Zwickau: Gemeinschaftsgarten Zum fleißigen Winkel erntet Regenwasser vom Dach eines Penny Supermarkts

(Antrag, Antworten)

m Rahmen eines EFRE-Förderprojektes wurde in Zwickau eine städtische Brachfläche
neugestaltet. Für einen kleineren Teil wurde mittels Bürgerbeteiligung eine Verwendung
gesucht. Aus einer Nachbarschaftsinitiative heraus entstand die Idee eines
Gemeinschaftsgartens. Aus der bunten Mischung sich zum Großteil fremder Menschen ist im
Oktober 2021 ein kleiner Verein bestehend aus elf Mitgliedern entstanden, die diesen Teil als
Gemeinschaftsgarten betreiben.  Ziel des Gartens ist es, einen Treffpunkt im Stadtteil zu
schaffen, der für alle Menschen offen ist und an dem alle Interessierten in ihrer Freizeit
gärtnern, sich austauschen und voneinander lernen können.  
Gärtnerisches Ziel ist es dabei insbesondere, das ökologische und naturnahe Gärtnern zu
fördern.

Inhalt der Förderung
Damit der Garten funktionieren kann, benötigen wir vor allem eine Wasserversorgung.
Aktuell wird uns von der Stadtverwaltung Zwickau ein Trinkwasseranschluss in ca. 150 Meter
Entfernung in Aussicht gestellt. Es widerspricht allerdings dem ökologischen Konzept des
Gartens, Trinkwasser zur Bewässerung der Pflanzen zu verwenden. Daher soll eine
Wasserversorgung durch Regenwasser aufgebaut werden.

Ziele
Aktuell wird das Regenwasser einer benachbarten versiegelten Fläche in die Kanalisation
geleitet. Wir möchten dieses Wasser zur Bewässerung des Gemeinschaftsgartens nutzen
und so den natürlichen Wasserkreislauf unterstützen. Das Regenwasser versorgt nicht nur
die Pflanzen des Gartens, sondern kann in die Erde versickern und die
Grundwasserreserven speisen. Darüber hinaus können wir durch die Kalkfreiheit des
Regenwassers gewährleisten, dass der pH-Wert der Erde nicht durch den Kalk im
Trinkwasser erhöht wird.
Wir möchten die Vorteile bei der Verwendung von Regenwasser im Garten selbst nutzen, um
zu zeigen, dass auch in städtischen Flächen das Gärtnern ökologisch möglich ist.
Durch die gemeinsame Installation der Regenwasseranlage durch die Vereinsmitglieder wird
darüber hinaus das Team in der gemeinsamen Arbeit gestärkt. Wir lernen voneinander, wie
ein Regenwassertanksystem selbst gebaut werden kann und können so als Multiplikatoren
Interessierte beraten.  
 
Umsetzung
Wir haben zwischenzeitlich bereits mit dem benachbarten Penny-Markt eine Vereinbarung
zur Nutzung des anfallenden Regenwassers geschlossen (siehe Anlage). Der Markt bietet
die einzige Dachfläche in erreichbarer Nähe, über welche wir ausreichend Regenwasser
sammeln können. Geplant ist, dass wir über das Fallrohr der Regenrinne einen
mechanischen Regenwassersammler installieren und das Regenwasser mittels zweier IBC-
Tanks sammeln. Parallel dazu werden wir im Garten zwei IBC-Tanks aufstellen. Die so bis
zu 2m³ Wasser möchten wir über eine mobile, akkubetriebene Pumpe (der
Gemeinschaftsgarten verfügt nicht über einen Stromanschluss) in die zwei im Garten
befindlichen Tanks befördern. Die Tanks im Garten werden erhöht aufgestellt, um das
Wasser in Gießkannen abfüllen oder einen Schlauch anschließen zu können. Die
Beschaffung, der Aufbau und die Installation werden in Eigenleistung über die
Vereinsmitglieder gewährleistet, wobei uns die Sicherheit unserer Mitglieder sehr wichtig ist.  
Im Bewusstsein, dass 2000 Liter Wasser in trockenen Sommern knapp bemessen sind,
werden wir hauptsächlich mit der Mulch-Methode arbeiten. Durch das Mulchen mit
Rasenschnitt und Holzhäckseln wird der Gartenerde wertvolles Humusmaterial zurückgeführt
und die Feuchtigkeit im Boden gehalten. Dies ist wichtig, da wir zwar in von Schadstoffen
freier, aber nicht humusreicher Erde gärtnern. Das Mulchen unterstützt uns auch dabei, das
Gemüse von Beikräutern frei zu halten, um Wurzelkonkurrenzen zu vermeiden. Zum
Transport des Mulch-Materials werden wir eine Schubkarre verwenden.

