Otterndorf: Garten der Hoffnung ist nun im Kleingartenverein

(Sachbericht)

Rückblick auf 2021

Im Mai, Juni, Juli und August haben wir jeweils kleine Feste für die Garten-Aktiven veranstaltet, an denen ca. 12-20 Personen teilnahmen. Die neu erworbenen Pavillons konnten wir dabei wahlweise gegen Sonne und gegen Regen gut gebrauchen. Besonders schön war das Fest im Juli, weil überraschend eine kurdische Familie dazu kam, die vor 2 Jahren nach Buxtehude umgezogen ist, und eine afghanische Familie, die sich im letzten Jahr nicht mehr an den Gartenaktivitäten beteiligt hatte, weil sie arbeitsmäßig inzwischen voll eingespannt sind: auch wenn die Lebensumstände sich verändern: die Verbindungen bleiben häufig erhalten.

Individuelle Förderung in deutscher Sprache fand das ganze Jahr über statt, in den kälteren Monaten nutzten wir hierfür die Räume des Initiativentreffs (Hadler Forum), in den Sommermonaten natürlich den Garten und dann besonders intensiv, da eine Frau aus unserer Gruppe dreimal wöchentlich Übungsstunden angeboten hat.

Im September haben wir eine uns bekannte Kräuter-Expertin zu einer Veranstaltung eingeladen, die im Garten begann und dann in der Küche von einer Frau aus unserer Gruppe fortgesetzt wurde. Hier konnte unter Anleitung der Fachfrau in einer gemeinsamen Aktion Kräutersalz und Gemüsebrühe hergestellt werden. An diesem Kräuter-Treff nahmen mit großem Interesse sowohl geflüchtete Frauen teil als auch drei Frauen, die den Gemeinschaftsgarten bislang noch gar nicht kannten.

Im Oktober haben wir mit vielen großen und kleinen Menschen zusammen die Äpfel und Birnen geerntet. Es waren nicht so viele wie letztes Jahr, deshalb haben wir diesmal keinen Apfelsaft gemacht, stattdessen die Früchte untereinander verteilt und große Mengen getrocknete Apfelringe hergestellt. Leider hatten wir auch viele Äpfel mit Schadstellen. So haben wir beschlossen, im nächsten Jahr noch einmal einen Fachmenschen für Obstbäume einzuladen, um den Baumschnitt und die Schädlingsbekämpfung (Leimringe u.ä.) anzuleiten.

Im Oktober und November etablierte sich eine neue Gewohnheit: an mehreren Samstagen haben wir nach der Gartenarbeit gemeinsam etwas gekocht oder jemand hat vorbereitetes Essen mitgebracht: es begann mit Pfannkuchen und (selbstverständlich aus eigenen Äpfeln hergestelltem) Apfelmus, ging weiter mit einer Gemüsepfanne vornehmlich aus Gartenfrüchten, dann gab es eine Suppe nach iranischem Rezept und ein besonders opulentes afrikanisches Gericht. Das Essen wurde auf einem Gaskocher hergestellt oder warm gemacht, der Tee dazu auf offenem Feuer (Feuerschale) zubereitet. Das schaffte gerade in dieser kälteren Jahreszeit eine besondere Atmosphäre. Alle Beteiligten haben den Wunsch, diese Gewohnheit im nächsten Jahr fortzusetzen.

Bilanz und Ausblick

Die Gartengruppe zeigt nach nunmehr 5 Jahren immer noch Kontinuität: außer einer Frau, die 2021 weggezogen ist, sind alle mit deutschem Pass (acht Personen) dabeigeblieben, die iranische Familie, die von Anfang an dabei ist, und die pakistanische Frau sind verbindlicher Bestandteil dieser Gruppe. Einige Geflüchtete haben inzwischen Aushilfsjobs am Wochenende und können deshalb nicht mehr regelmäßig teilnehmen. Andere ziehen sich phasenweise zurück, weil ihre Situation hier und die Situation in den Herkunftsländern sie psychisch allzu schwer belastet. Doch sie alle, selbst diejenigen, die weggezogen sind, fühlen sich dem Gemeinschaftsgarten verbunden und kommen dazu, wenn sie es ermöglichen können.

Unser Vorhaben, häufiger im Garten gemeinsam zu kochen eröffnet die Möglichkeit, noch weitere Menschen in die Struktur einzubinden, die an der Arbeit im Garten nicht so ein Interesse haben oder körperlich dazu nicht in der Lage sind. So kam z.B. eine Frau, die Patin für eine irakische Familie ist, mit zwei der Kinder regelmäßig zu unseren Mahlzeiten im Oktober und November.

Ende des Jahres lief der Pachtvertrag mit der Kirche aus und wir sind als Verein in den vor zwei Jahren neu gegründeten Kleingartenverein eingetreten. Die Atmosphäre ist freundlich und offen. Möglicherweise ergeben sich hieraus auch noch neue Kontakte und Verbindungen, sobald die Corona-Beschränkungen aufgehoben sind und wir auch mal wieder ein größeres Fest wagen können.

Unsere Idee, vermehrt Kräuter anzupflanzen, die geernteten und getrockneten Kräuter in kleine Tüten zu verpacken und gegen Spende abzugeben, haben wir wie geplant umgesetzt: an den beiden Tagen, an denen wir zu Marktzeiten in Otterndorf unseren Stand gemacht haben, sind wir alle Tüten losgeworden, konnten ca. 150 € an Spenden sammeln, haben unsere Gartenaktivitäten dargestellt und einige Gespräche auch über die Themen Krieg und Fluchtursachen bekämpfen geführt. Im kommenden Jahr wollen wir die Verarbeitung der Kräuter intensivieren.