AFD versucht Chloroplast zu diskreditieren

(Gu, Mail)

Stellungnahme Chloroplast:

Sehr geehrte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte,
sehr geehrte Bezirksbeirätinnen und Bezirksbeiräte des Bezirks Weilimdorf,
sehr geehrte Damen und Herren bei der Verwaltung,
bereits zum zweiten mal in wenigen Monaten nutzte die AFD-Gemeinderatsration ihr
Forum im Stuttgarter Amtsblatt, um unseren Verein – Chloroplast Stuttgart e.V. – zu
diskreditieren und Falschinformationen über unsere Arbeit zu verbreiten. Insbesondere
der letzte Beitrag der Partei (in der Ausgabe vom 16. Januar 2020) ging deutlich über eine
bloße Meinungsäußerung hinaus, daher sehen wir uns gezwungen, zu den getroffenen
Aussagen Stellung zu beziehen.
In dem Beitrag „Wohin mit dem Geld?“ der AFD auf Seite 4 des Amtsblattes der Stadt
Stuttgart vom 16. Januar 2020 werden wir als „Fake-Schrebergärtner“ bezeichnet, die
„ihre durch städtische Zuschüsse finanzierten Pflanzen […] ausnahmslos vertrocknen
lassen“. Darüber hinaus werden wir einem „linksradikalen Spektrum“ in Stuttgart
zugeordnet. Zu diesen Anschuldigungen möchten wir wie folgt Stellung beziehen:
1. Chloroplast Stuttgart e.V. finanziert sich fast nur über private Spenden und hält den
Vereinsbetrieb ausschließlich durch ehrenamtliche Tätigkeit aufrecht.
Entscheidenden Beitrag zur Entstehung und dem Erhalt des Vereins seit nun über fünf
Jahren, hat die Insolvenzverwaltung der ehemaligen Gärtnerei Walz geleistet. Sie hat uns
den Vereinsbetrieb auf dem Privatgelände im Gegenzug zur Geländepflege gestattet. Im
Rahmen einer Zwischennutzung würden wir die Vereinsarbeit gerne auch künftig
innerhalb der bestehenden Rahmenbedingungen weiterführen. Die in Stuttgart
verfügbaren Fördermittel für urbane Gärten haben wir bisher nicht in Anspruch
genommen. Über die Bezeichnung von Preisgeldern für Wettbewerbe in dreistelliger Höhe
(z.B. Umweltpreis der Stadt Stuttgart, Preis des Verschönerungsvereins) oder einzelne,
projektgebundene Fördermittel aus den vergangenen Jahren als „städtische Zuschüsse“
ließe sich hier streiten.
2. Chloroplast Stuttgart e.V. ist sowohl in Bezug auf den Vereinszweck als auch in
seinem Wirken politisch neutral.
Es ist unser Ziel, ein vielfältiges Netzwerk für den Austausch zu Kernthemen der
Vereinsarbeit wie Bildung und Gartenbau zu bieten. Gleichwohl fühlen wir uns den
demokratischen Grundwerten verpflichtet und sehen Werte der Gleichberechtigung und
Toleranz als entscheidende Faktoren zwischenmenschlichen Handelns. Die Bezeichnung
„linksradikal“ und die darin beinhaltete Kompromisslosigkeit ist in diesem
Zusammenhang für uns mehr als befremdlich.
3. Trockene Pflanzen gehören zum Gartenjahr.
In der Tat, lassen wir einige der Pflanzen auch nach der Erntezeit stehen, um davon
wieder Samen für das nächste Jahr zu gewinnen. Sie bieten darüber hinaus Lebensraum
für Insekten und andere Kleinstlebewesen im Winter. Ergebnisse unserer erfolgreichen
Gartenarbeit im Jahr 2019 können Sie etwa über unseren Instagram-Kanal unter
www.instagram.com/chloroplast.stuttgart nachvollziehen.
4. Bei Chloroplast Stuttgart e.V handelt es sich nicht um einen Schrebergartenverein
sondern ein Gemeinschaftsgarten.
In einem sogenannten Schrebergartenverein (auch Kleingartenverein) werden einzelne
Parzellen verpachtet, die nach mehr oder weniger strengen Vorgaben gärtnerisch genutzt
werden. Wir verstehen uns als Gemeinschaftsgarten, der allen Nutzern gleichermaßen zur
Verfügung steht. Jeder erhält die Möglichkeit, sich in die Gemeinschaft einzubringen und
Teile des Gartens nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Der Garten ist für uns somit in
erster Linie ein sozialer Ort und ein Teil des öffentlichen Lebens.
Es ist uns ein Anliegen, anderen AkteurInnen und insbesondere gegenüber den
VertreterInnen aus Politik und Verwaltung unsere Offenheit zu signalisieren. Bei unseren
zahlreichen Veranstaltungen gab und gibt es auch weiterhin die Möglichkeit, mit uns ins
Gespräch zu kommen. Sprechen Sie uns bei Fragen gerne an! Wir sind immer für
Gespräche offen – solange sich alle Beteiligten wertschätzend begegnen.
Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit im Rahmen der beschlossenen
Planungswerkstatt, die – so unser Wunsch – von einem sachlichen und konstruktiven
Austausch geprägt sein soll.