Schlagwort: Stadt

  • IG Braunschweig europäischen Dachverband der Kleingärtnerorganisationen ausgezeichnet

    (Gu, alerts)

    Der „Interkulturelle Garten“ wurde 2007 in Kooperation mit dem Landesverband Braunschweig der Gartenfreunde e.V. durch Zusammenlegung zweier Parzellen im Kleingärtnerverein Heideland e. V. eingerichtet. Hier begegnen sich Flüchtlinge mit ihren Nachbarn.

    Nun ist das Projekt der Stadt Braunschweig in Rühme vom europäischen Dachverband der Kleingärtnerorganisationen (Office International du Coin de Terre et des Jardins Familiaux) für seine Förderung der multikulturellen Gemeinschaft ausgezeichnet worden. Doris Bonkowski, Leiterin des städtischen Büro für Migrationsfragen, Martina Krüger, zuständig für den Betrieb des Interkulturellen Gartens und Manfred Weiß, Landesverband der Gartenfreunde e. V., berichteten am Mittwoch über die Auszeichnung. Krüger erzählte: „Der Interkulturelle Garten bietet Raum für gärtnerische Tätigkeiten, den informellen Austausch und vielfältige Informationsangebote, die für das Ankommen in Deutschland von Bedeutung sind. Die Menschen können hier nach ihrer Flucht zum ersten Mal zur Ruhe kommen. Die Gartenarbeit stellt für viele Flüchtlinge wieder den Bezug zur Natur und Heimat her.“ Im besten Fall würden sich so Netzwerke und neue Ansprechpartner ergeben. „Es ist ein niedrigschwelliges Angebot, einmal im Austausch können wir weitere Ansprechpartner vermitteln“, so Bonkowski.

    Verschiedene Angebote

    Mit dem Preis zeige sich auch, dass das Angebot europaweit wahrgenommen werde. „Wir können schon ein bisschen stolz darauf sein, dass wir in Braunschweig als Erstes in einem Kleingarten so etwas etabliert haben“, ergänzt sie. Der Garten hat von April bis Oktober geöffnet, aber auch in den Wintermonaten werden verschiedene Dinge angeboten, um den Kontakt nicht abreißen zu lassen. Neben Aktionen im Garten gibt es auch immer wieder Infonachmittage.  Im letzten Jahr kamen rund 1.500 Besucher in den Garten. „Wir gehen in einen Kleingarten mitten in die Bevölkerung hinein. Das ist der Integrationsansatz“, ergänzt Bonkowski. Das Projekt wird jährlich mit einer Dauerförderung von 22.500 Euro unterstützt. Manfred Weiß stellt in diesem Zusammenhang auch klar. „Rein mit ehrenamtlichen ist so etwas nicht zu stemmen, man braucht auch professionelle feste Kräfte.“

    http://regionalbraunschweig.de/der-interkulturelle-garten-natur-heilt-die-seele/ (mehr …)

  • Zwischen Konsolidierung und Gefährdung. Der Kokopelli-Garten/Bielefeld

    (AB Gartenbesuch, Gespräch mit Annabelle Maynz, 18.4.2014)

