IG Coswig: finanzielle Unterstützung anderer weggebrochen

Der IG Coswig hat sich an uns gewendet mit einem Antrag rund um Kosten, die sie in anderen Jahren durch andere Quellen finanzieren konnten. Diese Quellen sind (derzeit?) versiegt.

wie immer interessiert mich, wie viele Gärtner*innen ihr nun seid?

Wir sind derzeit 25 Gärtnerinnen und Gärtner, etwa 10 sind jede Woche dabei, einige können sich nur selten, d.h. ca. 3 oder 4 , 10 ? mal im Jahr an unseren Gartenaktionen beteiligen weil sie Auswärts wohnen oder in ihrer Arbeit eingespannt sind.

die Kosten für den Pferdemist: sind das Kosten für den Transport? Und kann euch der Reitstall oder woher ihr den Mist bekommt, nicht zumindest einen Teil spenden?

Es sind die Kosten für den Pferdemist, den Transport macht der Pferdehalter so für uns. Wir haben (nicht nur zu ihm) eine gute Beziehung aufgebaut, es gibt immer ein nettes Gespräch bei der Anlieferung über Lagerung des Stallmist, Kompostierung, Pferde.. Die Transportkosten sind allgemein angestiegen, da spielen ja Reparaturen, Abschreibung des Fuhrparks, Sprit natürlich mit rein. Wir bringen ihm dafür dann in der Erntezeit mal etwas Gemüse. Da freut er sich und wir sehen seine Pferde. Aber er hat ja einen Wirtschaftsbetrieb und muss seine Kosten decken. Gerne würde er uns einen Teil des Stallmistes spendieren, aber er kann es sich nicht leisten. Er macht uns einen sehr guten Preis, 25 euro für eine Fuhre aus Hänger und Zugmaschine. Wir haben die Preise der Anbieter unserer Gegend verglichen, er ist wirklich der günstigste.

Kompostiert ihr selber und reicht dieser Kompost nicht aus? Wie ist eure mittelfristige Strategie, um die Böden fruchtbar zu halten ohne z.B. Pferdemist zukaufen zu müssen?

Wir kompostieren von Anfang an selber. Dazu nehmen wir nicht nur die Grün-„abfälle“ aus unserem Garten sondern die Gärtner der Umgebung bringen uns Grünschnitt. Bei Sluka haben wir Federn geholt, in der Erntezeit ließen wir uns Trester von der Kelterei Sell bringen. Aber seit einigen Jahren kostet der Transport hierfür. Wir haben uns Rasenschnitt bringen lassen, auch unsere Nachbarn der kath. Kirche schaffen ihr Laub zu uns. Wir nehmen an organischen Material, was wir kriegen können und setzen es in langen Mieten auf. Dann wird es umgesetzt, dabei gesiebt und so gewinnen wir Kompost. Ein guter Dünger, für Möhren, Zwiebeln, Kohl, Salat aber es reicht als Dünger für Starkzehrer immer noch nicht aus. Daher arbeiten wir Pferdemist mit ein. Äußerst erschwerend für unseren Humuskreislauf wirkte sich die extreme Trockenheit der Jahre 2018, 2019 und 2020 aus. Von dieser Trockenheit war Sachsen neben Brandenburg stärker betroffen als andere Bundesländer. Somit kamen die Umsetzungsprozesse in unseren Kompostschichtungen nahezu zum Erliegen, weil es einfach fast nie regnete. Es war uns nicht möglich, den Kompost zu bewässern, wir waren froh, dass wir Wasser für unsere Pflanzen hatten. Wir haben die Strategie, so eine große Menge wie möglich an organischem Material günstig zu bekommen und zu kompostieren. So wird der Boden mit Humus angereichert, Wasserhaltevermögen und Nährstoffgehalt verbessert. Wir haben in den letzten 13 Jahren aus hellem Sandboden schon eine humusreiche Erde gemacht. Außerdem mulchen wir den Boden, um den Humusabtrag durch Wind zu verhindern. Unser eigener Kompost reicht nicht aus, um den Nährstoffbedarf der Gemüsepflanzen zu decken. Auch Kartoffeln brauchen Stallmist, wir haben es mal ohne probiert auf einem Versuchsbeet. Sie wurden nur so groß wie Nüsse. Der Stallmist führt dem Boden auch eine erheblicheMenge an organischem Material zu und verbessert sehr effektiv den Humusgehalt. Somitist es auch eine weitsichtige Bodenverbesserung.

