(ANtrag, Antworten)
Kurzbeschreibung des Vorhabens:
Der Gemeinschaftsgarten „Am Küttener Weg“ besteht seit 2015 und ist seither ein Ort des
gemeinschaftlichen Gärtnerns, des Austauschs und der gelebten Nachhaltigkeit. Auf bislang
rund 700 m² haben Mitgärtner*innen über die Jahre Gemüse angebaut, Gemeinschaft
gepflegt und Bildungsarbeit geleistet. Im März 2025 konnten wir zwei angrenzende
Parzellen von einem bisherigen Pächter übernehmen, wodurch sich unsere Gartenfläche auf
insgesamt 1.400 m² verdoppelt hat. Diese Erweiterung eröffnet uns neue Möglichkeiten, da
unsere ursprüngliche Fläche in den letzten Jahren zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen
gestoßen war.
Unsere Ziele:
⦁ Vergrößerung der aktiven Gartengemeinschaft und Entwicklung demokratischer
Entscheidungsstrukturen für eine größere Gruppe,
⦁ Ausbau der infrastrukturellen Versorgung,
⦁ Durchführung gemeinsame Arbeitsaktionen und Bau-Workshops,
⦁ Abbau von Gefahrenquellen auf den neu gepachteten Flächen,
⦁ Vorbereitungen für das Jubiläumsfest „10 Jahre Gemeinschaftsgarten Am Küttener
Weg“ im September 2025.
Die Erweiterung stellt für uns einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung des
Gartens dar, die folgende Aufgabenschwerpunkte/Maßnahmen erfordern (einschließlich
Zeitplanung):
⦁ Bau einer Trenntoilette (die bisherige, gemeinsam genutzte Trenntoilette war
Eigentum des alten Pächters und wurde von ihm mitgenommen), bis September
2025,
⦁ Aufbereitung und Instandsetzung einer 2019 erbauten Holzhütte, die dringend
einen neuen Außenschutz (Holzlasur) benötigt, bis Juli 2025,
⦁ Aufbau einer Wasserversorgung in den neuen Parzellen, systematische Verbindung
der übernommenen Regenwasserspeicher, bis Juni 2025,
⦁ Beseitigung verkrauteter Flächen und Nutzbarmachung sowie Verschnitt der Obst-
und Nussgehölze, bis August 2025,
⦁ Infrastruktureller Ausbau: Mini-Kühlschrank sowie eine einfache Kochplatte, damit
Gärtner*innen sich vor Ort versorgen und Lebensmittel angemessen lagern können,
bis Juni 2025, spätestens September 2025,
⦁ Lagermöglichkeiten für Wechselkleidung der Gärtner*innen, bis Juni 2025,
⦁ Aufbau einer Wildgehölzhecke als Rückzugsort für Tiere und als Wind- und
Sichtschutz, bis Juni 2025,
⦁ Schaffung neuer Beetflächen, u.a. für Tomaten, Rhabarber sowie Bohnen und
andere Gemüsekulturen, bis Mai 2025,
⦁ Abriss einer zweiten, vom Einsturz bedrohten Holzhütte auf der neu gepachteten
Fläche, bis Dezember 2025
1. Wie groß ist die Gartengruppe und wie viele Menschen sind in der Kerngruppe aktiv?
Derzeit besteht unsere Gartengruppe aus sechs Personen in der Kerngruppe sowie vier weiteren Mitgärtner*innen, die flexibel mitarbeiten. Durch die Erweiterung unserer Fläche möchten wir gezielt neue Menschen ansprechen. Erste Schritte dazu laufen bereits – über persönliche Netzwerke, aber auch digital. Wir überlegen, künftig feste Öffnungszeiten einzuführen, damit der Garten noch besser zugänglich wird.
2. Wie stabil ist die Gruppe? Gibt es viel Fluktuation?
Die Gruppe ist insgesamt stabil, auch wenn es über die Jahre immer wieder Wechsel gab. Der Garten wurde 2015 gegründet, aber erst ab 2017 wuchs eine konstante Gruppe, die das Projekt kontinuierlich weiterentwickelte. Viele waren damals in Ausbildung oder im Studium und haben nach rund drei Jahren aus beruflichen oder familiären Gründen Halle verlassen. Durch gezielte Ansprache, unsere Homepage und Postkartenaktionen haben wir jedoch stets neue Interessierte gewinnen können. Die meisten Mitgärtner*innen bleiben mehrere Jahre – das spricht für eine nachhaltige Bindung an den Ort.
3. Wie setzt sich die Gruppe zusammen? Sind auch Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte dabei?
Unsere Gruppe ist vielfältig und umfasst Menschen unterschiedlichen Alters und beruflicher Hintergründe. Die Gruppe war lange von jungen Menschen in Ausbildung oder im Studium geprägt, die mit wenig Geld lebten und im Garten einen Ort der Teilhabe fanden. Heute besteht die Gruppe vor allem aus Menschen mit festen Jobs, teilweise in Teilzeit oder im Schichtdienst – einer der Mitgärtner steht kurz vor dem Ruhestand. Aktuell ist niemand mit Migrations- oder Fluchtgeschichte aktiv, aber in der Vergangenheit hatten wir Mitgärtner*innen mit indischer und aserbaidschanischer Herkunft, teils aus der 1., teils aus der 2. Generation. Unser Garten ist offen für alle, unabhängig von Herkunft oder Hintergrund.
