Leipzig – Stadtgarten H17 legt Moorbeete an

(ANtrag)

Der Verein Stadtgarten H17, bestehend aus 11 aktiven und 7 fördernden Mitgliedern, baut auf dem
550 qm umfassenden Gelände in Leipzig-Lindenau einen langlebigen Schau- und Mitmachgarten auf –
als unkommerziellen, niedrigschwelligen soziokulturellen Treffpunkt und Bildungs-Ort. In unserem
Gemeinschaftsgarten wachsen nicht nur Pflanzen, sondern auch zwischenmenschliche Beziehungen.
Es wird Wissen (wieder) angeeignet, gesammelt und mit anderen geteilt. Zugleich vergrößert der
Aufbauunabhängigerer Struktureninnerhalb der Stadt den Gestaltungsspielraum emanzipatorischer
Akteure, die ein gutes Leben für Alle fordern. Damit ist auch der Stadtgarten H17 mehr als ein Garten.
Er ist ein Möglichkeitsraum. AlsSchau- und Mitmachgartensoll der Garten eine attraktive Anlaufstelle
für urbanes und gemeinschaftliches Gärtnern sein. Er sensibilisiert möglichst viele Menschen in Leipzig
fürökologischeThemenundpost-fossileLebensweisenundhilftHemmungengegenüber
Alltagstechniken der Selbstversorgung abzubauen. Da im Garten selbstverständlich Obst und Gemüse
angebautwird,bildendieThemenErnährungundökologischerNahrungsmittelanbaueinen
SchwerpunktderProjektarbeit.DabeistehenFragenderNachhaltigkeitundSubsistenzim
Mittelpunkt. Zugleich ist der Garten ein unkommerziellersoziokultureller Treffpunkt für Alle, dessen
Angebot sich stets erweitert. Das konkrete lokale Handeln ergänzend, soll der Stadtgarten außerdem
einFreiraumim weiteren Sinn sein – ein Ort, an dem genauer und anders über Gesellschaft und
Wirtschaft im globalen Kontext nachgedacht werden kann. DieZielgruppedes Projektes besteht aus
allen Nachbar*innen, Passant*innen und Interessierten, unabhängig von Einkommen, Alter, Gender,
Herkunft, soziokulturellem Hintergrund etc. Das Projekt ist nicht kommerziell und verfolgt keine
Gewinnerzielungsabsicht.

2. Ausbau gärtnerischer Infrastruktur und Bildungsangebote und ökologische Optimierung
Von April 2023 bis November 2023 möchten wir, derzeit 11 aktive Gärtern*innen, zusammen mit
Besucher*innen, zum weiteren Aufbau unseres Gemeinschaftsgartens und unserer Bildungsangebote
die folgenden Maßnahmen umsetzen. Inhalt und Ziel ist es dem ThemaKlimakrise– in Verbindung mit
derBedeutung der Bodennutzung(z.B. der Moore aber auch bezüglich Lebensmittelanbau oder als
Wasserspeicher) und demHumusaufbau(Stichwort CO2-Speicher z.B. durch Holzkohle in Terra Preta)
– mehr Beachtung zu schenken und den Gemeinschaftsgarten an die klimatischen Herausforderungen
anzupassen. Dabei wollen wir unsere Gärtner:innen und Besucher:inne für diese Thematik und
vorhandene Handlungsspielräume sensibilisieren und begeistern. Mögliche Bezüge des Projekts
ergeben sich auch zu den beiden Ausstellungen „Fruchtbare Erde“ und „Zukunf(s)Essen“, die wir von
der GartenWerkStadt Marburg übernommen haben und 2023 fortführen.
Neben der Fertigstellung und Beschilderung unsere Moorbeets (mit torffreier Erde,einem
Heronsbrunnen, Carnivoren, siehe 2.1) steht die Herstellung hochwertiger und fruchtbarer Erde bzw.
das Düngen mit Bokashi- und Holzkohle-Substratenim Mittelpunkt. Hierzu werden wir z.B. selbst
Holzkohle herstellen und zusammen mit der Bokashi-Fementationstechnik zur Bodenaufwertung im
Garten nutzen (siehe 2.2). Weiterhin bleibt dieBewässerungund der der effiziente undsparsame
Umgang mit Wasserim Garten ein großes wenn nicht gar zunehmendes Thema (2.3). In diesem
KontextoptimierenwirdurchBepflanzungdieFunktionalitätunseresGrauwasserturmszur
Aufbereitung von leicht verschmutzen Abwassers zu Gießwasser (2.4). Um die Themen Moore und
Bodenverbesserung zu vertiefen und an die Gärtner:innen und Besucher:inne zu vermitteln, möchten
wir unsere kleineBestandsbibliothekum Bücher 4 erweitern (siehe 2.5). Zu einem späteren Zeitpunkt
soll für die Bestandsbibliothek ein neuer funktionaler Schrank in die Wand der Hütte gebaut werden.
2.1 Moorbeet: torffreie Erde, Heronsbrunnen, Bepflanzung und Beschilderung Moorbeet
Wie bereits im Sachbericht für das Jahr 2020 erwähnt, haben wir, bzw. damalige Vereinsmitglieder uns
bei der Wahl des Standorts für das Moorbeet leider falsch informiert. Im Zuge dessen haben wir das
Moorbeet komplett neu konstruiert und an den zentralen und sonnigen Garteneingang verlegt. Die
Grundkonstruktion aus Holz sowie die Wasserspeicher sind fast fertig gestellt. Im Weiteren möchten
wir das Moorbeet mit torffreier Erde füllen und mit heimischen Carnivoren bepflanzen. Bei der
Bepflanzung möchten wir u.a. verschiedene Torfmoosarten, die durch ihr Absterben neuen Torf bilden,
einsetzen. Der Heronsbrunnen (bestehend aus zwei Kanistern, basierend auf dem Prinzip des
Luftdrucks) soll dazu dienen, Insekten mit Wasser zu versorgen. Mit dem Moorbeet als beschildertes
Schaugartenbeet wollen wir die wichtige Bedeutung von Mooren für den Klimaschutz verdeutlichen:
Im Torf sind große Mengen Kohlenstoff gespeichert. Außerdem sind z.B. Niedermoore in der Lage,
Lachgas(dessenklimaschädigendeWirkungnahezu300-malhöheristals CO2)ausderLuft
aufzunehmen und in unschädliche Stickstoffmoleküle umzuwIm Rahmen eines städtisch geförderten Projektes können wir einen eigenen Holzkohleofen anschaffen
und im Garten regelmäßig selbst Holzkohle herstellen, unter anderem im Rahmen eines öffentlichen
Workshops unter Anleitung der Berliner Schreberjugend. Darauf und auf vergangenen Workshops mit
dem KanTe-Kollektiv aufbauend, möchten wir auch unsere Bokashi-Nutzung intensivieren und Terra
Preta herstellen. Mit den so gewonnenen Substanzen und unserem vorhandenen Kompost wollen wir
die Gartenerde aufwerten. Zusätzlich benötigen wir für stetig neu entstehende Beete zusätzliche
torffreie Gemüseerde, die wir ebenfalls mit biologischen Mitteln nährstoffreich erhalten bzw. mit den
gewonnenen Substraten anreichern wollen. Da unsere beiden Komposthaufen für die Anreicherung
der Holzkohle und die Gemüseproduktion nicht genug Humus liefern, möchten wir auch Humus
zukaufen.