(Gu aus Antrag)
Auf einem Hof in einem Dorf in der Uckermark wollen Leute aus Berlin (100km entfernt) und der Umgebung (auch Flüchtlinge) zusammen gärtnern, ernten, kochen. 1x/Monat gibt es ein Treffen vor Ort („gärtnerische Wochenenden mit Gartenfestcharakter“). Basis des Projekts ist Permakultur (Earth Care, People Care, Fair Share).
Zwischen den Treffen kümmert sich das Team vom Permakulturhof um den Erhalt (und auch die Ernte) der Gemüse-Kulturen.
Antworten auf Fragen:
Wie groß ist die Gruppe jetzt, wie viele Leute davon kommen aus Berlin und wie viele aus Ihrer Nachbarschaft?
Aus Berlin sind es momentan fest 9 mir bekannte Menschen. Vielleicht werden es noch mehr. Plus den jungen Syrischen Kurden mit einem Bekannten, den ich selber noch nicht getroffen habe.
Aus der Nachbarschaft sind es ca. 10 Personen, die bereits fest zugesagt haben. Die Geflüchteten sind da noch nicht mit dazu gezählt. Interesse habe ich über Ecken von ca. 5 Leuten gehört, ohne daß wir das Projekt vorgestellt haben. Wir gehen davon aus, in der Flüchtlingsunterkunft in Prenzlau und bei den Deutschkursen in Prenzlau noch Interessierte zu finden, gerne auch Frauen und Kinder.
Erst mal muß aber das Ganze stehen. Auch die Finanzierung.
Wie kam es zu dieser Gruppe, wie haben die Leute von dem Vorhaben erfahren?
In Gerswalde, wo sich auch unser Permakultur-Hof befindet, gibt es eine alte Schloßgärtnerei mit Gartenbau-Tradition, die zur Zeit brach liegt.
2015 hat eine Film-Regisseurin aus Gerswalde dort einen Film gedreht („Der große Garten“) und über ihren Newsletter monatlich Berliner Künstler eingeladen, zum Garten-Arbeits-Einsatz zu kommen. Es wurden immer auch Köche eingeladen, die dann aus dem Garten ganz großartig gekocht haben. Es waren monatliche Treffen mit ganz besonderer Atmosphäre. Ich habe den gärtnerischen Teil dabei geplant und angeleitet. Zwischen den Arbeits-Einsätzen habe ich die Kulturen-Pflege übernommen. Das hat sehr gut geklappt. Als im Dezember das letzte dieser Treffen statt fand, reflektierte ich mit der Gartengruppe aus Berlin das Jahr. Es stellte sich heraus, daß sie gerne weiter mit mir mindestens monatlich gärtnern wollen.
Warum wollen die Leute aus der Gruppe bei diesem Projekt mitmachen – in Berlin gibt es ja sehr viele Gemeinschaftsgärten, etliche davon arbeiten mit Geflüchteten.
Die 9 Personen, die regelmäßig zum Gärtnern mit mir nach Gerswalde gekommen waren, sagten, daß sie gerne weiter mit mir gärtnern wollen, weil sie viel von meiner Erfahrung lernen, und weil ihnen die Atmosphäre des Miteinanders und die Entscheidungsstruktur dabei so gut gefällt, und weil wir viel Spaß miteinander haben. So überlegte ich, wie wir das am besten anstellen können. Daraus entstand die Gruppe der Berliner, die in 2016 nun nicht mehr nur in der Schloßgärtnerei, sondern auch auf unserem Hof u.a. mit mir weiter gärtnern wollen. Wir haben das Projekt praktisch gemeinsam entwickelt.
Die Idee, neue MitbürgerInnen dazu einzuladen, fanden alle sehr gut. Da von anderen Bekannten bereits diese Idee an mich herangetragen wurde, und ich überlegt hatte, in Prenzlau Deutschkurse anzubieten, bot es sich an, die gärtnerischen Treffen mit einem interkulturellen Austausch zu kombinieren.
Wie machen Sie das geplante Projekt in Berlin und in Ihrer Nachbarschaft bekannt?
Wir sprechen gezielt Menschen an. Z.B.unsere direkten Nachbarn in der Straße und in den Flüchltlingsunterkünften in Gerswalde und Prenzlau. Viel mehr sollen es auch gar nicht werden, damit der persönliche Bezug so intensiv wie möglich ist. Wir werden im Laufe des Jahres dann sehen wer alles vom Start-Team dabei bleibt und wer noch dazu kommt.
