Berlin: Westfeld Garten kann richtig loslegen

(Antrag/Antworten)

ld Food Forest ist eine offene Gruppe von zivilgesellschaftlichen Akteuren, die sich zum
ersten Mal am 22. September 2019 traf. Zu der Facebook Veranstaltung mit dem Titel
“Establishing a Food Forest on THF” kamen 15 Personen im Kulturlabor Trial&Error in der
Braunschweiger Straße in Berlin Neukölln zusammen. Gemeinsam überlegten wir, wie ein
essbarer Wald auf dem Tempelhofer Feld aussehen würde, und welche positiven
Auswirkungen er auf das Stadtklima und die Gemeinschaft vor Ort haben kann.
Ziel war, einen (mindestens) 5000m² großen essbaren Wald in Berlin (auf dem Tempelhofer
Feld) zu pflanzen, als Ort für Gemeinschaft, Experimente und Bildung. Seitdem ist die
Gruppe stetig gewachsen und das Netzwerk hat sich erweitert. Feld Food Forest ist eine
Plattform geworden für Menschen, die ihr Wissen in Workshops und
Netzwerkveranstaltungen teilen und vermehren wollen, sich in Arbeitsgruppen organisieren,
und Tochterprojekte ins Leben rufen.
Vier Jahre später, nach zähen Verhandlungen mit allen Entscheidungsträgern
(Feldkoordination, Sen UMVK, Natur- und Denkmalschutz, Bezirksamt
Tempelhof-Schöneberg, u.a.) haben wir nun endlich einen unterschriebenen Vertrag für eine
mehr als 5000m2 Fläche, um ein essbares, bio-diverses Biotop entstehen zu lassen.
Mittlerweile sind wir ein eingetragener gemeinnütziger Verein, unsere Kerngruppe besteht
aus ca. 10-15 Mitgliedern, und wir kooperieren für den “Westfeld Garten” mit vielen anderen
Initiativen und Organisationen. Der Westfeld Garten ist als Gemeinschaftsgarten und
Experimentierfeld geplant, an dem der Wissensaustausch über Permakultur, Umwelt und
Ernährung gefördert werden soll.
Maßnahmen und Zeitplan
Seit dem Frühjahr 2023 haben wir am Boden des zukünftigen Waldgartens gearbeitet. Durch
offene und kostenlose Workshop-Formate rund um Bodenproben (sowohl für DIY
Bodentests, als auch Bodenproben für die professionelle Laboruntersuchung) konnten wir
herausfinden, daß der Boden arm an Nährstoffen ist, aber die Altlast-Anteile gering sind, und
keine Gefahr für Menschen besteht.
Um den Boden zu verbessern, sammeln wir organisches Material von Kleingärten, anderen
Gemeinschaftsgärten, Grünflächenamt und Tierpark Hasenheide: Mit Mist, Baumstämmen,
Ästen, Holzspänen, Grünschnitt und Stroh legen wir Beete nach der “Lasagna Methode” an.
Diese Aktionen finden als offene Veranstaltungen statt und werden auf unseren digitalen
Kanälen angekündigt und dokumentiert (Instagram, Newsletter und Website). In Zusammenarbeit mit der “Fliegerwerkstatt” und “Kernzone” (Werkstätten für Jugendliche
und Auszubildende) konnten wir außerdem erste Holzschilder, Sitzgelegenheiten und
Hochbeete aufstellen.
Im Herbst möchten wir die ersten Sträucher und Bäume pflanzen. Im Rahmen weiterer
Mitmachaktionen zwischen Oktober 2023 und April 2024 möchten wir über hundert Pflanzen
(11 Bäume, 64 Sträucher, und viele Kräuter und Stauden) platzieren. Der Spatenstich findet
am 29.10.23 statt. Begleitend zur Pflanzaktion werden wir eine Einführung in Waldgärten
und das Projekt geben, und zum Abschluss eine Feier organisieren

Fragen

– habt ihr einen Vertrag für die Nutzung der Fläche und wenn ja, ist dieser befristet? Müsst ihr Pacht zahlen, wenn ja, wie viel?

