(aus Sachbericht)
Kritische Reflexion
• Unser Wunsch den Garten als Dorfgarten zu entwickeln, um vor allem mit den noch
anwesenden Dorfbewöhner*innen gemeinsam zu gärtnern und zusammenzukommen, war
uns so nicht von Erfolg beschieden. Wir haben gemerkt, dass es für die
Dorfbewohner*innen nicht sonderlich relevant ist zusammen zu gärtnern, besitzen sie
ohnehin eigene Gärten oder sind zu sehr in ihre eigenen Vorhaben eingespannt. Gleichzeitig
ist über die Anwesenheit von Aktivisti*innen ein großes Unterstützungspotential entstanden,
dass sich u.a. dadurch zeigt, das gemeinsam das Netzwerk: Alle Dörfer bleiben Halle /
Leipzig Anfang des Jahres 2019 gegründet wurde und wir darin gemeinsam aktiv sind im
Widerstand und für den Aufbau eines zukunftsfähigen Modelldorfes. Die
Dorfbewohner*innen sind sehr dankbar über den Zuwachs an Menschen und äußern
konstant, wie sehr für sie über den Gemeinschafts- und Projektgarten neue Perspektiven
entstanden sind und in Zeiten des direkten Widerstands dadurch einen Aufwind erlebt haben.
Die so relevante Pressearbeit zum Dorf geschah und geschieht meist über die Kombination
von alteingesessenen Dorfbewohner*innen und Mitgliedern von AAA. So konnte in
Lokalzeitung, Regionalzeitung, dem MDR, den Tagesthemen, dem ZDF und vielen weiteren
Medien die Botschaft vermittelt werden, welche Zerstörung an diesem Ort und anderen
Orten geschieht, Menschen sich dagegen auflehnen und an konkreten Alternativen
zusammenwirken. Mit der gesamten Klimagerechtigkeitsbewegung konnte im Januar 2021
der Erfolg gefeiert werden: der Braunkohlekonzern Mibrag hat offiziell bekannt gegeben:
Pödelwitz bleibt.
• Im Aufbau des Gemeinschaftsgartens lag stark der Fokus auf der infrastrukturellen Ebene
und hat dort so einige Kraft gelassen. Der Aufbau einer Commonsgemeinschaft ist dabei zu
kurz gekommen. So haben wir erst über einen langen Weg gelernt und bemerkt, wie relevant
es ist, sich auch gemeinsam zu organisieren, Fähigkeiten zu gelingender Moderation und
Konfliktbearbeitung anzueignen oder effektive Entscheidungsprozesse zu entwickeln.
Bemerkbar waren auch grundsätzliche Effekte unserer Sozialisierung, sodass blinde Flecken
in der Verteilung der Reproduktionsarbeit, emotionaler Fürsorge etc. sichtbar wurden.
• Wir sind gefühlt von einem Bedarf zum nächsten Bedarf und Gestaltungs- bzw.
Bauvorhaben übergegangen. Dabei sind in den konkreten Situation Ideen und Lösungen
entstanden. Hilfreich wäre hier sicherlich gewesen, sich zunächst Zeit zu nehmen, um etwa
gemeinsam ein Permakulturdesign zu entwickeln und in dieses dann die Elemente und ihre
Verbindungen einzufügen. Einige Tätigkeiten haben wir so doppelt gemacht wie den Aufbau
und Wiederneuaufbau an anderer Stelle und auch die Unsicherheit, ob nicht noch günstigere
Kopplungen von Funktionen und Elementen möglich gewesen wäre. Gleichzeitig haben in
den Situationen auch Umsetzungen gedrängt, wie z.B. der Bau einer Komposttoilette, sodass
ein wirklich gutes System erst wohl in Zukunft entstehen wird mit dem Abbau und
Neuaufbau.
• Unser Ansatz in Bauvorhaben möglichst auf Recyceln und Upcycling statt auf Konsum zu
setzen, hat gezeigt, wie viel Energie und Mehraufwand dies auch bedeutet. So z.B. bei der
Dämmung des Rundhauses mit „Rest“schaftswolle vom Schäfer aus der Umgebung. Allein
das Waschen und Präparieren der Wolle hat sicherlich viermal so lange gedauert, wie der
Rest des Baus. Gleichzeitig braucht ein solches Vorhaben immer auch ausreichend
(überdachten) Lagerraum, der bei uns nur begrenzt gegeben ist. So bleibt ein beständiges
Thema die Auseinandersetzung um die Ästhetik des Gartens. (mehr …)