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  • Bayreuth: Spielen und Gärtnern

    (Antrag, Antworten)

    Mit diesem Vorhaben möchten wir vor unserem Vereinslokal, dem „Haus des Spiels“ in Bayreuth-St. Georgen, auf rund 110 m² versiegelter Parkfläche einen offenen, einladenden und gemeinschaftlich gestalteten „Garten des Spiels“ entstehen lassen. Die Idee dafür stammt aus unserem Verein (ca. 20 Personen) und aus der unmittelbaren Nachbarschaft (weitere ca. 20-30 Personen): Der Wunsch, das bislang graue Vorfeld des Hauses in einen freundlichen, grünen Begegnungs- und Spielort zu verwandeln, wurde wiederholt an uns herangetragen – von Anwohnenden, Kooperationspartnern, Familien und nicht zuletzt von unseren eigenen Mitgliedern. Nun möchten wir ihn gemeinsam umsetzen.

    Das Quartier St. Georgen, insbesondere das angrenzende Wohnviertel Burg, ist ein von Diversität, aber auch von strukturellen Herausforderungen geprägter Stadtteil. Die soziale Struktur ist von prekären Lebenslagen, begrenzten privaten Rückzugsräumen und einem Mangel an niedrigschwelligen, nicht kommerziellen Treffpunkten geprägt. Gleichzeitig erleben wir dort seit vielen Jahren in unserer mobilen spielkulturellen Arbeit großes Potenzial: Kinder, Jugendliche, Familien und ältere Menschen sind offen für Begegnung, sobald passende Räume dafür geschaffen werden. Das „Haus des Spiels“ hat sich in den letzten Monaten zu einem wichtigen Anlaufpunkt entwickelt – was fehlt, ist ein gestalteter Außenbereich, der den Austausch auch unter freiem Himmel ermöglicht und niederschwellige Nachbarschaftspflege fördert.

    Mit dem „Garten des Spiels“ soll genau das entstehen: ein grüner Vorplatz, der Aufenthaltsqualität mit spielerischem Charakter verbindet. Hochbeete werden gemeinsam mit Nachbar:innen und Vereinsmitgliedern gebaut und bepflanzt – manche als reine Pflanzflächen, andere als Kombination mit Sitzgelegenheiten. An ausgewählten Beeten werden kleine Spielmodule angebracht: Elemente, die zum Tüfteln, Fühlen oder Rätseln einladen. Im Zentrum soll ein groß dimensionierter Pflanzkübel mit einem Baum stehen – als symbolischer und realer Mittelpunkt des Platzes. Mittelfristig ist geplant, den Baum direkt mit dem Erdreich zu verbinden, indem wir die Fläche teilweise entsiegeln.

    Das Projekt startet in zwei Wochen und soll gemeinsam mit Anwohner:innen und Engagierten bis Mitte August umgesetzt werden. Damit schaffen wir rechtzeitig zum Spätsommer einen Ort, der Begegnung, Gemeinschaft und Gestaltungskraft erfahrbar macht – auch über die Projektdauer hinaus.

    Wirkungslogik:

    Unsere Inputs bestehen aus dem Wissen und den Werkzeugen unserer spielkulturellen Arbeit, der Bereitschaft unserer Vereinsgemeinschaft, aktiver Mitwirkung aus der Nachbarschaft sowie der vorhandenen Infrastruktur vor Ort. Durch gemeinsames Bauen, Gärtnern, Spielen und Gestalten entsteht nicht nur ein neuer Raum – sondern auch ein neuer Bezug der Menschen zu diesem Raum und zueinander.

    Kurzfristig führt dies zu einer sichtbaren und nutzbaren Veränderung der Fläche: Der Platz wird grüner, belebter und lädt ein, sich dort aufzuhalten. Gleichzeitig schafft das gemeinsame Machen eine neue Form der Beteiligungskultur im Quartier. Nachbar:innen, die sich vorher kaum kannten, lernen sich kennen. Gespräche entstehen. Der Ort beginnt zu „gehören“.

    Mittelfristig stärkt der „Garten des Spiels“ die Nachbarschaftsbindung, regt zu Verantwortung und Pflege des Raumes an und ergänzt das „Haus des Spiels“ um eine offene, niedrigschwellige Erweiterung seiner Wirkung. Er wird zum Kristallisationspunkt für informelle Treffen, spontane Spielaktionen und nachbarschaftlichen Austausch. So trägt der „Garten des Spiels“ zur Verbesserung der Lebensqualität im Quartier bei – und stärkt den sozialen Zusammenhalt durch Spiel, Begegnung und gemeinschaftliche Verantwortung.