Ja, wir haben einen Nutzungsvertrag, der aktuell bis zum 31.12.2026 befristet ist. Das ist dieselbe Frist, die momentan jedes Projekt auf dem Tempelhofer Feld hat. Uns wurde gesagt, dass das eine reine Formalie sei. Wir dürfen bleiben, solange wir wollen.

Wir müssen keine Pacht bezahlen. Wasser- und Stromkosten müssen wir selber decken. Wir haben einen Medienanschluss gestellt bekommen, mit Zählern. Es wird genau abgerechnet.

– wie groß ist die Gesamtgruppe?

Die Kerngruppe besteht aus ca. 15 Personen. Der größte Teil davon sind auch Vereinsmitglieder. Dazu kommt ein wechselnder Anteil an Unterstützer:innen und Helfern, die uns über Partnerschaften, Netzwerke rund um das Tempelhofer Feld, oder unsere digitalen Kanäle kennen und an Workshops und Mitmachaktionen teilnehmen. Wir waren im Laufe der Jahre teilweise 80 Aktive, die zu unseren Treffen gekommen sind. Wir haben ein paar Hundert Menschen in unserem Email Verteiler und etwa 1500 auf unserem Instagram Kanal. Über die Jahre hatten wir viele Onboarding Veranstaltungen.

– 5000m2 sind ja recht groß: wie wollt ihr noch mehr Menschen für euer Projekt gewinnen? Wie kann man mitmachen?

Der Projektplan ist in drei Phasen eingeteilt. Zuallererst erschaffen wir das Herzstück auf Teilbereich 1 (ca. 1800 m²). Hier etablieren wir die wichtigsten Grundstrukturen und schaffen Sichtbarkeit. Wir probieren Formate zur Beteiligung aus und wollen uns in Kreisen mit unterschiedlichen thematischen Interessen formieren. Da sind zum Beispiel der Kompost-Kreis, der Umweltbildung-Kreis, der Gemeinschafts- oder der Gartenarbeits-Kreis. Kreise können bei Bedarf neu entstehen, pausieren oder ad acta gelegt werden. Wir sind generell ein sehr offenes Projekt und wünschen uns Beteiligung jeglicher Art.

In der zweiten Phase wächst die Gemeinschaft um das WFG und das Biotop wächst mit. Der Teilbereich 2 ist etwa 2800 m² groß. Es werden weitere Polykulturen, ein Kräutergarten und ein Bereich für jährliches Gemüse vorgesehen. Dazu kommen fliegende Bauten wie ein Gewächshaus, ein Meetingraum, ein offenes Klassenzimmer und ein weiterer Kompostbereich.

In der dritten Phase ist das Projekt WFG gereift. Die WFG Gemeinschaft, so wie alle Teilnehmer:innen, haben einiges an Erkenntnis und Wissen zusammengetragen. Nun ist es an der Zeit, das Experimentieren und Monitoring mit ins Bildungssystem zu integrieren. Dazu erweitert sich der Westfeld Garten um das Experimentierfeld, den “Wildnis” Bereich und den Bildungsbereich im Nordosten der Fläche. Der Bereich 3 ist etwa 1600 m² groß.

Die Gartenaktionen sind generell öffentlich und werden in verschiedenen Kanälen (Webseite, Instagram, THF Netzwerke und Veranstaltungshinweise) veröffentlicht. Interessierte können uns dort kontaktieren, oder auch direkt vorbeikommen und sofort mitmachen. Dabei erfahren sie auch mehr über das Projekt und ob sie sich weiter engagieren wollen. Vereinsmitgliedschaft ist nicht erforderlich, um mitzumachen.

