(Gu aus Antrag und Antworten)
Der Apfelgarten hat sich für das Projekt dsa Motto „Vom städtischen Grün zum gemeinschaftlichen Bunt“ gegeben. Sie sind ja umgezogen und nun auf einer Wiese an einer vielbefahrenen Kreuzung (in Dresden). Einen Teil der 1700m² großen Fläche wollen sie mit Geflüchteten zusammen begärtnern.
Wer hat den Umzug und auch den Aufbau am neuen Standort finanziert und was konnten sie mitnehmen bzw. mussten sie auch was zurücklassen?
Der Umzug wurde (und wird noch bis Mai) größtenteils von uns als Mitgliedern finanziert und umgesetzt, in dem wir in Etappen Gartengeräte, Sträucher/Bäume, Kräuterspirale sowie den Kompost auf das neue Grundstück bringen (mit Auto, Fahrradanhänger und Schubkarre). Die Stadt stellt uns einmalig ein Fahrzeug zur Verfügung, um die Wasserkanister umzuziehen. Ein Teil des Weidenzauns blieb zurück und einige Weiden kamen mit. Diese werden jetzt als lebende Weidenmöbel wiederbelebt.
– Wie lange können Sie an diesem Standort bleiben? Gibt es eine Vereinbarung/einen Vertrag dazu?
Der Richtwert vom Amt für Stadtgrün ist, dass wir an diesem Standort wahrscheinlich 5 Jahre sicher bleiben können. Danach ist es offen. Die Vereinbarung / der Vertrag ist wieder ein unbefristeter Pachtvertrag nach BGB, aber es gibt keine schriftliche Garantie zur Dauer der Nutzung. Noch ist es Innerstädtischer Außenbereich und damit nicht so leicht zu überbauen. Dass ein Flüchtlingsheim auf diesem 2. Grundstück geplant wird, ist unwahrscheinlich, da das Stadtplanungsamt, welches das Heim auf das erste Grundstück bzw. Teile davon plante (weil es nichts von unserem Projekt wusste), diesmal an der Planung und Umsiedelung beteiligt ist.
– Wie viele der MitgärtnerInnen sind mit umgezogen, wie viele nicht? Wie groß ist die Gruppe derzeit?
Die Gruppe hat derzeit 15 zahlende Mitglieder. Zwei Personen sind im letzten Jahr ausgeschieden, ein neues Mitglied kam hinzu. Im letzten Jahr war es mit der damaligen unklaren Situation schwierig neue Mitglieder zu gewinne. Wir erhoffen uns mit Beginn der Gartensaison und der neuen Fläche weitere Mitglieder zu gewinnen. Hierfür werben wir mit Aushängen, Flyern, Schildern vor Ort, in der Zeitung durch Artikel (z.B. „Dresdner Neueste Nachrichten“, „Kind und Kegel“, Universitätsmagazine der TUD und HTW) und im Internet sowie Veranstaltungen und festen Gartenzeiten. Auf der neuen Fläche wurden wir bereits von Interessenten zum Mitmachen aus der Nachbarschaft angesprochen.
– Wie viele Beete in welcher Größe gibt es schon insgesamt auf der Fläche und wie viele sollen es noch werden?
Für Gemüse sind ebene Beete sowie zwei Hochbeete von ca. 0,8 x 2,4 m und 2 kleinere Hochbeete 0,3 x 0,6 m bereits auf dem Grundstück angelegt/aufgestellt sowie zwei kleinere und ein rundes (ca. 2 m Durchmesser) Blumenbeet im Eingangsbereich. Geplant sind wenigstens noch 4 oder 6 Hochbeete, sowie mehrere Beete in der Wiese, möglicherweise auch als größere zusammenhängende Beetfläche. Zusammen sollten es wenigstens 30 m² Beetfläche werden, obwohl in den ersten 3 Jahren 50 – 80 m² ohne Beerenobst angestrebt werden, müssen wir hier aber auch auf den Pflege-Aufwand achten. Wenigstens 2 Hügelbeete sind geplant, die aber wahrscheinlich von je einem Hochbeetrahmen begrenzt werden, um nicht zu sehr in die Breite zu laufen. Sträucher wie Himbeeren (ca. 30 Stk. in 4 Reihen), Johannisbeeren und Stachelbeeren (zusammen ca. 20 Sträucher) als Begrenzung zur Nachbarfläche mit gezielten Durchgängen sind uns gespendet worden (ein Teil davon schon im alten Garten) und eingepflanzt. Für solche Kleinsträucher werden keine Beete extra angelegt. (Fotos anbei)
– Sind das alles Hochbeete? Warum wollen sie in Hochbeeten gärtnern?
Auch dieses Grundstück ist wie das vorhergehende ein ehemaliges Schutt/Trümmergrundstück. Somit ist eine ausreichende Tiefe für Wurzelgemüse (Möhren, Pastinaken, Kartoffeln) und andere Tiefwurzler (Kohl) nicht gegeben, da nach ca 15 cm Mutterboden die Steine und ähnliches beginnen. Auch will die Stadt keinen „wilden“ Kompost sehen. Die Hochbeete sind Falthochbeete mit Einzelsegmenten (siehe Fotos anbei), so dass sich aus den 4 Hochbeeten auch 6 oder 8 nicht ganz so hohe Beete bauen lassen.