    Art at Work konnte die Gartenfläche wie mit der Stadt (bzw. der Immobilienfirma, die die städtischen Flächen verwaltet) verabredet inzwischen erweitern. Seit der Markt auf den neu gestalteten alten Platz zurückgezogen ist, gibt es den nötigen Platz dafür. Der den Garten einfassende hässliche Bauzaun wurde von einem befreundeten Architekten umgestaltet und sieht jetzt richtig schick aus. Sie haben mittlerweile eine Gartenbank, die sie rausstellen, wenn der Garten geöffnet hat. Außerdem gibt es einen winzigen Geräteschrank (bei Ikea gekauft) und einen Wassertank für die Regenernte. Vandalismus ist keiner zu beklagen, einige Male gab es Ernteklau, jetzt stellen sie die Kisten so, dass nur Leute mit Affenarmen sie erreichen können. Grundsätzlich könnte man immer in den Garten rein, wenn man unbedingt wollte, aber auch die Jugendlichen aus diesem Problembezirk wollen offenbar nicht. Mit der Stadtbibliothek haben sie dagegen immer noch Ärger, der Leiter will nicht einmal mit ihnen sprechen. Angeblich geht es um die Ästhetik, dem Leiter gefällt der Garten nicht. Nach wie vor haben sie Zugang zu Wasser, Strom und Toiletten durch die angrenzenden Häuser, die der Stadt gehören. Sie sollen jetzt aber in absehbarer Zeit abgerissen werden. An ihrer statt soll ein 4-Sterne-Hotel entstehen.
    Grundsätzlich, sagt Annabelle Maynz (eine der beiden initiierenden KünstlerInnen), sind wir ja mobil und können in eine andere Ecke auf dem Platz umziehen, aber bisher hat noch niemand wirklich mit ihnen geredet. Sie stehen grundsätzlich mit der städtischen Immobilienverwaltungsfirma auf gutem Fuß, die Mitarbeiter hier sind kooperativ, gestatten z.B., s.o., die Strom- und Wasserversorgung. Die politischen Vertreter sind schwierig, insbesondere gelte es, eine zu große Nähe zu einer bestimmten Partei zu vermeiden, weil dann die anderen Parteien zwanghaft gegen das von dieser Partei unterstützte Projekt sind. Also versuchen sie, sich neutral zu verhalten. Mit den Leuten von Transition Town haben sie sich vernetzt.
    Annabelle erzählt, trotz aller Widrigkeiten sei ihr das Projekt total ans Herz gewachsen. Ursprünglich hätten sie nur nach einem Medium gesucht, um den Leuten das Ernährungsthema schmackhaft zu machen, aber jetzt hätte sie selbst erfahren, was es bedeute, die Hände in die Erde zu stecken.
    Sie öffnen den Garten regelmäßig einmal in der Woche (samstags), ansonsten gibt es Aktionen nach Bedarf, die auf der Website oder in ihren Verteilern angekündigt werden (meistens Kinderaktionen, für die man sich anmelden muss). Dann stellen sie ihr Lastenfahrrad vor den Garten und die Möbel auf den Platz. Es gibt eine Gießgruppe und regelmäßige NutzerInnen, aber grundsätzlich haben sie zu wenige feste MitstreiterInnen, allerdings viel sporadische Unterstützung diverser Art. Künstlerfreunde mit eigenem Garten versorgen sie mit Erde zum Selbstkostenpreis. Sie versuchen gerade einen Rentner mit Ahnung vom Gärtnern zu aktivieren, um die Gartenöffnungszeiten erweitern zu können.

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  • Ein illegaler Garten – BürgerNutzGarten in Krefeld

    (AB Gartenbesuch in Krefeld, Ostermontag, 21.4.2014, Gespräch mit Bernhard Mildebrath)

    Auf der unwirtlichen, von zwei stark befahrenen Straßen umgebenen Fläche stehen ein paar vereinzelte Hochbeete. An den Rand haben sie Himbeeren gepflanzt. Und zwei Apfelbäumchen, die gleich für veritablen Ärger sorgten. Die Garteninitiative bekam prompt Post von der Stadt mit der Aufforderung, die Apfelbäume wieder auszugraben, andernfalls würde das das Grünflächenamt besorgen.
    Das Ganze macht einen sehr provisorischen Charakter, es handelt sich ja auch um eine besetzte Fläche, sie kündigen ihre Aktionen und Treffen inzwischen auch nicht mehr auf ihrer Website an. Die Gruppe will nicht andere in ihre illegalen Aktivitäten reinziehen, erklärt Bernhard Mildebrath (der Initiator des Gartens) dazu. Zumindest ein Schild oder vielmehr zwei wurden mittlerweile aufgestellt. Auf dem einen steht „Krähensaat“, auf dem anderen „Guerilla Gardening“.
    Das Verhältnis zur Stadt bzw. zum Gartenbauamt ist ambivalent. Einerseits duldet die Stadt die Aktivitäten, signalisiert aber andererseits Handlungsbereitschaft bei Missfallen. Immerhin scheint es Überlegungen seitens der Stadt zu geben, der Initiative mittelfristig eine Fläche für einen Gemeinschaftsgarten zur Verfügung zu stellen. Er soll dann in einem Park angesiedelt werden.
    Der Garten wird von Transition Town unterstützt. Eine kleine Gruppe, ein harter Kern hat sich um die Bewirtschaftung der Fläche inzwischen gebildet, eine Gruppe, die sich zutraut, auch ein größeres Projekt wie das im Stadtpark in Abgriff zu nehmen. Dann, sagt Bernhard Mildebrath, würden sie auch die Gründung einer Körperschaft (Verein) in Angriff nehmen und die Öffentlichkeit informieren.
    Die Fläche ist eigentlich unattraktiv, viel zu laut, viel zu unwirtlich, eine wirkliche Träne würde man ihr vermutlich nicht nachweinen. Bernhard Mildebrath beschreibt die Motivation seines Engagements in zwei Richtungen: Er möchte die Stadt dazu bringen, tätig zu werden, er findet es unerträglich, dass Vorhaben jahrelang nicht umgesetzt werden, es wäre ihm auch recht, auf die Fläche käme ein Parkplatz: Immer noch besser als eine vermüllte Brache. Auf der anderen Seite möchte er Bürger animieren, Dinge selber in die Hand zu nehmen, sich nicht über eine vermüllte Brache zu beschweren, sondern sie aufzuräumen. Davon unabhängig hat er anscheinend auch noch das Interesse, dass urbane Gärten in die städtische Freiraumplanung integriert werden.