ANtworten
Das Pachtgrundstück beträgt insgesamt ca. 755 m², umzäunt sind ca. 725m². Gepachtet wird das Grundstück durch den Verein von der Stadtverwaltung Zwickau. Wir konnten eine pachtfreie Zeit von ca. 2 Jahren aushandeln. Ab dem 01.06.2023 beträgt die Pacht ca. 90 €/Jahr zzgl. Nebenkosten von bis zu 400€/Jahr. Die Pacht ist aufgrund der Förderungen auf mind. 5 Jahre festgesetzt und verlängert sich dann unbefristet mit einer Kündigungsfrist von 3 Monaten. Die Fläche war vorher eine städtische Brachfläche bestehend aus alten Betonplatten und Resten einer Halde (in Anhang ein Google-Maps-Bild „Übersicht Wasserversorgung“, was diese noch abbildet). Sie wurde über das EFRE-Projekt aufwändig saniert und einer neuen Nutzung zugeführt (Park/Spielplatz).

– Wir arbeiten in einem Grundbeet von knapp 120m², 6 Hochbeeten und diversen Töpfen. Außerdem haben wir eine Menge Obstgehölze gepflanzt. Das Grundbeete ist in 4 gleiche Bereiche unterteilt, um das Beet leichter in kleinere Abschnitte aufteilen zu können. Der Hauptteil wird gemeinschaftliche bewirtschaftet und über einen gemeinsam festgelegten Pflanzplan für dieses Jahr organisiert. Ein kleinerer Teil ist für individuelle Beete freigehalten worden, da es vereinzelt den Wunsch nach einem persönlichen Bereich gab (das sind dann jeweils ca. 4m² für insgesamt 4 Personen). Die Bewirtschaftung dieser kleinen individuellen Bereiche obliegt dann den Verantwortlichen selbst. Der Pflanzplan und auch die Zuteilung von individuellen Bereichen wird jedes Jahr neu aufgestellt (in der Mitgliederversammlung vor Saisonstart). Es wird gemeinschaftlich vorgezogen, gepflanzt, gegossen, gepflegt und geerntet. Die Abstimmung erfolgt direkt vor Ort oder per WhatsApp-Gruppe. Es gibt derzeit zwei feste Wochentage: Mittwoch-Nachmittag und Freitag-Vormittag, an denen immer mehrere von unserer Gruppe im Garten sind und sich gemeinsam kümmern oder Dinge klären können. Ansonsten steht es jedem Mitglied zu jeder Zeit frei, in den Garten zu gehen (wird zur Zeit auch rege genutzt, um die Wasserversorgung bei der Hitze zu gewährleisten).

– Die Nachbarn erfahren wie folgt vom Garten: Bereits zur Initiation haben wir mit Flyern in der gesamten Nachbarschaft gearbeitet. Am Garten steht ein Schaukasten, in dem wir Infos und Kontaktdaten aushängen haben. Wenn jemand vor Ort ist, wird auch das direkte Gespräch gesucht. Der Garten in einsehbar und es wurde auch schon öffentlich berichtet (FreiePresse Zwickau, Radio Zwickau, Stadt Zwickau). Wir haben eine Website mit allen wichtigen Informationen: www.gemeinschaftsgarten-zwickau.de . Die Website funktioniert, ist nur leider aufgrund der wenigen Verlinkungen und Clicks über Google noch nicht immer präsent.

– Schilder gibt es im Garten derzeit leider nur im Schaukasten. Wir sind im ersten Jahr und vieles ist noch im Aufbau. Unser Vision ist die Ausstattung mit vielen Hinweis- und Erklärschildern (Bienengarten, Totholzhecke, Obsthecke, Kompost, Miniteich, Kräuterbeet usw.).

