des Projektes haben wir bewusst sehr offen und breit gestreut Menschen aus den
verschiedensten gesellschaftlichen Hintergründen angesprochen und diese eingeladen sich bereits an der
Planungsphase des Projektes zu beteiligen. Wir waren erstaunt und erfreut über das rege Interesse einer
Vielzahl von Menschen. Die ausgesprochen pluralistische Gruppe umfasst nun Menschen von 2- 79 Jah-
ren mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen, Wissensschätzen, Kräften und Fähigkeiten, zusammen ca.
20 Personen. Dazu kommt eine größere Gruppe Interessierter. Bereits in diesem Prozess war spürbar, wie
viele Möglichkeiten sich für ein gemeinsames Lernen und für einen anregenden und Barrieren überwin-
denden Austausch zwischen den unterschiedlichsten Menschen ergeben können. Wir freuen uns darauf
mit diesen und weiteren hinzukommenden Menschen nun im kommenden Frühjahr und Sommer mit der
Gestaltung eines Lern- und Gemeinschaftsgartens zu beginnen. Der derzeitige Plan umfasst fünf Berei-
che auf etwa einem halben Hektar Land:
1. Kräuter und Beeren von allen für alle: In diesem Bereich sollen ausdauernde/mehrjährige Kräuter und
Beerensträucher gepflanzt und gepflegt werden. Diese werden mit Erläuterungen versehen und sollen der
gesamten Öffentlichkeit frei zugänglich sein.
2. Gemeinschaftliches Gemüsebeet: Hier sollen leicht anzubauende Kulturen wie Kürbis, Kohl und Kar-
toffeln von dem in das Projekt eingebundenen Menschen gemeinsam angebaut, gepflegt und dann un-
kommerziell verteilt werden sollen.
3. Anbau- und Experimentiergärtchen für Kleingruppen: Hier sollen kleine Interessengruppen von Pro-
jektteilnehmer_innen selbstständig kultivieren und ausprobieren können. Einzige Bedingung ist ein acht-
samer Umgang mit der Natur und eine nicht-kommerzielle Nutzung der Erzeugnisse.
4. Teich / Biotop: An einer Ecke des Gartens soll gemeinsam ein kleines Biotop angelegt und gepflegt
werden. Dieses soll zu zwei Drittteln ruhiger Bereich, unberührter Lebensraum für eine Vielzahl kleiner
Tiere sein. Im vordersten Drittel sollen die Projektteilnehmer Gießwasser für Ihre neu angelegten Kultu-
ren entnehmen könne.
5. Überdachter Treffpunkt / Begegnungsort: Am Eingang des Gartens soll ein überdachter Treffpunkt ent-
stehen, der zum Austausch von Saatgut, Gemüse und Ideen und zum gemeinsamen Verweilen anregt.
2.3. Hintergründe und Zielstellung
Lernen von und mit der Natur:
Uns ist es ein wichtiges Anliegen einen Beitrag zum Erhalt und zur Wiederherstellung von naturnahen
Lebensräumen für Menschen, Tiere und Pflanzen zu leisten. Gleichzeitig sehen wir im Umgang mit und
der Natur und in der umweltfreundlichen und selbstständigen Erzeugung von Lebensmitteln ein außeror-
dentlich gutes Medium zur Förderung der unterschiedlichsten Lernprozesse und zur Überwindung von
gesellschaftlicher Ausgrenzung. Diese Gedanken wollen wir mit unserem Lern- und Gemeinschaftsgar-
ten zusammenführen und einen Raum schaffen, in dem ein gemeinsames Lernen von und mit der Natur
frei von gesellschaftlichen Ausgrenzungsmechanismen möglich ist.
Interkulturelles Lernen:
Wir haben für unser Projekt gezielt auch Menschen mit Fluchterfahrungen und andere Menschen mit Mi-
grationshintergrund angesprochen. Bereits in der ersten Gruppenfindungs- und Planungsphase wurde
deutlich, dass Gärtnern und Gestalten der Umwelt sehr universelle Themen darstellen zu denen unabhän-
gig vom kulturellen Hintergrund sehr leicht ein starker Bezug hergestellt werden kann. Daraus kann ein
interkultureller Austausch zwischen Menschen erwachsen, die ansonsten nur schwer Zugang zueinander
finden würden. Verschiedenste Herangehensweisen an und Erfahrungen mit diesem Medium bieten zu-
dem die Chance, eigene Vorstellungen in diesem Bereich um Neues zu erweitern und eingefahrene Denk-
muster zu durchbrechen.
– wem gehört das Grundstück und ist es stets von den Gärtner*innen betretbar/nutzbar? Was ist sonst noch auf dem Grundstück? Wie ist es erreichbar (gerade auch für Geflüchtete)?
Das Grundstück befindet sich in meinem Besitz. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Zeltplatz auf dem die jährlichen Zeltfreizeiten unseres Vereins stattfinden. Außerdem auch der Garten sowie das Waldstück in dem die wöchentliche Wildwuchs Wald- und Gartengruppe für Kinder stattfindet. Die nun neu angelegte Gemeinschaftsgartenfläche war bislang an einen Milchbauern verpachtetes Grünland. Ich werde die Fläche dem Verein wie auch die anderen Flächen kostenlos zur Verfügung stellen.
Hierzu habe ich mich auch für mehrere Jahre verpflichtet. Alle Aufbauten oder sonstwie erzeugten Werte die Teil des Gemeinschaftsgartenprojektes sind verbleiben im Besitz des Vereins/des Projektes. Das Grundstück liegt nahe bei einer Kreuzung zweier wichtiger Verkehrsstraßen (eine davon ist die B12 zwischen Kempten und Lindau). Der Gemeinschaftsgarten ist für alle jederzeit frei zugänglich. Es sind auch Parkplätze eingeplant. Lediglich die Nutzung einiger Flächen (insbesondere die meisten Anbauflächen) bleibt Menschen, die Teil des Projektes sind vorbehalten. Das Grundstück ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Zu geflüchteten Menschen in zwei nahe gelegenen Erstunterbringungsstellen (Wangen, Hergatz) bestehen aufgrund vorrangegangener Projekte bereits starke Verbindungen. Von dort aus ist der Gemeinschaftsgarten auch mit dem Fahrrad erreichbar.
– wie soll der Garten organisiert werden? Wie werden Entscheidungen getroffen, wie läuft die Kommunikation untereinander?
Für den Gemeinschaftsgarten bildet sich derzeit eine eigenständige Orgagruppe die alle den Garten betreffenden Entscheidungen selbstständig und basisdemokratisch treffen soll. Eine Mitgliedschaft im Verein Wildwuchs Westallgäu ist zur Teilnahme an dieser Gruppe im Sinne eines niederschwelligen Zugang nicht erforderlich. Grundlegende Entscheidungen insbesondere solche mit größerer finanzieller Tragweite bedürfen allerdings der Zustimmung des Vereinsvorstandes beziehungsweise ggf. der Mitgliederversammlung.
– was von den beantragten Materialien können Sie gebraucht bekommen/weiter nutzen? – wo kommen die Materialien her?
Wir wollen für das Projekt selbstverständlich auch möglichst viele gebrauchten Materialien nutzen. Auch versuchen wir direkte Materialspenden zu organisieren. Dies ist allerdings nicht immer möglich. Manches werden wir auch an verschiedensten Stellen käuflich erwerben müssen.