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  • Ein Garten braucht ein Gerätehaus /Dietzingen

    Gerätehaus/ Dietzingen

    Ein Garten braucht eine Gerätehaus
    (AB Telefonat mit Winfried Doerjer im Rahmen der Recherche Handwerk in Interkulturellen Gärten)

    In Dietzingen haben sie zusammen eine 40 m² große Gartenhütte in einer konzertierten Aktion (zwei Wochenenden) auf dem Grundstück des Besitzers abgebaut und im Garten wieder aufgebaut. Die ganze Aktion hat mit den nötigen Reparaturen und der Miete für den Sattelschlepper insgesamt ca. 4000 Euro gekostet. Es gab einige kundige Leute im Garten, wie man Sachen abbaut und kunstfertig verstaut, die anderen wurden angelernt. Einer hatte einen Kumpel, der den Sattelschlepper günstig besorgen konnte, und so kam eins zum anderen. Die ganze Aktion war für den Garten extrem gemeinschaftsbildend, ein Erfolgserlebnis, dass man so etwas gemeinsam hinbekommt, erzählt Winfried Doerjer. Vorher besaßen sie nur einen alten Bauwagen, der langsam vor sich hin rostete und die Landschaft verschandelte. Zwischenzeitlich hatten sie einen alten Container aus Norddeutschland in Aussicht, aber den wollte der Bürgermeister nicht, das passe bei ihnen nicht ins Landschaftsbild, fand er. Inzwischen haben sie ihre Hütte in Betrieb, einerseits Küche und Aufenthaltsraum, andererseits Aufbewahrungsort für gemeinsames Werkzeug und sonstigen Gartenbedarf, ist sie jetzt fast schon wieder zu klein.
    Gegenwärtig bauen sie an einer Balustrade, um zukünftig Wein anzubauen.
    Nach einigen Querelen, die Arbeitsteilung im Garten betreffend, haben sich neuerdings Zuständigkeitsgruppen gebildet. Es gibt jetzt eine Kompostgruppe, eine Gruppe, die sich nur um die Blumen kümmert etc. Es laufen nicht mehr alle Fäden bei Winfried Doerjer zusammen, so dass er dauernd in bilaterale Verhandlungen eintreten muss, vielmehr regeln die Leute die Angelegenheiten jetzt selber in Netzwerkstrukturen.
    Die Stadt und überhaupt die Kommune reagieren zunehmend wohlwollend/kooperativ, es fließen inzwischen auch Gelder, was anfangs wohl nicht abzusehen war. Neulich haben sie 5000 Euro von der Sparkasse bekommen, die Stadt spendiert dem Garten in der aktuellen Saison zwei Dixi Klos. Winfried Doerjer interpretiert das so, dass man eben erst beweisen musste, dass man es ernst meint und auch selber etwas auf die Beine stellt.
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