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KRANICHSTEIN – Seit zehn Jahren sind die Mitglieder des Vereins „Internationale Gärten Kranichstein“ nun schon dabei, Gemüse, Obst und Salat auf ihren Parzellen an der Fasaneriemauer zu hegen und zu pflegen. Das soll gefeiert werden und so versammelten sich die Gärtnerinnen und Gärtner unterschiedlichster Nationen am vergangenen Wochenende zum Vorbereitungstreffen. „Ich backe und helfe saubermachen“, verspricht eine Frau. „Es wäre toll, wenn ein paar Männer die Toilette aufbauen könnten“, sagt eine andere.
Wenig später ist ein Gärtnertrupp am Zusammenschrauben der Kompost-Toilette, die der Verein gerade – ermöglicht durch eine Spende – anschaffen konnte. „Es ist immer wieder toll, zu sehen, wie viel Engagement gerade auch in die Gemeinschaftseinrichtungen gesteckt wird“, sagt die Vereinsvorsitzende Marion Olsowski. Egal, ob es um den Bau einer Pergola oder die Erhaltung der beiden Bauwagen geht, in denen Werkzeuge untergebracht sind, um das Anlegen einer Kräuterspirale oder eines gemeinschaftlichen Komposthaufens. Auch um die an das Gelände anschließende städtische Streuobstwiese kümmert sich der Verein, der Menschen aus Russland, Chile, Kuwait, Thailand, Deutschland, Nepal und dem Iran – um nur einige der vertretenen Nationen zu nennen – umfasst.
Das seit zehn Jahren währende gemeinsame Gärtnern feiern die Internationalen Gärten am Samstag, 8. September, von 14 bis 18 Uhr. Gäste sind willkommen. Die Mitglieder sorgen für Köstlichkeiten aus der ganzen Welt. Das Jubiläumsfest findet auf dem Gartengelände „An der Fasaneriemauer“ statt. (kaw)
„Ich hatte damals von einem solchen Projekt in Göttingen gehört und außerdem das Buch „Wurzeln schlagen in der Fremde“ gelesen“, erinnert sich Doro Neidhart an die Anfangsjahre. Zusammen mit Susanne Neumeyer-Seekatz und Barbara Mayer, der späteren langjährigen Vorsitzenden, hat sie die Idee des gemeinschaftlichen Gärtnerns von Menschen unterschiedlicher Herkunft vorangetrieben. Unterstützt aus Mitteln des Bund-Länder-Projekts Soziale Stadt wurde für die Idee die Werbetrommel gerührt – in der Stadtteilrunde Kranichstein, in Vereinen, in Kitas und beim internationalen Frauenfrühstück. „In Kranichstein, wo wir alle drei wohnen, leben so viele Nationen zusammen, da bot sich dieses Projekt einfach an“, meint Doro Neidhart. Und außerdem: „Und wir alle lieben Gärten.“
Mit Hilfe der Stadt war dann auch bald ein geeignetes Grundstück gefunden: Eine Wiese auf der einst der mittlerweile verstorbene Peter Gleichauf seine Oberwaldhaus-Ponys grasen ließ. Mit Unterstützung des Ketteler-Cardijn-Werks, einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft des Bistums Mainz, wurden 16 Parzellen auf dem 2500 Quadratmeter großen Gelände angelegt. Später kam der Wildschutzzaun hinzu und 2008 konnten die Gärtnergemeinschaft loslegen – zunächst ohne den mittlerweile eingerichteten Wasseranschluss.
Fast von Anfang an dabei ist Ibrahim Karimpur. Der aus dem Iran stammende Kurde ist froh, einen eigenen Garten bewirtschaften zu können: „Meine Familie hatte früher auch immer einen Garten. Das hier ist damit ein Stück Heimat für mich.“ Als gelernter Koch baut er auf seiner Parzelle hauptsächlich Kräuter an: Schnittlauch, Petersilie, Pfefferminze. Bei handwerklichen Einsätzen ist seine Unterstützung stets sehr gefragt. „Wir sind hier wie eine große Familie“, sagt Karimpur. Man helfe sich gegenseitig. Sei bei jemandem die Ernte sehr üppig ausgefallen, werde an andere verschenkt.
Das bestätigt auch Erna Lenz. Sie stammt aus Kasachstan und ist erst seit Jahresbeginn bei den Internationalen Gärten mit dabei. „Ich esse gerne Obst und Tomaten. Aber die aus dem Supermarkt sind nicht so gut.“ Tomaten, Erbsen, Weintrauben, Johannis- und Himbeeren kann sie nun im eigenen Garten ernten. „Die Gemeinschaft hier funktioniert gut“, sagt sie. Sie freut sich, dass der Nachbar die Pflanzen mitwässert, wenn sie nicht dazu kommt. Man könne jederzeit mit Unterstützung rechnen.
Wie in jeder Kleingärtnergemeinschaft gibt es für das Zusammenleben feste Regeln: So werden nicht mehr als zwei Familien einer Nationalität aufgenommen. Die Errichtung fester Hütten ist untersagt, lediglich Pergolen sind auf den Parzellen erlaubt. Bäume dürfen nicht gepflanzt werden, damit Nachbargrundstücke nicht verschattet werden. „Und wenn es Probleme gibt, dann wird das gemeinsam besprochen“, betont Marion Olsowski. Beim Treffen am letzten Wochenende sind die für die Festvorbereitung wichtigen Punkte schnell abgehakt und es bleibt noch Raum für einen wichtigen Hinweis: „Heute können wir die Pfirsiche auf der Streuobstwiese pflücken.“ (mehr …)