    • Gibt es einen Vertrag für die Nutzung der Fläche als Gemeinschaftsgarten? Wenn ja, ist dieser befristet? Müssen Sie Pacht zahlen?

    Die geplante Fläche wird von uns momentan als Parkplatz genutzt und wird nun umgewidmet. Einen separaten Pachtvertrag haben wir nicht, das läuft im Kontext der Anmietung der anderen Räume. Die Parkplatzfläche ist insgesamt ca. 120 qm groß.

    Wie viele Menschen aus Verein und Nachbarschaft wollen denn tatsächlich gärtnern (im Sinne von Gemüse/Kräuter/Obstanbau)? Das ist ja unser Fokus, wie gestern telefonisch erläutert. Alle? Dann wären das sehr wenig Beete für viele Menschen?

    Wie bei allen Projekten wird es auch bei diesem irgendwann ein Kernteam geben, das verantwortlich zeichnet für die regelmäßige Pflege. Dieses Kernteam schätze ich auf 15 Personen ein, das erweiterte locker 30-40 Personen.

    Wie groß sollen die Hochbeete denn werden? Gibt es auf der Fläche schon Beete? Ist es dieses Projekt, was ausgeweitet werden soll? https://wundersam-anders.de/ein-hochbeet-fuer-die-burg-ein-meilenstein-zum-mitbauen/ Wie haben Sie diese Beete finanziert?

    Auf der geplanten Fläche gibt´s aktuell nur Steine. Den Beitrag, den Sie gesehen haben, ist bei uns im Quartier – ca. 800 Meter von uns entfernt. Diese Beete wurden im Rahmen unserer „Quartiersarbeit“ mit den Jugendlichen vor Ort gebaut und soll nun auch von denen weiter betreut werden. Ob das klappt, zeigt sich jetzt in den nächsten Wochen. Diese Beete wurden über das Förderprogramm „Kultur macht stark“ teilweise finanziert. Hier wurden vor allem Personalkosten übernommen. Die Liegenschaftsverwaltung WSB (Wohnungs- und Siedlungsbau GmbH) hat ca. 2.000 Euro Materialkosten übernommen. Dort wurden zwei Hochbeete mit insgesamt 6 Metern länge und einem Meter Breite errichtet. Je nachdem, wie die Pflege funktioniert und die Hochbeete keinem Vandalismus zum Opfer fallen, bestehen Überlegungen, hier noch weitere zu bauen.

    Sollen dann noch weitere Beete folgen?

    Für den Parkbereich sollen insgesamt Hochbeete – so der aktuelle Planungsstand – mit einer eine Länge von ca. 15 Metern gebaut werden. Neben Sitzmöglichkeiten und dem zentralen Baum in der Mitte, ist der Platz von seinen Möglichkeiten her ausgeschöpft. Hinter dem Haus gäbe es noch weitere Flächen, die begrünt werden könnten. Aber da wagen wir uns erst ran, wenn dieses Vorhaben umgesetzt wurde und es sich zeigt, dass es angenommen wird und sich bewährt.

    Wie haben die Nachbar*innen von der Idee erfahren?

    Wir haben einen öffentlichen Bücherschrank und seit einem halben Jahr laufendes Programm bei uns im Haus des Spiels. Die heißen Temperaturen ließen die fehlende Lebensqualität auf diesem Parkplatz sehr eindringlich zum Vorschein kommen. Nun ist der Impuls gerade sehr stark, das zu ändern.

    Gibt es schon ein Schild an der Fläche, das auf den Garten und die Mitmachmöglichkeiten hinweist oder wie erreichen Sie potentiell weitere Mitmacher*innen?

    Die Idee ist ja noch super frisch. Wir halten gerade nach Finanzierungsmöglichkeiten Ausschau. Am und um unser Haus des Spiels weisen wir gerade auf das Vorhaben hin. Am 24.07. gibt es eine Art Kick-Off-Veranstaltung, bei dem wir über den aktuellen Planungsstand informieren und weitere Ideen von den Interessierten einholen und im besten falle dann auch beschließen, damit in der Woche drauf mit den Baumaßnahmen begonnen werden kann. Über unseren Instakanal haben wir schon einen ersten Post rausgehaun. Am Wochenende geht wieder unser Newsletter raus, in dem werden wir ebenfalls auf dieses Vorhaben verweisen.