– Der Trinkwasseranschluss wurde über das EFRE-Projekt gestellt. Die Mittel der Förderung waren begrenzt, so dass wir unsere Wunschliste auf eine Prioritätsliste reduzieren mussten. Dabei standen die Voraussetzungen für den Gemeinschaftsgarten im Vordergrund: Erdaustausch, Umzäunung, Lagercontainer, Trinkwasseranschluss. Für vieles anderes wie z. B. Stromanschluss, Wassertanks, Ausstattung usw. war das Budget nicht ausreichend. Es waren lange Monate der Verhandlung und des Austüftels gemeinsam mit der Stadtverwaltung, so dass wir sehr dankbar für die über die Förderung umgesetzten Dinge sind! Wir sehen uns als Verein in der Verantwortung, den Rest selbst zu organisieren und uns Unterstützung über verschiedene Wege zu suchen – schließlich soll das kein „Projekt“ der Stadtverwaltung Zwickau sein, sondern das Ergebnis des Engagements unserer Interessengruppe.

– Zur Infrastruktur: Wir haben einen kleinen Lagercontainer für die künftigen Bienen (Imkerin ist mit im Verein, im ersten Jahr konnten wir die Umsiedlung eines Volkes noch nicht sicherstellen, da uns die Sicherheit der Tiere sehr wichtig ist). Darüber hinaus haben wir einen größeren Lagercontainer für Gartengeräte, Samen, Stühle, Material etc. Der Garten ist unterteilt in einen Bienengarten (Obst-, Beeren- und Nussgehölze auf einer naturnahen Wiese) und den eigentlichen Garten. Im Garten befindet sich ein Kompost, die Beete, die Hochbeete. Der komplette Bereich ist umzäunt. Es gibt ein kleines Tor am Bienengarten und ein großes Tor (befahrbar) am Garten. Die Tore befinden sich direkt an den Parkwegen. Den Garten verschließen wir, wenn niemand von der Gruppe anwesend ist mit einem Zahlenschloss, sobald jemand da ist, ist offen.

– Der PENNY ist nur ca. 50m Luftlinie entfernt. Es gibt allerdings keine direkte Verbindung zum Garten. Wir würden einen Trampelpfad nutzen, um den Schlauch zu legen, dann kommen wir auf ca. 150m zwischen den Tanks. Deshalb wird die Schlauchlänge benötigt. Die Schlauchwagen sind nötig, um den Schlauch transportieren zu können, weil Gewicht und Länge bei der Größe sonst nicht händelbar sind. Der Trinkwasseranschluss liegt ca. 200m entfernt. Ich habe das ganze mal versucht, in Google-Maps für Sie darzustellen (Anlage Übersicht Wasserversorgung).

– Die Instandhaltung wird durch den Verein sichergestellt. Das Gießen ist im Garten derzeit nicht schriftlich geregelt. Mittwochs und Freitags wird durch die Anwesenden gegossen (bei Bedarf). Je nach Witterung können wir es derzeit fast täglich absichern, dass wenigstens eine Person zum Gießen vorbeikommt. Wir bringen derzeit das Wasser aus unserem privaten Haushalten oder Regentonnen mit (10l-, 20l, 30l-Kanister, Eimer, Gießkannen – je nachdem, was jeder so tragen kann). Ein Vorstandsmitglied fährt 1-2 pro Woche eine größere Menge (ca. 100-150 Liter) mit dem Transporter in den Garten. Es ist zur Zeit die Hauptaufgabe für alle und belastet die Arbeit im Garten natürlich sehr. Wenn der Transport von Wasser entfällt, würde uns das enorm entlasten und wir könnten natürlich auch mehr Wasser zur Verfügung stellen. Mit Installation der Anlage werden wir organisatorisch einige festhalten, was das Umpumpen, die Verwahrung der Technik, das Akkuladen usw. angeht.

– Zum Mitmachen: Der Grundsatz lautet, jeder ist bei uns erst einmal ungezwungen willkommen. Zum Hereinschnuppern und Unterstützen muss bei uns niemand gleich Vereinsmitglied werden. Das ist auch nicht an einen festen Zeitraum gebunden. Auch derzeit haben wir regelmäßig Unterstützung beim Gießen von einer Nachbarin. Sie partizipiert an der Gruppe und darf auch ernten. Natürlich versuchen wir die Interessenten auch an den Gedanken der Mitgliedschaft zu gewöhnen, denn damit hängt vieles zusammen (Stimmrecht bei Entscheidungen, Finanzierung des Gartens = derzeit: 11 Mitglieder = 660€ Jahresbudget, Rechte und Pflichten, Recht auf individuelle Flächen, Gleichbehandlung aller Interessenten). Letztendlich entscheiden wir aber auch solche Angelegenheiten immer in der Mitgliederversammlung.