o´pflanzt: nun schon 1 Jahr ohne Garten

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Es bleibt das kalte Klirren des Bauzauns, blickdicht bespannt. Am Rande der leeren Fläche wächst eine Ringelblume, ein unbeabsichtigtes Denkmal für alles, was dort war, und all das, was hätte sein können.
Ein Jahr später – und es bleibt die Leere, Platz, eine Brache.

Zwei Gräben vernarben die Fläche, eine Brandmarkung der neuen Besitzer. Weiß-sterile Planen. Steril, die Abwesenheit von Leben. Der Gegensatz zu all dem, was dieser Ort bedeutet hat. Regelmäßig werden die Planen von der Natur abgerissen, heruntergeweht von einem Wind, der sich nichts vorgeben lässt. Ein Blick hinein wird uns gewährt. Schnell wurde die Fläche zurückerobert, ein Beweis dafür, wie nah unser Garten schon an der Natur war. Darauf können wir stolz sein. Der Sichtschutz wieder hergestellt, der Einblick entzogen, als ob man versucht, etwas zu verstecken.
Wir hätten auch im Jahr 2018 unser Projekt und die Angebote weiterführen können und wollen. Neue Projekte wie ein Wildbienenlehrpfad oder die Kooperationen mit benachbarten Kindergärten standen schon in den Startlöchern. Gerne würden wir jetzt auf ein Jahr zurückblicken, in dem pädagogische Programme für Familien, Bienenführungen, Heilpflanzenkurse und zahlreiche Workshops im Garten stattgefunden haben. Wir hätten eine Antwort für alle, die auf der Suche nach zu erlebender Gemeinschaft und einem Stück Entschleunigung mitten in der Stadt sind, bieten können.
Der lange Kampf um eine neue Fläche im letzten Jahr hat uns entmutigt und viele Fragen aufgeworfen, die bisher unbeantwortet geblieben sind. Die Gemeinschaft kommt immer seltener zusammen, aber wenn, dann wieder voller Elan und Energie, Hoffnung und Hilfsbereitschaft, Können und Kraft. Dieses Potential würden wir so gern auf einer neuen Fläche einsetzen und dort anknüpfen, wo wir auf der alten Fläche geendet haben. So ist die Suche nach einer neuen Fläche auch ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn langsam schwinden die Kräfte, viele Menschen mit Know-how wollen dieses weiterhin einsetzen und suchen sich andere Aufgaben.

Ein Jahr später – und nichts Ersichtliches ist auf der Fläche unseres ehemaligen Gartens passiert. Der Verein stellt sich natürlich die Frage „Warum?“. Warum wurden wir auf die Schnelle von der Fläche geräumt? Warum baute der Vermieter solch einen Druck auf, mit der Begründung, dass umgehend mit Baumaßnahmen begonnen werden würde? Warum wurde uns keine Alternative angeboten? Warum wurden alle unsere Vorschläge für Zusammenarbeit und Kooperation abgelehnt? Warum wurde die uns Grundlage für unser ehrenamtliches Engagement genommen? Warum musste ein Projekt für die Gesellschaft Platz für ein „Nichts“ machen?

Die Theorien sind vielfältig. Kann es sein, dass das Land Bayern, Besitzer der Fläche, wirklich geglaubt hat, mit Baumaßnahmen zu beginnen? Ohne einen Bauplan eher unwahrscheinlich. Kann es sein, dass das Land geglaubt hat, dass wir uns gegen eine Räumung wehren würden und sie entsprechend rechtzeitig einleiten wollte? Aber das ist auch unwahrscheinlich, denn wir waren stets zuvorkommend und kooperativ. Kann es sein, dass das Land die Befürchtung hatte, wir wären inzwischen zu etabliert als Symbol für ein schöneres, grüneres und alternativeres Stadtbild? Zu viel Zuspruch von Medien und Gesellschaft, zu vernetzt mit Stiftungen und sozio-ökologischen Initiativen und Organisationen wie Kindergärten und dem LBV, der PA/SPIELkultur e.V. und der Deutschen Wildtierstiftung. Sprich: nicht mehr von Stadtteil und Ort wegzudenken. Diese letzte Theorie wollen wir nicht glauben, denn diese Bösartigkeit, der Bevölkerung absichtlich so ein Stück Freiheit zu entreißen, wollen wir niemandem unterstellen.