(Gu aus Antrag und Mails, 22.12.)
Antrag ist bei den Anträgen abgelegt
>> Wie viele Leute machen denn jetzt schon mit und wie erfahren diese von dem Gemeinschaftsgarten?
> 30 bis 40 machen mit. Wir sind gut vernetzt mit anderen Initativen hier in Heidelberg (z.B. Essbares Heidelberg, Transition Town) und stellen das Projekt etwa bei Einführungsveranstaltungen an der Uni oder auf Nachhaltigkeitsmärkten etc. vor. Für neue Leute haben wir Pat*innen.
>> Ist das Projekt rein ehrenamtlich getragen?
> Ja. Jede*r kann sich einbringen und mitmachen je nach Zeit und Kraft, ohne formale Mitgliedschaft. Wir erheben keine Mitgliedsbeiträge.
>> Was passiert mit dem Gemüse? Wie wird das verwendet und wer bekommt sozusagen was?
> Unser Gemeinschaftstag ist Sonntag. Beim Frühstück besprechen wir, was wir an diesem Tag tun möchten, also auch, was geerntet wird. Nach Möglichkeit machen wir die Ernte etwa durch Einkochen halbar. Ein Teil wird dann bereits für das gemeinsame Abendessen verwendet. Aus den Erntekisten können sich alle so viel mitnehmen, wie sie möchten. Was übrig bleibt, wird in einer befreundeten Lebensmittelkooperative für den Mittagstisch verwendet und ein kleiner Teil auch verkauft (Appl’ un Ei, http://www.appelunei.uni-hd.de) Über diese Einnahmen wird ein Teil der Kosten gedeckt. Vom Einmachgut, Saft etc. können sich alle so viel mitnehmen wie sie wollen, wobei ein Betrag für die Unkosten gespendet werden kann.
> Über die Verteilung der Ernte hat es in all den Jahren noch nie Unstimmigkeiten gegeben.
>> Entscheiden alle, die mitmachen über alles oder wie sind die Entscheidungs- und Kommunikationsstrukturen?
> Prinzipiell entscheiden alle, die mitmachen über alles. Dazu findet einmal im Monat ein Plenum und einmal im Jahr ein Treffen zur Anbauplanung statt. Leider bleibt es nicht aus, dass einzelne mehr entscheiden wollen und über die Bedürfnisse von anderen hinweggehen. Wir versuchen diesem Problem durch regelmäßig stattfindende Dialogrunden zu begegnen.
> Anbau und Bauten organisieren wir durch Patenschaften. Wir erarbeiten gemeinsam, was wir gerne anbauen bzw. bauen würden und schauen, wer/welche für was eine Patenschaft übernehmen möchte. Patenschaft bedeutet, dafür zu sorgen, dass dieses Gemüse angebaut wird (Saatgutbestellung, Anzuchten, PLanung beim Frühstück), ohne dass die Pat*innen das selbst machen müssen. Die meisten Patenschaften teilen sich mehrere Personen. Auf diese Weise ist es uns auch möglich, mit Anbaumethoden zu experimentieren, z.B.: Patenschaft für Kompostbeet, Patenschaft für Hügelbeet etc. Wer bereit ist, Verantwortung in Form der Patenschaft zu übernehmen, kann dieses Projekt auch verwirklichen.
>> Wie und von wem sollen die neuen Flächen bewirtschaftet werden? Kann jedeR auch pflanzen und bauen, was er/sie will?
> Die neuen Flächen stellen eine Erweiterung der bisherigen Anbauflächen dar und bieten uns neben der Herausforderung viele Möglichkeiten. So wollen wir verstärkt die Idee Permakultur einbeziehen und neue Projekte initiieren. Im kommenden Jahr ist auf ca. der Hälfte der neuen Flächen Gründüngung geplant. Jede*r kann sich dort einbringen, wie er oder sie es will. Was mittel- oder langfristig auf den neuen Flächen entstehen wird, ist noch offen. Es gibt Überlegungen, ein autonomes Flüchtlingsprojekt auf einer Teilfläche unterzubringen oder ein Projekt mit psychisch Kranken … wir haben viele Ideen. Das Patenschaftsprinzip gilt auch auf den neuen Flächen.
>> Es gibt ja bestimmt Leute, die gärtnerisches Wissen haben: entscheiden die dann mehr als die anderen? Wie wird das Wissen weitergegeben?
> Unter uns sind ein Landwirt, zwei Gärtnerinnen und einige Permakulturleute. Deren Wissen wird vor allem durch das gemeinsame Tun oder ad hoc Beratung weitergegeben. Die Gefahr der Hirarchiebildung liegt bei uns weniger im Wissensvorsprung als vielmehr an den Persönlichkeiten. Wir führen Buch und möchten demnächst ein Wiki erstellen. Wir nutzen den taschenGARTEN der Gartenwerkstatt Marburg. Auf den Grundstücken wird wieder Fachliteratur bereitgestellt sein (ist nach dem Brand leider noch nicht vollständig ersetzt – über Tipps zu guten Fachbüchern würden wir uns freuen)
>> Gibt es ein vergleichbares Projekt? Ist es eine Mischung aus so einer Art CSA (aber in Eigenregie) und Gemeinschaftsgarten?
> Uns ist kein vergleichbares Projekt bekannt. Ja, vielleicht sind wir ein Mischung aus Gemeinschaftsgarten und selbstorganisierter CSA. Aber wir distanzieren uns von dem Begriff CSA, weil wir hierarchische Strukturen ablehnen und für alle offen sein wollen. Unsere Gemeinschaftsgärtnerei wird geprägt von den Menschen, die mitmachen. Natürlich gibt es diejenigen, die mehr Zeit investieren können und dadurch einen besseren Überblick haben, als andere, die unregelmäßiger mitarbeiten. Und natürlich funktioniert nicht alles so reibungslos wie in einem durchstrukturierten Betrieb (bei uns wurde schon mal umgegraben, wo schon ausgesät wurde oder werden schon mal Planzen als Unkraut gejätet, die vielleicht keins sind und wenn die Pflanzenpaten absolut nicht dazukommen und keinen Ersatz finden, gibt es halt diese Gemüseart dieses Jahr nicht…). Aber wir lernen immer dazu! Wichtiger als viel Gemüse sind uns Partizipation und Selbstwirksamkeit.
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