Wie viele Pflanzen braucht ihr? Auf welche Größenordnung beziehen sich die angegebenen Kosten?

Wir brauchen 100 Gurkenpflanzen, veredelte wegen der Gurkenwelke, 200 Tomatenpflanzen, 150 kg Pflanzkartoffeln.

Wie sieht es bei euch mit der Eigenanzucht der Pflanzen aus? Gewinnt ihr selber Saatgut oder habt ihr das vor?

Wir ziehen Gurkenpflanzen nicht selbst an, weil es ohne heizbares Gewächshaus nicht möglich ist, so kräftige und veredelte Jungpflanzen zur Pflanzung Mitte Mai herzustellen. Dies geschieht in der benachbarten Jungpflanzenanzucht Frühgemüsezentrum Dresden. Mitte/Ende Mai sollte auch gepflanzt werden, sonst ist die Ernte-Saison nur kurz mit viel weniger Ernte. Ein benachbarter Gärtner zieht für uns die Tomatenpflanzen vor, im heizbaren Haus, so dass wir Mitte Mai sehr kräftige und robuste Pflanzen haben. Das ist der beste Start! Wir haben gesehen, wie am Fenster Tomatenpflanzen zu Hause vorgezogen werden, es sind durch den Lichtmangel und die nicht optimale Temperatur nur sehr kleine schwache und anfällige Pflanzen, die dann sehr lange brauchen um zu wachsen.Im Preis der Gurken- und auch Tomatenpflanzen schlagen sich die gestiegenen Heizkosten der Gärtnereien nieder. Aber wir ziehen selbstverständlich Salat, verschiedenste Kohlarten und Kräuter selbst an.Hier verwenden wir Saatgut von Dreschflegel, dieses haben wir schon selbst vermehrt. Wir tauschen auch Saatgut mit Gärtnerinnen und Gärtnern aus Coswig und Radebeul. Das ist sehr spannend. Möhren und Mangold haben wir noch nicht eigens vermehrt, bei Pastinaken machen das hingegen schon lange so. Wir wollen dieses Jahr ausprobieren, von Möhren und Mangold Saatgut zu gewinnen.

Was soll mit der Folie ausgebessert werden und gäbe es dafür auch plastikfreie Alternativen?

Mit der Folie wollen die Zelte neu beziehen, weil die Gewächshausfolie einige Jahre hält, aber dann altert und reist. Es gibt als plastikfreie Alternative nur Glashäuser. Diese sind inder Anschaffung vergleichsweise ganz erheblich teurer als Foliezelte. Wir würden zudem ein Gewächshaus aus Glas nicht genehmigt bekommen, weil es ein festes Bauwerk ist. Die Gewächshausfolie hat gegenüber Glas folgende Vorteile: geringes Gewicht, dadurch leicht zu verwenden als Bespannung, kein gefährlicher Glasbruch, kann bei Beschädigungproblemlos geklebt werden, dünner als Glas, dadurch wird weniger Material eingesetzt. Elastisch, geht bei Schneelast oder Hagel nicht kaputt. Wir verwenden unsere Folie so lange wie es geht und kleben Beschädigungen. Aber nach Jahren altert die Folie auch undwird brüchig. Folie verwenden wir auch als Abdeckung für Beete, Salat im Frühjahr oder für Erdbeeren als Frostschutz in der Blüte. Sie ist sehr vielseitig einsetzbar und wir können effektiv ein vorteilhaftes Pflanzenklima damit erzeugen.

Wie war das nochmal mit der Beteiligung der Gärtner*innen an den Kosten?

Unsere Gärtnerinnen und Gärtner arbeiten im Garten so oft sie es ermöglichen können, manche auch 2 mal die Woche. Sie bezahlen einen Mitgliedsbeitrag von 36 Euro im Jahr. Das Gemüse, dass sie mitnehmen, wird meist bezahlt. Manchmal verteilen wir eine gleiche Menge der Ernte an Alle, auch als Motivation. Das ist ein finanzieller Anteil, der vielleicht nicht so hoch erscheint, aber es wird auch körperlich viel geleistet von jedem Einzelnen. Wir haben auch Mitglieder weit über 70 und diese arbeiten immer noch mit ihren Händen und legen die Flächen mit an. Die finanziellen Situationen jedes Einzelnen sind am Minimum, oft ist gerade der Beitrag leistbar und ein Zuschuß zum Wasser.