4. Wie können neu Interessierte mitmachen, wer kümmert sich wie?
Da wir mitten in einer Kleingartenanlage liegen, kommen kaum Menschen zufällig vorbei. Die meisten finden über unsere Homepage, soziale Medien oder durch persönliche Empfehlungen zu uns. Interessierte bekommen eine Gartenführung und ein Gespräch, bei dem wir unsere Grundideen vorstellen und über die Möglichkeiten der Beteiligung sprechen. Danach entscheiden sie selbst, wie sie sich einbringen möchten. Eine WhatsApp-Gruppe hält alle auf dem Laufenden, wer gerade im Garten ist oder was ansteht. Künftig planen wir regelmäßige gemeinsame Arbeitseinsätze, um Verbindlichkeit und Gemeinschaft weiter zu stärken.
5. Wie lange sind Sie selber schon im Garten dabei und was ist Ihre Rolle?
Ich bin seit 2017 Teil des Gartens. Zu dem Zeitpunkt war ich die einzige aktive Person. Nach und nach konnte ich wieder eine kleine Gruppe um mich sammeln. Inzwischen bin ich so etwas wie das „Bindeglied“ zwischen Interessierten, dem Vorstand und dem Gartenalltag. Ich übernehme die Begrüßung und Einführung neuer Gärtner*innen und organisiere ich viele Abläufe mit.
Darüber hinaus engagiere ich mich für die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung des Dachvereins Gartenwerkstadt Halle e.V..
6. Wie hoch ist die Pacht und wie wird diese finanziert?
Pro Parzelle zahlen wir etwa 220 € Pacht, also 880 € jährlich für unsere vier Parzellen. Die Finanzierung erfolgt ausschließlich über die Mitgliedsbeiträge der aktiven Gärtner*innen, die ihre Beiträge nach eigenen finanziellen Möglichkeiten selbst festlegen. Eine externe oder vereinsübergreifende Quersubventionierung gibt es nicht – jede Gartengruppe trägt ihre Fläche eigenständig.
7. Wie offen ist der Garten? Kommen die Gärtner*innen jederzeit in die Kleingartenanlage?
Von April bis Oktober ist die Kleingartenanlage tagsüber geöffnet, sodass der Garten frei zugänglich ist. In den Wintermonaten ist die Anlage abgeschlossen, jedoch verfügen wir über Schlüssel, um den Zugang zu gewährleisten. Unser Garten selbst ist nicht abgeschlossen und kann jederzeit betreten werden.
8. Wie machen Sie auf den Garten aufmerksam? Gibt es z.B. ein Schild am Eingang der Anlage und an den zusammengelegten Parzellen, die auf den Gemeinschaftsgarten und Mitmachmöglichkeiten hinweisen?
Bislang gibt es keine Beschilderung am Eingang, das wurde intern mehrfach diskutiert. Einerseits möchten wir sichtbarer sein, andererseits gab es in der Vergangenheit wiederholt Diebstähle, was die Gruppe vorsichtig gemacht hat. Ich habe mich bei anderen Projekten umgeschaut und plane, gemeinsam mit der Gruppe eine passende Lösung zu entwickeln – informativ, aber dezent. Wir sind auch im Austausch mit dem Vorstand der Kleingartenanlage, da es in Teilen der Anlage noch Vorbehalte gegenüber unserer offenen Nutzung gibt.
9. Wie viele Beete gibt es schon und wie viele sollen es werden?
Aktuell gibt es 14 kleinere Beetflächen (meist rund zwei bis drei Meter Durchmesser) und ein größeres Gemüsebeet von etwa 15 m². Zusätzlich gibt es Staudenbereiche, Wildkräuterflächen, Beerensträucher und Baumscheibenbepflanzungen. Im Zuge der Erweiterung möchten wir die Anzahl der Gemüsebeete mindestens verdoppeln, also auf rund 30 Beete erweitern.
10. Wie ist der Garten organisiert? Wird alles gemeinschaftlich begärtnert oder gibt es Patenschaften oder individuelle Parzellen?
Wir verbinden gemeinschaftliches Gärtnern mit individueller Nutzung. Es gibt zentrale Flächen, die gemeinsam gepflegt, geerntet und genutzt werden (z. B. Kräuter, Beeren, Kompost, Geräte). Darüber hinaus hat jede*r eigene kleine Beete für individuelle Ideen oder Lieblingspflanzen. Wer gerade im Urlaub ist oder Unterstützung braucht, schreibt in die Whats-App-Gruppe – dann helfen wir uns gegenseitig. Bestimmte Ernten wie Tomaten, Bohnen, Zucchini, Obst oder Kräuter werden immer gemeinschaftlich geteilt.
11. Woher kommt das Wasser/wie viel können Sie mit der Ernte von Regenwasser abdecken?
Derzeit nutzen wir drei 210-Liter-Regenfässer, gespeist über das Dach der Gartenhütte. Durch Mulchen und angepasste Bewässerung kommen wir bisher gut zurecht. Bei längerer Trockenheit greifen wir auf einen Wasseranschluss der Anlage zurück. Auf den neuen Parzellen gibt es weitere Dächer für Regenwassernutzung und einen weiteren Außenwasseranschluss. Einige Fässer, die wir übernommen haben, sind defekt – diese möchten wir ersetzen. Ziel ist es, eine möglichst vollständige Eigenversorgung über Regenwasser zu erreichen.
12. Wie beteiligen sich die Gärtner*innen finanziell am Garten?
Alle Kosten werden gemeinschaftlich getragen. Jede*r beteiligt sich nach eigenen Möglichkeiten. Wo es geht, kaufen wir gebraucht oder nutzen Netzwerke. Saatgut ziehen wir oft selbst, Beeren vermehren wir durch Stecklinge. Bei größeren Anschaffungen legen wir zusammen. Die Möglichkeit einer Förderung ist für uns neu und würde es uns erleichtern, dringend notwendige Maßnahmen umzusetzen.