Wir wollen wieder regelmäßige Onboarding-Termine online und offline anbieten, bei denen Interessierte mehr über uns und unsere Struktur erfahren können. Wer Interesse hat, ein aktives Mitglied zu werden, kann dann an unserem Plenum teilnehmen, unseren Slack-Kanälen beitreten und an den digitalen Dokumenten auf Google Drive mitarbeiten.

– wie organisiert ihr derzeit die Arbeiten, wie kommuniziert ihr, wer trifft die Entscheidungen?

Wir sind in einer lockeren soziokratischen Struktur aufgebaut. Unser Ziel ist, Entscheidungen durch Konsens zu treffen. Entscheidungen werden im Plenum getroffen oder in den AGs, die für verschiedene Aspekte zuständig sind (Verein, Community, Kommunikation, Aktionen…). Engagierte können in Eigeninitiative neue Projekte oder AGs vorantreiben, solange es keine gegenteilige Meinung vom Rest der Gruppe gibt.

Kleinere Entscheidungen werden direkt in den AG-Slack-Kanälen getroffen und dokumentiert. Größere Entscheidungen und Diskussionen werden im allgemeinen Slack-Kanal und in Plenums-Protokollen kommuniziert und festgehalten.

– wer kümmert sich um die Bäume, Sträucher, Kräuter und Stauden, nachdem diese gepflanzt wurden?

Der Verein ist vertraglich dazu verpflichtet, die Pflege des Geländes zu übernehmen. Aktuell sind alle Teilnehmer für das gesamte Gelände zuständig, z.B. während der Treffen und Mitmachaktionen. In Zukunft könnten aber auch Verantwortliche und Patenschaften für einzelne Gilden, Beete etc. designiert werden. Wir werden außerdem eine gemischte Gartenarbeitsgruppe bilden, die sich ausschließlich um das Gärtnern kümmert.

– wie wollt ihr die Pflanzen und später die Früchte gegen Diebstahl (oder dürfen alle ernten?) und Vandalismus schützen?

Das Feld ist tagsüber öffentlich zugänglich, wird aber durchgängig von Sicherheitspersonal kontrolliert und abends abgesperrt. Wir gehen davon aus, dass sich die meisten Leute respektvoll verhalten werden, dennoch können wir Vandalismus nicht ausschließen. Die Früchte dürfen geerntet werden, die gesamten Ränder werden mit essbaren Hecken (Beeren etc.) bepflanzt, von denen das Laufpublikum naschen kann und soll: ein Naschgarten.

Die teils stacheligen Heckenpflanzen und robusteren Sträucher in den Gilden sollen auf lange Sicht andere Pflanzen physisch schützen. Beetumrandungen, dichte Bepflanzung und Beschilderungen sollen einen zusätzlichen “weichen” Schutz bieten. Da wir hauptsächliche mehrjährige Pflanzen und Gehölze pflanzen, hoffen wir, dass es weniger Vandalismuspotenzial als bei einjährigen Gemüsebeeten gibt.

Wir wollen eine klar erkennbare Wegeführung für die Öffentlichkeit gestalten. Und die kleinen Wege, die durch die Beete führen, nur für Eingeweihte erkennbar machen. So hoffen wir, die Öffentlichkeit durch unseren Garten lenken zu können. Außerdem wollen wir viel mit Beschriftungen und weiterführenden Informationen durch QR-Codes arbeiten.

Außerdem sollte mit wachsendem Garten die Fläche zunehmend genutzt werden. Zum Beispiel während der Umweltbildung, Workshops oder Gemeinschaftsveranstaltungen wie Kochevents in der Außenküche. So wollen wir zunehmend Anwesenheit gewährleisten, von Menschen, denen der Garten wichtig ist und die bei Vandalismus schnell aktiv werden können.

– wie entsteht bei euch die Gemeinschaft? Was macht ihr z.B. im Winter?

