(Antrag/Antworten)
Das Team um Manfred Pennwieser, Bodenforscher und Biobauer aus Schwand, hat mit dem „Bodenkoffer“
und der dazu gehörigen Auswertungsapp ein einfach anzuwendendes und didaktisch überzeugendes
Werkzeug zur ganzheitlichen Bodenanalyse geschaffen. (https://bodenkoffer.at)
Im Gegensatz zu einer konventionellen chemischen Bodenanalyse, die sich in der Regel die Parameter
Bodenart, pH-Wert, Humusgehalt, sowie den Gehalt an Phosphor, Kalium, Magnesium, Bor, Kupfer, Eisen
und Zink ermittelt, hilft der Bodenkoffer, den Boden in seiner Gesamtheit zu verstehen:
In 10 Stationen kann ein Boden nach physikalischen, chemischen und biologischen Faktoren (wie z.B. die
Analyse von Zeigerpflanzen und Bodenlebewesen) beurteilt werden, um seinen jeweiligen Zustand und die
damit einhergehenden Bedürfnisse festzustellen. Zu jeder Station gibt es ein Erklärvideo und alle
Werkzeuge, die für die Analyse benötigt werden.
Die Werte können mit Hilfe einer App am Handy digital erfasst werden. Als Auswertung erhält man per E-
Mail eine wissenschaftliche Einordnung der Befunde. Die Anwendung dieser Methode ermöglicht eine
vergleichende Langzeitanalyse des Bodens, die eine praktische Orientierung für dessen künftige Pflege
hinsichtlich einer verbesserten Bodenstruktur gibt.
Lernbedarf der urbanen Gärten
Urbane Gärten beschäftigen sich im Zusammenhang mit Gemüseanbau und gesunder Ernährung intensiv
mit den Methoden zum nachhaltigen Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Die Zusammenhänge von
Humusaufbau, Bodenstruktur, Bodengesundheit und Pflanzenernährung sind hochkomplex; wichtige
wissenschaftliche Aspekte sind in den praxisorientierten Projekten schwer vermittelbar. Oft wird recht
willkürlich gedüngt, weil der Boden vereinfacht als Nährstofflieferant für Pflanzen verstanden wird. Mit
dem didaktischen Konzept des Bodenkoffers wird das Zusammenspiel der verschiedenen
Bodeneigenschaften begreifbar gemacht und der Boden als lebendiger, sich wandelnder Organismus vor
Augen geführt. In der Summe entsteht ein Verständnis für die Praxis der ökologischen Landwirtschaft und
für die Zusammenhänge zwischen Boden, Pflanzenschutz, Ernährung, Biodiversität und Klimaschutz.
Bodenwissen in den Gärten wachsen lassen
Unsere Idee ist es, mithilfe des Bodenkoffers das notwendige Praxiswissen über das Netzwerk urbaner
Gärten in die unterschiedlichen Gartenprojekte zu bringen. Die Geografin und Projektbeteiligte Ruth Mahla
hat sich den Bodenkoffer ausgeliehen und dessen Anwendung getestet.
Unserer Einschätzung nach benötigt die Anwendung des Bodenkoffers eine qualifizierte Anleitung, also die
Vermittlung durch eine erfahrene Expertin. Ruth Mahla würde diese fachliche Begleitung übernehmen.
Zum einen sollen Workshops für Interessierte in bestehenden Gemeinschaftsgärten am Ökologischen
Bildungszentrum und im StadtAcker stattfinden. Darüber hinaus sollen Workshops in weiteren
Gemeinschaftsgärten vor Ort ermöglicht werden.
Ziel ist es, Gartenaktive darin zu ermächtigen, ihre Böden mit den Werkzeugen des Bodenkoffers selbst zu
analysieren, die Qualität ihres Bodens zu beurteilen und das Wissen weiterzugeben. Längerfristig sollen
eine fachgerechte Bodenbeurteilung und die daraus resultierende Bodenpflege für alle Gartenprojekte
selbstverständlich werden.
- Wie viele der Münchner Gemeinschaftsgärten haben Interesse an der Nutzung des Bodenkoffers? Wie wurde dieses Interesse abgefragt?