Wie oft, denken Sie, werden die Leute zwischen den monatlichen Treffen auf den Hof kommen?
Das wird sehr unterschiedlich sein. Je nach Mensch und Lust und Laune und Wetter. Im Sommer sicherlich öfter. Manche werden dazwischen vielleicht gar nicht kommen. Andere vielleicht 3 bis 4 Mal.
Wie weit weg von Berlin ist der Hof und kommt man auch mit ÖPNV gut zu Ihnen?
Von Berlin bis Gerswalde sind es knappe 100km. Ja, die ÖPNV-Anbindung ist gut. Es ist der RE 3 und ein öffentlicher Bus vom Bahnhof bis nach Gerswalde.
Die Gartenfeste wurden 2015 von den Berlinern meist mit längeren Aufenthalten verbunden. Im Sommer werden sie auf dem Hof zelten können. Es gibt eine Campingplatz-Infrastruktur mit Kompost-Toiletten und Weiden-Dusche und der Sommerküche. Sie verbringen dann gleich ein paar Tage und mehr Zeit im Garten und verbinden das Ganze mit einer Auszeit vom Stadtleben auf dem Lande mit nützlichem Aspekt. Das war im letzten Jahr sehr schön.
Wie weit sind die Flüchtlingsunterkünfte weg und wie können die Flüchtlinge zu Ihnen kommen?
Eine Flüchtlingsunterkunft ist im Dorf, 1km entfernt, direkt neben der Schloßgärtnerei, vom Hof aus gut fußläufig zu erreichen. Zwei andere Unterkünfte in Prenzlau (20km entfernt), sind mit dem öffentlichen Bus mehrfach täglich erreichbar. Eine Betreuerin der jungen Männer unter 18 in Prenzlau war von der Idee begeistert und hat schon angekündigt, für die monatlichen Gartenfeste einen Shuttle einzurichten und die jungen Männer zu uns zu fahren und wieder abzuholen. Und so etwas könnten wir auch z.B. mit der Berliner Gruppe für weitere Geflüchtete aus Prenzlau organisieren.
Wie groß ist die Fläche, die Sie für DIESES Projekt vorsehen?
Ist diese Fläche irgendwie abgegrenzt von anderen Flächen auf dem Hof?Momentan ist die Fläche nicht abgegrenzt von andern Flächen des Hofes.
In der Schloßgärtenrei sind es 875 qm, auf dem Hof sind es 1645 qm. Der Reiz besteht darin, daß alle selber entscheiden können, in welchem Bereich sie tätig sein wollen. Es ist ein eher landwirtschaftliches Gartenprojekt mit Pferden, Hühnern, 2 Schweinen, die umgraben, Waldgarten, Magerwiese, vielen Bäumen und Hecken und der alten Schloßgärtnerei. Diese liegt 1 km von unserem Hof entfernt und hat einen eher öffentlichen Charakter. Hier erhoffen wir uns auch noch mehr Interesse aus dem Dorf und der Umgebung am gemeinschaftlichen Gärtnern und an der lokalen Produktion von guten Nahrungsmitteln.
Gerade im Sommer wird das Gemüse ja schneller reif als monatlich – wie kommt die Gruppe in den Genuss des reifen Gemüses? Wer erntet zwischendurch und wie wird das Gemüse verteilt oder was passiert damit? Zwischen den Gartenfesten kümmert sich das Team des Permakultur-Hofes um die Kulturen. Wir werden auch davon essen und sie verarbeiten und Teile davon haltbar machen.
Während der Garten-Treffen wollen wir auch gemeinsam Teile der Ernte haltbar machen und in der Sommerküche veredeln.
Wo werden die geplanten Gartengeräte untergebracht und wie können die Leute dann rankommen? Es gibt einen offenen Schuppen in der Scheune, in dem die Geräte untergebracht werden.
Sind diese Geräte dann sozusagen „nur“ für die Leute aus dem Projekt vorgesehen? Im Grunde ja. Auf dem Hof gibt es bereits Werkzeuge. Allerdings nicht genug für so viele Menschen auf einmal, wie dann zu den Treffen erwartet werden.
Können die Leute auch gärtnern, wenn niemand vom Hof da ist bzw. Zeit hat? Nach Absprache ja. Sehr gerne. Wir sind aber eigentlich sowieso immer da.
(mehr …)