    Wie ist das Gärtnern organisiert? Gärtnern alle gemeinschaftlich oder gibt es Patenschaften? Gibt es regelmäßige Treffen? Wie sind/sollen Informationsflüsse und Entscheidungen organisiert? Was passiert mit der Ernte? Wie entsteht Gemeinschaft?

    Keine dieser Fragen kann ich zum Stand heute konkret beantworten. Bei den Hochbeeten im Quartier Burg sind genau das die Fragen, die wir mit den Kindern und Jugendlichen und den anderen Anwohnern besprechen. Dieser Prozess ist in vollem Gange und wird von uns so partizipativ wie möglich durchgeführt und begleitet. Ein ähnliches Prozedere werden wir dann auch mit dem Garten des Spiels durchführen wollen.

    Wo sind Gartengeräte untergebracht, an die die Gärtner*innen jederzeit ran kommen?

    An unserem Hauseingang befindet sich ein Schlüsseltresor, zu dem die Gärtnerinnen Zugang haben. Alle Werkzeuge zum Gärtnern befinden sich in unserer Werkstatt.

    Wo kommt das Wasser her und wie ist die Bewässerung geplant?

    Aktuell bewässern wir noch von Hand mit Gartenschlauch. Für den Herbst ist geplant, an die Hausfassade Solarpanels anzubringen und Regenfässer aufzustellen. Ein paar Jungs aus dem Hackerspace haben schon ziemlich coole Ideen, wie wir eine halbautomatisierte Tröpfchenbewässerungsanlage bauen und installieren können. Hier muss ich allerdings aussteigen, da ich mich mit sowas null auskenne. Solange dieses Szenario nicht da ist, greifen wir auf altbewährte analoge Systeme wie Gießkanne und Gartenschlauch zurück.

    Die Kosten für die Hochbeete sind recht hoch, könnten Sie diese bitte noch aufschlüsseln? Und was bedeutet Bausatz oder Holz?

    Für die beiden Hochbeete in der Burg (6*1*1 Meter) haben wir Vollholz-Eiche verwendet. Die Kosten nur für das Holz direkt vom Sägewerk ungehobelt betrugen 920 Euro. Das habe ich als grobe Orientierung herangezogen und dann auf ca. 15 Meter hochgerechnet. Eine Alternative wären so fertige Bausätze aus Duglasie oder Fichte, direkt zugeschnitten, da lägen wir bei der Hälfte ungefähr. Aber das finden wir nicht so prickelnd. Noch sind wir ja in der Phase des Träumens bzw. nähern uns so langsam der Realität…

    Sind mit Helfer*innen die Gärtner*innen gemeint?
    ja

    Wie beteiligen sich die Gärtner*innen an den Kosten?

    Bisher haben wir noch keinen Kostenaufruf gestartet. Wir finden es schon hervorragend, dass sich die Menschen mit ihrer Zeit beteiligen. Am Vermieter sind wir noch dran, aber das ist auch a längere Gschicht. Der Herr Wild ist CSU-Stadtrat. Der Stadtteil St. Georgen ist seit letztem Jahr im Fokus der Stadtverwaltung, weil sich dieser Stadtteil am schnellsten von allen anderen aufheizt, aufgrund der vielen versiegelten Fläche. Es wurde sogar ein Klimarat gegründet. Nur: die CSU bzw. Herr Wild ist an diesen Themen so gar nicht interessiert. Dennoch haben wir jetzt eine Konstellation, dass wir durch diese Baumaßnahme eine Art Vorbildfunktion einnehmen können und das könnte weitere Maßnahmen dieser Art begünstigen. Ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert.

    Haben Sie Kontakt mit dem Grünflächenamt und da nach Finanzierungsmöglichkeiten oder Materialien gefragt? (ggf. könnten ja die Bäume übernommen werden?)

    In der Tat haben wir das bereits und die Sache schaut aktuell ganz gut aus, dass wir einen Kastanie bekommen könnten. Alles noch Konjunktiv. Ich glaubs erst, wenn sie da steht. Hier ist der Knackpunkt: diesen Baum müssten wir direkt ins Erdreich einbringen. Und da macht der Vermieter – noch – nicht mit. Also, der Prozess läuft. Viele Kontakte wurden angestoßen. Wir sind auch noch an die Serviceclubs herangetreten: Lions, Rotarier und Roundtable.

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