Schlagwort: Wohnungslose

  • Gartenprojekt für wohnungslose Männer von Wohnungsbauplänen bedroht

    (Gu, alerts)

    Stuttgart

    Die SWSG möchte auf dem Gelände des 1,2 Hektar großen Gartens des Immanuel-Grötzinger-Hauses Wohnungen bauen. Doch die Einrichtung für wohnungslose Männer möchte ihr preisgekröntes Gartenprojekt an Ort und Stelle behalten.

    Rot – Der Bürgerstiftung war das Gartenprojekt des Immanuel Grötzinger Hauses (IGH) in diesem Jahr eine Auszeichnung wert. In der Kategorie Nachhaltigkeit gab es den Bürgerpreis. Nachhaltig wirkt es vor allem auf das Selbstwertgefühl der Männer, die in dem 1,2 Hektar großen Garten mit seinen Obstbäumen, Beerensträuchern, Blumenbeeten und Bienenstöcken arbeiten und so Struktur in ihren Alltag bringen. Doch die Bewohner des Männerwohnheims müssen derzeit bangen. Bangen um den Fortbestand des Gartens an seinem jetzigen Standort. Denn geht es nach den Wünschen der Stadt und der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG), sollen dort in Zukunft Wohnungen statt Gewächshäuser stehen.

    Zum Verhängnis könnte dem Gartenprojekt an der Böckinger Straße werden, dass es auf einem von acht Gebieten steht, die zum 2013 von Oberbürgermeister Fritz Kuhn vorgestellten Konzept „Wohnen in Stuttgart“ gehören. Die Gebiete sind dafür vorgesehen, dass auf ihrem Boden unter anderem bezahlbarer und öffentlich geförderter Wohnraum entstehen soll. Denn an dem mangelt es in der Stadt. Noch gehört das Areal, das sich von der Böckinger Straße bis zum Bahn-Viadukt erstreckt, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Die Stadt Stuttgart möchte es von der BIMA erwerben. Mit der Bebauung soll dann die SWSG betraut werden.

    „Wir wussten, dass das Gebiet zu diesem Wohnraumkonzept gehört und haben von Anfang an gesagt, dass wir mitreden wollen“, sagt der Bereichsleiter des IGH, Axel Glühmann. Denn das Gartenprojekt des von der Evangelischen Gesellschaft (Eva) unterhaltenen IGH möchte man unter allen Umständen fortsetzen. Derzeit arbeiten circa 30 Bewohner des IGH und des benachbarten Christoph-Ulrich-Hahn-Hauses im Garten. Den alleinstehenden Männern, die meist aus problematischen Lebensverhältnissen kommen, arbeitslos sind und Sucht und Obdachlosigkeit hinter sich haben, bietet die Gartenarbeit eine Tagesstruktur und eine Aufgabe. Vielen hilft es dabei, sich vom Alkohol und von Sorgen abzulenken. „Wir haben hier gewachsene Strukturen und deshalb ist es uns wichtig, am Standort zu bleiben“, betont Glühmann.

    Viele Gespräche hat es zwischen der Eva, der Stadt und der SWSG in den vergangenen sechs Monaten gegeben. Laut einer gut unterrichteten Quelle aus der Stadtverwaltung hätten sich die allerdings im Kreis gedreht, denn gehe es nach der Eva, so wolle man den ganzen Garten erhalten. Das könnte allerdings dazu führen, dass 50 Wohnungen weniger gebaut würden, was nicht im Interesse der Wohnungsbaupolitik sei. Nach der Sommerpause möchte man einen Knopf an die Sache machen und zu einer Entscheidung kommen.

    http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.immanuel-groetzinger-haus-in-stuttgart-rot-preisgekroentes-gartenprojekt-in-gefahr.50cf3e3e-83f3-43f2-a21a-e4523d0fdf7d.html (mehr …)

  • Ab geht die Lucie will „Spielplatzregelung“, um Alkoholkonsum und Konflikte einzudämmen

    (Gu, RSS)

