(ANtrag)
Bereits seit August 2012 konnte Dank der Kooperation mit dem Gartendeck, der Keimzelle und
dem Hof vorm Deich, die uns mit vorgezogenen Pflanzen versorgt haben, bei KEBAP
selbsterzeugtes Gemüse geerntet und zubereitet werden. KEBAP ist als Teil des Netzwerks
„Solidarisches Gemüse“ mit einem Großteil der Hamburger Gartenprojekte vernetzt. Wir stehen im
aktiven Austausch sowohl was das eigentliche Gärtnern als auch die politische Durchsetzung
unserer Interessen gegenüber der Stadt anbelangt.
Wir gärtnern in Hochbeeten, die gemeinschaftlich gebaut, gepflegt und beerntet werden. Vorrang
hat die gemeinschaftliche Verarbeitung des angebauten Gemüses vor Ort. Überschüsse können
von den Mitgärtner*innen mitgenommen werden. Unser Garten entsteht mit der Idee der
Permakultur, an der wir uns selbst Jahr für Jahr weiterbilden. Wir ernten unser eigenes Saatgut
und tauschen es mit den anderen Gartenprojekten in einer vom solidarischen Gemüse jährlich
organisierten Tauschbörse. Weiteres Saatgut beziehen wir ausschließlich bei Dreschflegel oder
Bingenheimer. Wichtiges Thema bei uns ist auch der Bodenaufbau. Wir düngen mit Wurmsaft,
verdünntem Urin und selbstangesetzten Jauchen. Wir setzen eigenen Kompost an und haben im
2015 mit Hilfe der anstiftung eine Komposttoilette gebaut, mit der wir unseren Kompostkreislauf
erweitern konnten. Jedes Jahr wächst unser Garten nunmehr qualitativ. 2015 haben wir außerdem
eine Solaranlage gebaut, die unter anderem eine automatische Bewässerungsanlage mit Strom
versorgt. 2016 haben wir mit Hilfe der anstiftung zwei Rocket Stoves gebaut, auf denen wir
seitdem in der warmen Saison regelmäßig einmal in der Woche gemeinsam das geerntete
Gemüse kochen. Auch haben wir im vergangenen Jahr die Kooperationen mit Solidarischen
Landwirtschaften und verschiedenen FoodKoops bei uns vor Ort ausgebaut und viele
Veranstaltungen zum Thema nachhaltige Ernährung gemacht.
Das Gärtnern schafft den direkten Kontakt des Projektes mit den Anwohner*innen vor Ort. In der
Saison treffen wir uns im Garten mindestens zweimal in der Woche und gärtnern, jeder ist dazu
eingeladen mitzumachen. Zu einem Kernteam von 8-12 Leuten kommen jedes Mal neue Leute.
Das Spektrum der Leute ist sehr heterogen. Das gemeinsame Gärtnern oder auch das
gemeinsame Kochen helfen, Toleranz aufzubauen und Vorurteile abzubauen und ein
gemeinschaftliches Miteinander zu schaffen.
Im Garten finden Veranstaltungen und praktische Workshops in unterschiedlichen Kooperationen
statt. Die Themen (Ernährung, Gesundheit, Saatgut, Permakultur, Transition, Commons) sind breit
gestreut und beziehen möglichst viele Fragestellungen ein, die für einen gesellschaftlichen Wandel
im Sinne eines nachhaltigen und solidarischen Zusammenlebens essentiell sind.
Durch das regelmäßige Kochen konnten wir unsere Zusammenarbeit mit Schulen und
Kindergärten ausweiten und nach wie vor ist das Projekt Gegenstand zahlreicher Studien- und
Forschungsarbeiten. Auch die Nachfrage nach Workshops anderer Institutionen vor Ort im
KEBAPgarten hat sich stark ausgeweitet.
KEBAP ist ein Resillienzprojekt, dass auf lokale Ökonomie, Selbstversorgung, und
Selbstverwaltung als Notwendigkeit und Chance angesichts der Zuspitzung globaler Krisen und
der Ohnmacht des/der Einzelnen setzt. Grundlegend dafür ist die nachbarschaftlich organisierte
und global vernetzte Solidargemeinschaft.
Wir nutzen die lange Zeit, die es braucht solch ein Projekt zu verwirklichen, um dabei schon das zu
leben und auszuprobieren, was KEBAP als urbanes Modell für eine künftige Gesellschaft sein
kann. Herausforderungen 2019
Da wir so weit es geht recyceltes Material benutzen, selbst Kompost und verschiedene Dünger
herstellen, sowie unser eigenes Saatgut ernten, konnten wir die laufenden Kosten im Garten von
Jahr zu Jahr verringern und nur auf einige Verbrauchs- und Verschleißgegenstände reduzieren,
wie zum Beispiel Ersatzteile für die Bewässerungsanlage und die Kompost-Trenntoilette,
Saatschilder, etwas Bauholz für die Reparatur der Beete und Schrauben.
Doch im letzten Jahr hat sich vor allem eine neue unvorhergesehene Belastung ergeben: aufgrund
der extremen Trockenheit waren wir im Garten zeitweise ohne Wasser. Da wir keinen
Wasseranschluss haben, sind wir auf Regenwasser angewiesen, das wir in Tonnen und einer
großen Zisterne unterm Bunker sammeln. Auch im Winter hat es nicht genug geregnet, um die
Zisterne für die kommende Saison zu füllen, so dass wir in diesem Jahr nicht umhin kommen
werden, die Zisterne einmal extern befüllen zu lassen.
Zweitens gab es leider im letzten Jahr bei uns mehrere Einbrüche, bei denen Werkzeug gestohlen
wurde, das wir nun ersetzen müssen.