Das Projekt ist aus einem mehrjährigen Prozess von Online-Meetings, Design-Workshops und anderen Treffen hervorgegangen, bevor es überhaupt eine Fläche gab. Diese werden wir natürlich online und offline fortführen. Da wir uns auch als Wissens-und Kommunikationsprojekt sehen, gibt es neben der Gartenplanung und Administration auch im Winter genug zu tun.

– mit welchen anderen Organisationen kooperiert ihr?

Wir kooperieren u.A. mit:

       Mehrwertvoll e.V.: Förderung, Kommunikation, lokales Netzwerk

       Kernzone Holzwerkstatt, Infrastruktur

       Fliegerwerkstatt e.V: Holzwerkstatt, Infrastruktur

       Torhaus KochKollektiv: Ernährungsbildung, Verpflegung, Food Sharing

       Thf.Vision: Netzwerk zur nachhaltigen Nutzung des Tempelhofer Felds

       Dycycle, City Lab Berlin, BodenschätzeN: Workshops, Kompost, Boden

       Trial & Error e.V., Baumhaus Berlin, u.A.: Projekte, Veranstaltungen

       Urbane Waldgärten und Universität Potsdam: Wissen, Forschung und Vernetzung

       Tierpark Hasenheide: Mist und Mulchmaterial

       Grünflächenamt Tempelhof-Schöneberg: Baumstämme und Mulchmaterial.

Außerdem teilen wir uns Ressourcen, Menschen und Wissen mit anderen Gartenprojekten wie Allmende Kontor, Waldgarten Berlin-Britz e.V., Prinzessinnengärten, Peace of Land, Waldgarten Rehfelde, …

– wie hat sich das mit dem Wasser geklärt? Bei meinem Besuch war das noch nicht klar.

Der Wasser- und Stromanschluss ist nun fertig, die Übergabe wird am 17.10.2023 erfolgen.

– wo werden die Werkzeuge untergebracht, wer hat dann da Zugang und wer kümmert sich um die Werkzeuge?

Wir haben 2 Lagerboxen mit Schloss (2m*1m*0,5 m). Wir werden eine Kiste mit einem Code auf dem Gelände haben, in dem sich die Schlüssel befinden. Jeder, der Aktionen im Garten plant, wird den Code bekommen können. Mehr Lagerraum soll durch weitere Lagerboxen entstehen. Weitere Möglichkeiten wir nahegelegene Räume, Transporter am Straßenrand oder einen nahegelegenen Container müssen noch geklärt werden. Auf der Fläche selbst darf weder ein Container hingestellt noch Schuppen gebaut werden.

– wer ist die Zielgruppe der Mitmachaktionen?

Gerade erreichen wir hauptsächlich Menschen aus einer ähnlichen Zielgruppe, einer internationalen Gruppe von jungen Erwachsenen, die an Permakultur und Klimaschutz interessiert sind. Wir wünschen, die Zielgruppe zu erweitern, wir sind in Kontakt mit Lehren:innen von Nachbarschulen, KiTas und Organisationen, die in der Nachbarschaft aktiv sind.

Wir hoffen, dass wir durch eine feste Präsenz und Beschilderung vor Ort, sowie mit Flyern und Aushängen in der Nachbarschaft auch Menschen erreichen, die unsere digitalen Kanäle nicht kennen oder nutzen.

– woher kommen die Pflanzen?

Von den oben genannten befreundeten Gartenprojekten werden wir Pflanzen, Stecklinge und anderes Material bekommen. Zu den Pflanzaktionen bringen Teilnehmende außerdem Pflanzenspenden von anderen Projekten oder dem eigenen Garten mit.

Für größere Gehölze und Pflanzaktionen werden wir Pflanzen von örtlichen Baumschule (Spät´sche Baumschule, Baumschule Fischer, …) kaufen, sowie um Spenden bitten.

Diesen Grundstock möchten wir in Zukunft durch eigene Vermehrung weiter ausbauen.