    Leider gibt es aktuell ein Problem, das uns herausfordert. Wie schon im letzten Sommer ist unser Dialog mit den Lucie “Stammgästen“, also den verschiedenen wohnungslosen, oft alkoholkranken Menschen, die sich dauerhaft auf dem Lucie-Flechtmann-Platz aufhalten, in Schieflage geraten. Letztes Jahr haben wir vermutlich unser eigenes Problem gefördert: Mit unserem Gewächshaus haben wir uns einerseits einen kleinen Traum erfüllt und in den frühen Sommermonaten Aubergine und Melonen in Bremen angebaut. Spätestens ab August jedoch war das Gewächshaus „besetzt“ und Gespräche mit den Wohnungslosen sind wirkunglos geblieben. Die Folge war, dass wir das Gewächshaus wieder abbauen mussten. Die nächtlichen Gelage, der Lärmpegel, vor allem auch der viele Müll, sowie eine unangenehme Atmosphäre auf dem Platz haben zu der Konsequenz geführt, dass es seitdem keine Überdachungen mehr auf der Lucie gibt.
    Wir haben den Wohnungslosen wiederholt erklärt: „Die Lucie ist Garten für alle, aber kein Platz zum Schlafen, kein Lager für Kleidung, Essen, Schlafsäcke usw.“. Und wir haben entsprechend gehandelt und alles entsorgt was nicht zum Garten gehörte.

    Zudem haben wir an verschiedenen Stellen nach Unterstützung gesucht, als die Stimmung gekippt und ein offener Streit zwischen „uns“ und den Wohnungslosen entstanden war. Doch weder im Ortsamt, noch bei der Inneren Mission, noch bei der Polizei hatte man Kapazitäten für unser Anliegen.

    Wir möchten nicht, dass sich diese Situation wiederholt!

    Gerade letztes Wochenende gab es eine Prügelei zwischen Betrunkenen auf dem Platz. Es wurde wieder dort geschlafen, ein Zelt aufgebaut, es gab viel Lärm und Müll. Von einer Nachbarin, dieser unser Projekt immer sehr unterstützt hat, haben wir nun gehört, dass eine Grenze überschritten ist: Sie stellt das Lucie-Projekt unter diesen Umständen in Frage.

    Das schockiert uns sehr auf der einen Seite, anderseits haben wir Verständnis. Auch wir sind von der Situation sehr genervt, haben genug Scherben weggefegt und unfruchtbare Gespräche geführt. Aber wir glauben nicht, dass ein Lucie-Flechtmann-Platz ohne Garten die Lösung ist. Die alkoholkranken Lucie-Stammgäste gäbe es auch ohne Garten immer noch. Sie sind ein Teil unserer Gesellschaft und unserer Stadt. Aber es müssen Regeln für ein gutes Miteinander eingehalten werden.

    Auch wissen wir, dass nicht jeder Lärm den Stammgästen zuzuschreiben ist. Die Neustadt verändert sich derzeit und es sind mehr Gruppen nachts laut unterwegs, als noch vor wenigen Jahren. Einen Teil des nächtlichen Lärms können wir daher nicht beeinflussen.

    Spielplatz-Regelung für die Lucie

    Wir haben aber folgende Idee, die dauerhaft zu einer angnehmeren Atmosphäre auf der Lucie führen soll: Wir möchten eine Spielplatzregelung einführen. Zwischen 8:00 und 18:00 Uhr soll auf dem Platz kein Alkoholkonsum erlaubt sein. Beispiele aus anderen Städten haben gezeigt, dass das funktioniert, z.B. Würzburg oder Potsdam. Wir haben lange darüber diskutuert und glauben, dass diese Regelung eine gute Lösung und Chance für die Lucie ist! Daher haben wir einen entsprechenden Bürgerantrag beim Ortsamt gestellt: Die Lucie soll ein Begegnungsort für alle Nachbar/innen bleiben und nicht nur für diejenigen, die sich lautstark und betrunken durchsetzen. (mehr …)