Es werden für andere Pflanzen wie Erdbeeren, Tomaten, Erbsen und Zierpflanzen normale Beete angelegt. Auch sind Hügelbeete für z.B Kürbisse geplant.
Eine Zusammenarbeit mit der Tafel Dresden e.V. wird die Komposter der Tafel nutzen (die Tafel kompostiert seit diesem Jahr selbst, statt das verdorbene Obst und Gemüse kostenpflichtig zu entsorgen, darf die Komposterde aber noch nicht verkaufen oder verschenken), um Erde für die Hochbeete in den kommenden Jahren zu erhalten und so langfristig die Erde vor Ort aufzuwerten (da alte Erde aus den Hochbeeten im Garten verteilt wird).
Der Kontakt hierbei läuft über Volker Croy (Apfelgarten Strehlen) und Andreas Schönherr (Geschäftsführer der Tafel Dresden e.V.). Wenn dieses System sich bewährt, lassen sich vielleicht andere Gärten einbeziehen (die Tafel entsorgt ca. 800 Liter Biomüll pro Woche) oder auch in anderen Städten anwenden (das muss aber erst getestet werden, z.B. Kompostqualität, Belastungen).
– Gibt es bei Ihnen individuelle Beete oder läuft alles gemeinschaftlich?
Die Beete werden gemeinschaftlich bearbeitet und gepflegt. Für das gemeinsame Gärtnern mit Geflüchteten würden wir das Prinzip beibehalten, aber auch die Möglichkeit bieten, eigene Beete anzulegen. Dies wird sich aus dem Projekt heraus entwickeln.
– Wie weit sind die Flüchtlingsunterkünfte vom Garten entfernt?
Eine städtische Notunterkunft (ehemals Hotel DaysInn) in der Strehlener Straße (aktuell mit 350 Personen belegt, Kapazität ca. 500) sowie eine Erstaufnahmenrichtung Ecke Gutzkowstraße/Franklinstraße (aktuell mit 20 Personen belegt, Kapazität ca. 600) sind in fußläufiger Entfernung (800m – 1 km). Ab 2017 eröffnet ein Übergangsheim auf der alten Gartenfläche (Teplitzer Straße) für 60 Personen. Dies ist ca. 500 m entfernt.
– Haben Sie das Gartenprojekt den Geflüchteten schon vorgestellt oder zu wem besteht was für ein Kontakt und wer hat Interesse in welcher Form signalisiert?
Das Projekt wurde bei den sozialen Betreuern beider bestehender Einrichtungen (DRK + Johanniter) bei persönlichen Treffen vorgestellt und positiv aufgenommen. Diese stellen das Projekt den Bewohnern vor und den direkten Kontakt zwischen Interessentn und uns her. Darüber hinaus gibt es Kontakte zu den Willkommensbündnissen „Dresden Plauen Miteinander“ und „Strehlen für Alle“, sowie den Regionalkoordinatoren für Integrationsarbeit (Ausländerrat e.V.) im Stadtteil, über die die Sozialarbeiter und dezentral untergebrachte Geflüchteten erreicht werden können.An die Erstaufnahmeeinrichtung (Gutzkowstraße) haben wir haben bereits einige Pflanzen (Kräuter, Himbeeren, Johannisbeeren) und etwas Erde für eine kleinere Bepflanzung vor Ort auf dem Gelände abgegeben.
Beim Auftaktfest am 01.05. werden die Geflüchteten aus den oben genannten Einrichtungen sowie dezentral Untergebrachte eingeladen, den Garten und das Projekt zum gemeinsamen Gärtnern kennenzulernen. Auf diese Weise hoffen wir Interessenten unter den Geflüchteten zu finden.
Die städtische Notunterkunft (Strehlener Straße) kam bereits erneut auf uns zu und hat uns zu einem Willkommensfest auf dem eigenen Gelände am 12.06. einzuladen, um dort mit einem Stand oder Aktionen vertreten zu sein.
– Wie soll das Gärtnern mit Flüchtlingen organisiert werden?
Zu Beginn soll eine Gruppe aus Apfelgärtnern und weiteren Ehrenamtlichen aus den Willkommensbündnissen intensiv die Geflüchteten unterstützen und an festen Terminen zum Gärtnern treffen. Hierzu gehört auch: Abholen von der Unterkunft bzw. an einem Treffpunkt und Begleitung zum Garten; gemeinsame Auswahl der Pflanzen sowie Anlegen der Beete, Begleitung zu Saatgutbörsen etc. Wir hoffen mit der Einbindung von dezentral und in städtischen Gemeinschaftsunterkünften untergebrachten Personen, langfristige Strukturen zu schaffen und „verantwortliche Köpfe“ unter den Geflüchteten zu benennen, so dass auch die Planung und Organisation langfristig gemeinsam erfolgen kann. Der Zugang zum Gartenhaus soll zu Beginn durch die Vereinsmitglieder und abhängig von der Entwicklung des Projekts zu einem späteren Zeitpunkt auch Verantwortlichen des Projekts ermöglicht werden. Da der Garten öffentlich zugänglich ist, können die teilnehmenden Geflüchteten auch unabhängig der Anwesenheit von Vereinsmitgliedern, den Garten nutzen. Gemeinsame Gartenfeste sind ebenfalls geplant, um auch die Nachbarn einzubeziehen.
-> wir fördern das Projekt (Hochbeete, Werkzeige, Erde, Kauf einer Hüttenleihgabe, ÖA)
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