Das Interesse wurde beim Netzwerktreffen am 22.3.2022 abgefragt. Bei diesem Treffen waren 15 Teilnehmer*innen anwesend. Die Idee des Bodenkoffers stieß auf allgemeines Interesse. Besonderes Interesse bekundeten folgende Gemeinschaftsgärten, deren Vertreter*innen anwesend waren: Sonnengarten Solln, Bienengarten Pasing, Freiluftgarten Freiham, StadtAcker und Experimentiergarten am ÖBZ. Allerdings ist der Kreis der Gemeinschaftsgärten noch deutlich größer. Wir gehen davon aus, dass es weitere Gemeinschaftsgärten gibt, die den Bodenkoffer einsetzen würden. Dazu zählen v.a.: EineWeltHaus-Garten, Gemeinschaftsgarten der Vielfalt der IG-Feuerwache, Interkultureller Gemeinschaftsgarten Blumenau, Interkultureller Gemeinschaftsgarten Grünstreifen Oberföhring, o’pflanzt is, Waldschmausgarten, Bewohnergärten Gotteszeller Straße, Bewohnergarten ZAK Neuperlach.
Wir erwarten zudem, dass das Interesse mit den Erfahrungsberichten aus den anderen Gärten wächst. Die Methode wird über den Newsletter und bei den nächsten Netzwerktreffen erneut beworben.
- Wie transportabel ist der Koffer?
Der Koffer ist gut transportabel. Alle Utensilien sind kompakt in einem rollbaren handlichen und stabilen Case untergebracht, so dass er durchaus auch mit dem Rad oder via ÖPNV transportiert werden kann.
- Wer kümmert sich um Ausleihe und „ordentliches Zurückbringen“? Wie wäre die Ausleihe organisiert?
Diese Aufgabe würden wir im ÖBZ übernehmen. Die Ausleihe würde über eine Terminanfrage telefonisch oder per Mail im Infobüro oder bei Frauke Feuss erfolgen. Die Daten der Ausleihenden, Abhol- und Rücktermin werden dokumentiert, ebenso wie der aktuelle Inhalt. Verbrauchsmaterialien werden ggf. ergänzt.
- Wie wird in allen Gemeinschaftsgärten Münchens bekannt gemacht, dass es diesen Koffer gibt?
Die Bekanntmachung wird zielgerichtet für die Gemeinschaftsgärten erfolgen, über die Homepage und den Newsletter von UGM, die Homepage ÖBZ, Netzwerktreffen und Mund-Propaganda.
- Wie werden die Workshops dokumentiert, so dass Gärten/Interessierte, die nicht bei den Workshops dabei sein können, den Koffer dann trotzdem eigenständig nutzen können?
Wir werden Videoclips zur Handhabung bei einem der Workshops anfertigen, die die bestehenden Videoanleitungen ergänzen
- Wird der Koffer pro Garten dann nur 1x genutzt oder ist das jedes Jahr sinnvoll und attraktiv?
Es ist sinnvoll, die Methoden des Bodenkoffers mehrfach anzuwenden, um eine Langzeitbetrachtung des Bodens und ggf. der Wirkung eingeleiteter Verbesserungsmaßnahmen zu erfassen. Vor allem wenn Bodenverändernde Maßnahmen durchgeführt werden, empfiehlt sich eine mehrfache Beprobung, um Vorher-Nachher-Effekte feststellen zu können.
- Wäre auch ein Online-Workshop zur Nutzung denkbar, der dann aufgezeichnet wird?
Der haptische Bezug zum Boden ist für das Verständnis und für die Schulung unabdingbar. Ein Online-Workshop würde die Schulung vor Ort nicht ersetzen können. Die Videodokumentationen könnten aber als Online-Einführung bzw. für die Nachbereitung hilfreich sein.
- Kann das ÖBZ die Kosten für die Workshops übernehmen?
Den Koffer würden wir gerne niederschwellig anbieten, damit die Gemeinschaftsgärten die Methoden auch nutzen. Daher würden wir die Einführungsworkshops zunächst ohne TN-Gebühr anbieten. Ziel ist es aber, in den einzelnen Gemeinschaftsgärten Menschen zu „Bodenexpert*innen“ zu qualifizieren, die das Wissen und ihre Erfahrungen innerhalb des Gartens oder auch darüber hinaus weitergeben können.
- Was fällt an Verbrauchsmaterialien an?
Es fallen nur geringe Kosten für Verbrauchsmaterialien an (z.B. Salzsäure, die in der Apotheke nachgekauft werden kann)
- Welche anderen Gärten, bis auf die ÖBZ-Gärten und der Stadtacker sollen Orte für die Workshops werden?
Sonnengarten Solln, Bienengarten Pasing und Freiluftgarten Freiham haben ihr konkretes Interesse bekundet.
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